Spielt ihren Gästen die Bälle zu: Zweite Bürgermeisterin Betina Mäusel mit (v.l.) Ernst Weidenbusch, Markus Söder, Wolf-Dieter Ring und Thomas Hinrichs im Studio der Bayerischen Akademie für Fernsehen und digitale Medien. Foto: Gerald Förtsch

CSU-Neujahrsempfang in Unterföhring

Aufbruchstimmung mit Markus Söder

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Im Scheinwerferlicht der Bayerischen Akademie für Fernsehen kommt Markus Söder (CSU) in Fahrt: Pointiert kündigt er seine politischen Pläne für Bayern an und lässt sogar kabarettistisches Talent aufblitzen. Über 200 Gäste wollen den designierten Ministerpräsidenten beim Neujahrsempfang der CSU Unterföhring sehen.

Unterföhring– Sie erleben einen spannenden und amüsanten Abend. Charmant moderiert Ortsvorsitzende und Zweite Bürgermeisterin Betina Mäusel die Podiumsdiskussion. Wobei sich vor allem Söder, aber auch sein Freund, der CSU-Landtagsabgeordnete Ernst Weidenbusch, für den Wahlkampf in Position bringen. Attacken verkneift sich Söder, wirkt besonnen, zupackend und modern. Er plaudert als Familienvater davon, dass bei ihm zu Hause auch Netflix geschaut wird, dass die Kinder nicht „im Eimer sind“, wenn sie mal „ein Game“ spielen. Und spricht fasziniert von den Chancen künstlicher Intelligenz, etwa bei Demenzkranken.

Söder fordert: Wohneigentum muss für normale Familien möglich sein

Von den Sondierungsgesprächen in Berlin berichtet er: „Es ist erstaunlich, dass sich außer uns überhaupt keiner traut, Regierungsverantwortung zu übernehmen.“ Bei der SPD würden Parteistrategen an den übernächsten Wahlkampf denken.

Für Bayern verbreitet er Aufbruchstimmung: Wohnraum zu schaffen, sei eine echte Herausforderung, angesichts der „panikartigen Fluchtbewegung aus den anderen Bundesländern zu uns“. Was ihn schockt: „Dass normal arbeitenden Leute, kaum eine Wohnung finden und Eigentumserwerb praktisch ausgeschlossen ist für eine normale Familie.“ Er kündigt den Bau von Wohnungen und ein Baukindergeld an. Auch neue Pflegeplätze verspricht er. In der Asyl- und Sicherheitspolitik will Söder ein „bayerisches BAMF“ schaffen: ein Landesamt für Asyl und Abschiebung. Wenn Abschiebungen beschlossen seien, müssten sie „schnell und effizient“ durchgeführt werden.

Ältere bekommen „die zweite digitale Chance“

Für die älteren Menschen im Publikum hat er eine überraschende Botschaft parat: Jeder bekommt „die zweite digitale Chance“, ein spezielles Bildungsprogramm, „damit alle die gleiche Teilhabe bekommen und keiner auf der Strecke bleibt“.

Lange vor der Bundestagswahl – nach der sich Söder dann zunehmend Hoffnung auf den Job als Landesvater machen durfte – hatte Betina Mäusel schon die Zusage, dass er zum Neujahrsempfang kommen werde. Dafür hatte Weidenbusch gesorgt und dem Noch-Finanzminister einen „interessanten Abend“ versprochen.

Jetzt, wo Söder als designierter Ministerpräsident umso mehr im Fokus steht, demonstrieren „der Markus“ und „der Ernst“, dass sie an einem Strang ziehen. Im Wahlkampf – und vielleicht sogar bald in der Staatskanzlei? Dass sie Macher sind, daran lassen sie auf der Bühne in Unterföhring keinen Zweifel: „Dass sich der Markus nur zwei Amtszeiten gibt, ist Spitze“, sagt Weidenbusch, „da hat er nur zehn Jahre Zeit und kann nicht nur reden, da muss er machen.“

Weidenbusch: „Der Bayer ist im Grund ein Anarchist.“

Vize-Landrat Weidenbusch plädiert dafür, dass beim Thema Wohnraum diejenigen bessergestellt werden, „die hier geboren sind und die sich engagieren“. Sein Credo: CSU-Politik soll die Menschen nicht behindern. Daher werde die Straßenausbaubeitragssatzung abgeschafft und der Funkwasserzähler sei schon vom Tisch. Er ist überzeugt: „Der Bayer ist im Grund ein Anarchist.“ Daher lasse er sich auch nicht vorschreiben, dass er Angela Merkel gut finden solle.

Als Hausherr nutzt Professor Wolf-Dieter Ring Söders Besuch für sein Anliegen. Er wirbt für die Bayerische Akademie für Fernsehen und bittet: Die Medienpolitik möge wieder in der Staatskanzlei „in einer Hand“ angesiedelt werden. Bisher ist sie zum Teil auch Sache des Wirtschaftsministeriums.

Thomas Hinrichs, Informationsdirektor im Bayerischen Rundfunk, verteidigt die Rundfunkgebühren: „Der BR ist die journalistische Ordnungsmacht im Gemetzel der digitalen Netzwelt.“ Söder sieht es weniger drastisch. Auch die privaten Sender bekommen Lob für ihre Arbeit. Was die Rundfunkgebühren am meisten rechtfertige, so Söder: Dass die öffentlich-rechtlichen Medien Fakenews korrigieren würden. Am Ende klingt er wieder ganz verbindlich: „Ich will Lobbyist für die Leute sein. Das heißt, ich wäre dann auch Lobbyist für Unterföhring.“

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