Seniorin Impfstart Altenheim
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Die erste Impfung in einem bayerischen Seniorenheim hat die 100-jährige Theresia von Grün (hier mit ihrem Neffen Christoph) am Sonntag um 10.20 Uhr im Seniorenzentrum an der Hofäckerallee in Unterföhring von Arzt Dr. Dirk Wiepcke erhalten.

Kampf gegen Corona-Virus

100-Jährige bekommt erste Impfung in bayerischem Seniorenheim

  • Martin Becker
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Im Freistaat haben die Impfungen begonnen. Die erste Impfung in einem bayerischen Seniorenheim hat die 100-jährige Theresia von Grün im Seniorenzentrum an der Hofäckerallee erhalten.

Update vom 27. Dezember, 16.24 Uhr: Ihren Humor hat Theresia von Grün auch nach 100 Lebensjahren nicht verloren. „Jetzt wird serviert“, sagte sie, als eine Mitarbeiterin der Malteser auf einem silbernen Tablett die ersten fünf Spritzen hereintrug. Dann ging alles blitzschnell: den gestreiften Pullover hochziehen, Oberarm desinfizieren. „Wir müssen in den Muskel rein“, hatte Dr. Dirk Wiepcke ihr vorab erklärt.

Corona in Unterföhring: 100-Jährige bekommt erste Impfung in bayerischem Seniorenheim

Es sei ein bisschen wie beim Dart: „Mit den Fingern die Hautstelle nehmen, genau zielen, beherzt reinstechen.“ Um 10.20 Uhr erfolgte im Seniorenzentrum an der Hofäckerallee in Unterföhring die bayernweit wohl erste Impfung gegen das Coronavirus. Als Zweite kam, exakt 51 Minuten später, das altersmäßige Pendant an die Reihe: Yvonne Gemmler (18), die jüngste Auszubildende der Pflege-Einrichtung.

Dass aller Anfang schwer ist, zeigte sich zum Impfstart in Unterföhring. Dort hatte das Seniorenzentrum unter Leitung von Dorothea Homann alles bestens vorbereitet, von den Räumlichkeiten bis zur obligatorischen Impf-Aufklärung und diversen Formularen zu den Patientendaten. „Das ist perfekt organisiert hier“, lobten unisono Dr. Wiepcke und Joachim Görtz, der Leiter der Landesgeschäftsstelle des „Bundesverbands privater Anbieter sozialer Dienste“. Und trotzdem verging eine Stunde zwischen dem Eintreffen der tiefgekühlten Impfdosen in zwei Malteser-Kleinbussen und dem Verabreichen der ersten Spritze.

Corona-Impfungen in Unterföhring: Um 9.20 Uhr fährt Malteser-Bus vor

Eigentlich ging alles straff los. Als die Malteser-Busse um 9.20 Uhr vorfuhren, warteten sie zunächst mit laufendem Motor. „Weil der Impfstoff ja kühl gehalten werden muss“, erläuterte Horst Weber, eine stämmige Erscheinung. Der die Frage, wo denn die Polizeibegleitung sei, lächelnd so beantwortete: „Wenn einer wie ich fährt, langt das schon.“

Nahezu militärisch strukturiert bauten die Malteser ihre Ausrüstung auf, alles lief wie am Schnürchen. Bis auf die Sache mit dem Internet. „Wer hat wann wo was bekommen? Eine genaue Dokumentationen der Impfungen ist essenziell“, sagte Dr. Wiepcke. Dafür gibt einen speziellen Zugang zu einer Datenbank – doch das Passwort zum mobilen W-Lan-Stick fehlte blöderweise. Also musste improvisiert werden, die Heimleiterin suchte nach einem Kabel, um den Datenbankzugang zu ermöglichen. Erst dann konnte es losgehen.

Corona in Unterföhring: Impf-Prozedur ist präzise vorgeschrieben

Aber auch die Vorbereitung der ersten fünf Spritzen dauerte eine Weile. „Da ist größte Sorgfalt gefragt! Bisher hatten wir nur Übungsmaterial und eine Menge Schulungen“, sagte Dr Wiepcke. Die Prozedur, von im scharf beobachtet, ist präzise vorgeschrieben: Eine Kollegin entnimmt der Tiefkühlbox aus einem gelben Kästchen das Glasfläschchen mit dem lila Deckel – darin ist der Impfstoff.

„Den darf man auf keinen Fall schütteln – er muss zehn Mal vorsichtig geschwenkt werden“, sagt der Arzt. „Andernfalls würde die Proteinhülle, die den Impfstoff ummantelt, zerspringen. Das ist ein ganz fragiles Molekül!“ In diesem Sinne fast andächtig erfolgt die Vorbereitung der ersten fünf Spritzen, so viele lassen sich auf einer Dosis mit verdünnender Kochsalzlösung herstellen. Immer schön sachte also, jede Handbewegung muss sitzen. Sind die Spritzen aufgezogen, besteht sechs Stunden Zeit, um sie zu verabreichen.

Vor Corona-Impfung in Unterföhring: 100-Jährige lässt sich über Nutzen und Risiko aufklären

Über Nutzen und Risiko der Corona-Impfung hat sich Theresia von Grün vorab aufklären lassen, mit Hilfe ihres Neffen Christoph (59). „Hast du gut geschlafen?“, fragt er sicherheitshalber. Ja, es passt alles. Als 100-Jährige wird sie danach routinemäßig länger beobachtet als die üblichen fünf Minuten. Aber auch nach längerer Zeit: keine Ausfallerscheinungen, die Fiebermessung ergibt 36,5 Grad. Die betagte Dame nimmt es gelassen, kommentiert eher amüsiert das Drumherum mit der komplexen Dokumentation: „Papiere, Papiere, Papiere.“

Auch bei Yvonne Gemmler (18), der Auszubildenden („Ich habe ein bisschen Angst, mache das aber für den Job“) geht alles glatt. Und als einer der Nächsten lugt Altbürgermeister Klaus Läßing (84) durch die Tür: „Wann bin ich dran?“

Ursprünglicher Artikel vom 27. Dezember:

Unterföhring - Für eine der allerersten Impfungen auserkoren wurde das Seniorenzentrum in Unterföhring. Das Heim war bereits gut vorbereitet auf den Impfstart. Eine interne Umfrage hatte ergeben, dass 57 der 66 Bewohner sich impfen lassen wollen, unter den 64 Mitarbeitern liegt die Quote bei etwa 50 Prozent. Die örtlichen Hausärzte haben sich um die Aufklärungsgespräche gekümmert, damit zum Impfstart allen nötigen Unterlagen vorlagen.

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