Kommandant der Unterföhringer Feuerwehr  Michael Spitzweg
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Kommandant Michael Spitzweg ist erneut bereit für das Ehrenamt. Foto: gefö/a.

Unterföhringer Wehr wählt neuen Kommandanten

Versammlung mit 86 Personen: Darum darf die Feuerwehr das

  • Charlotte Borst
    vonCharlotte Borst
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Versammlungen sind derzeit coronabedingt nicht erlaubt. Um so mehr herrschte jetzt Verwunderung, dass die Unterföhringer Feuerwehr ihre Kommandantenwahl mit 86 Aktiven im Bürgerhaus abhalten darf. Bürgermeister Andreas Kemmelmeyer (PWU) erklärte im Gemeinderat, warum diese Ausnahme von der Regel möglich ist.

Unterföhring/ Unterschleißheim – Die Gemeinde Unterföhring steht vor einem großen Problem. Am 29. Januar endet die sechsjährige Dienstzeit ihres Feuerwehrkommandanten Michael Spitzweg und seines Stellvertreters Andreas Schwinghammer. Damit die Feuerwehr nicht führungslos dasteht, soll die aktive Mannschaft zur Wahl schreiten. Was tun?

Versammlungen sind derzeit nicht erlaubt. Auch andere Vereine und Organisationen müssen mit Neuwahlen warten. Die Feuerwehr ist allerdings eine öffentliche Einrichtung und untersteht dem Feuerwehrrecht. Dies erlaubt weder Online- noch Briefwahl, die Satzung schreibt eine Präsenzwahl vor.

Bürgermeister: „Feuerwehr ist notwendig für unsere Infrastruktur“

Bürgermeister Andreas Kemmelmeyer (PWU) hat deswegen für den 29. Januar die 86 aktiven Feuerwehrleute zur Wahl ins Bürgerhaus eingeladen. „Wir brauchen eine handlungsfähige Feuerwehr“, argumentiert Kemmelmeyer, „sie ist notwendig für unsere Infrastruktur.“

Manch ein Außenstehenderr wird staunen, wenn die Feuerwehr ins Bürgerhaus strömt. Das ist ihm klar, deswegen baute Kemmelmeyer in der Gemeinderatssitzung am Donnerstag vor: „Nicht, dass Sie sich wundern, wenn 86 Leute ins Bürgerhaus kommen. Alle Wahlberechtigten werden registriert, halten Abstand und tragen FFP2-Masken.“ Der Zweite und der Dritte Bürgermeister werden diesmal nicht eingeladen, auch der Jahresbericht fällt aus. Das Treffen soll kürzer als eine Stunde dauern.

Kemmelmeyer hat dafür eine Genehmigung eingeholt. Die Kreisbehörde hat das Hygienekonzept gebilligt. Und Kommandant Michael Spitzweg ist grundsätzlich bereit, sein Ehrenamt ab dem 1. März wieder zu übernehmen.

Auch die Wasserwacht darf sich versammeln

Übrigens wiederholt sich die Prozedur ein paar Tage später. Bei der Wasserwacht stehen auch Neuwahlen an. „Hier ist die Sitzung auch nötig und findet ebenfalls im Bürgerhaus statt“, erklärt Kemmelmeyer.

In Unterföhring haben die Hilfsorganisationen offenbar einen besonderen Stellenwert. Doch etwas mulmig könnte es den Unterföhringern werden, wenn die aktive Mannschaft sich versammelt. Das Risiko, dass eine Feuerwehr wegen eines Corona-Ausbruchs in ihren eigenen Reihen nicht mehr ausrücken kann, sieht auch die Kreisbrandinspektion.

Kreisbrandrat rät dazu, Kommandantenwahlen zu verschieben

„Im Bürgerhaus Unterföhring ist genug Platz, um Abstand zu halten“, beruhigt Kreisbrandrat Josef Vielhuber. Er verweist auf andere öffentliche Gremien, die auch tagen: „Kreistags- und Gemeinderatssitzungen finden schließlich auch statt.“ Letztendlich müsse jede Gemeinde die Vor- und Nachteile abwägen, sagt der Chef der Landkreisfeuerwehren. Vielerorts seien die Feuerwehrhäuser oder Mehrzweckhallen zu klein, wenn 100 oder mehr Aktive wählen dürfen.

Der Übungsbetrieb der Einsatzkräfte fällt seit Monaten flach. „Bisher haben wir es – bis auf kleine Ausnahmen – so auch geschafft, Infektionen aus unseren Feuerwehren rauszuhalten“, berichtet Vielhuber, „die Einsatzbereitschaft war nie gefährdet.“

Zum jetzigen Zeitpunkt hält er Dienstversammlungen für „sehr kritisch“ und rät davon ab: „Die Inzidenzwerte sind hoch und die Bevölkerung ist zum Lockdown verpflichtet.“ Er empfiehlt, daher die Kommandantenwahlen hinauszuzögern, bis sich die Lage entspannt.

Unterschleißheim will Kommandant über Dienstzeit hinaus verpflichten

Denn ein Kommandant kann auch einfach über seine Dienstzeit hinaus verpflichtet werden. In Unterschleißheim endet die Amtszeit von Markus Brandstetter und seinem Stellvertreter Dirk Baquet im Februar. Zweimal schon hat die Stadt rund 130 aktive Feuerwehrleute zur Dienstversammlung eingeladen, im Dezember und im Januar. Beide Termine musste Bürgermeister Christoph Böck coronabedingt wieder absagen. Damit die Feuerwehr am 26. Februar nicht führungslos wird, soll der Stadtrat Brandstetter am 2. Februar als Kommandanten bestätigen. Denn auch diese Möglichkeit gibt es im Feuerwehrgesetz. Sobald möglich, wird die ordentliche Wahl nachgeholt.

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