Nachruf 

Abschied von einem Bescheidenen

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Unterföhring - Die Unterföhringer Kirche war überfüllt, auf dem Kirchenfriedhof war kein Durchkommen, als sich am Mittwoch dieser Woche Angehörige und Mitbürger von dem Unterföhringer Landwirt Johann Baptist Hanrieder verabschiedeten, der im Alter von 87 Jahren verstorben ist.

Landwirt mit Leib und Seele

 „Er hat seine Dienste für seine Mitmenschen wohl immer als selbstverständliches Bürgerengagement angesehen“, meint Klaus Läßing, der bis 2002 Bürgermeister war und Baptist Hanrieder 2001 mit der Bürgermedaille auszeichnete. Hanrieder war mit Leib und Seele Landwirt. Von seiner Geburt bis zu seinem Tod lebte er auf dem Hof an der Münchner Straße, umgeben von seiner Frau Aloisia, zwei Söhnen und einer Tochter, sechs Enkeln und drei Urenkeln. 

Bis ins hohe Alter fuhr er mit dem Traktor auf die Felder. Später begleitete er seinen Sohn Christoph, der den Hof übernahm. 

Während des Kriegs zum Löschen nach München

Während des Zweiten Weltkriegs war er 1943 als 15-Jähriger in die Unterföhringer Feuerwehr eingetreten. Nicht ganz freiwillig, wie er dem Münchner Merkur einmal anlässlich seiner Auszeichnung für 65 Jahre Mitgliedschaft bei der Feuerwehr erzählte: „Die Älteren waren im Krieg, da wurden die Jüngeren gebraucht. Das ist nicht anders gegangen.“ Schon sein Vater Simon Hanrieder war bei der Unterföhringer Feuerwehr gewesen. Und auch seine beiden Söhne Hans und Christoph sowie sein Enkel Michael sind Mitglieder. Von der heutigen Ausrüstung konnte man damals nur träumen. Als Baptist Hanrieder zur Feuerwehr kam, gab es eine Holzleiter, einen Hydrantenwagen und einen Löschwagen zum Ziehen. 

Nach Bombenangriffen in der Landeshauptstadt waren Einsätze in München an der Tagesordnung. „In den Nachkriegsjahren machte sich Baptist Hanrieder sehr verdient um den Ausbau der Unterföhringer Wehr“, erinnerte der Feuerwehrvorsitzende und Vereinssprecher Stephan Ganser. 

Bis zu seinem 60. Lebensjahr war Hanrieder in der Feuerwehr aktiv. „Er war ein ruhiger, freundlicher Mann“, erzählt Ganser, der Feuerwehr blieb er immer verbunden, kam regelmäßig zur Jahreshauptversammlung und war in geselliger Runde dabei, wenn die Feuerwehr zu Festen einlud. Förderndes Mitglied war er bis zu seinem Tod, unglaubliche 73 Jahre lang.

Ein guter Schütze bis ins hohe Alter

 In vielen Vereinen engagierte sich Hanrieder, besonders aber bei den Schützen: 23 Jahre, bis 1984, war er Schützenmeister, er baute das erste Vereinsheim an der Kanalstraße auf und war bis zu seinem Tod Ehrenschützenmeister und noch mit 86 Jahren ein sehr guter Schütze. 1981 trat er dafür ein, dass Damen aufgenommen wurden. „Damals gab es einigen Gegenwind“, erzählt sein Nachfolger Donat Aigner, „er hat es mit einiger Willensstärke durchgesetzt“. Zum Glück: „Denn heute wären wir ohne die Damen aufgeschmissen.“ 

Mit dem Traktor zur Demo

Klaus Läßing spricht voll Hochachtung über den zurückhaltenden, aber immer hilfsbereiten Landwirt: „Ich hatte von Anfang an einen guten Draht zu ihm“, erzählt der gebürtige Hamburger. Als der Bau der Kreisstraße M1 auf sich warten ließ, und der Durchfahrtsverkehr im Ort unerträglich wurde, organisierten die Unterföhringer eine Demonstration. „Baptist Hanrieder hat uns mit Traktor und Anhänger unterstützt und ist auch selbst mitgefahren. Er war ein Mann der Tat. Ein bescheidener Mensch, der nicht viele Worte brauchte.“ Und er fügt hinzu: „In unserer nicht gerade mit Vorbildern und Idealen gesegneten Zeit kann man auf ihn durchaus das Lied vom braven Mann singen. Er war ein Beispiel dafür, dass es auch in unserer örtlichen Gemeinschaft Bürger gibt, die als Vorbild gelten können.“

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