Klimaschützer protestieren in Unterföhring gegen die GuD-Pläne der Stadtwerke München.
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Protest der Klimaschützer gegen die Stadtwerke: 22 schwarze Luftballons symbolisieren die 22 Millionen Tonnen CO2, die das neue Gaskraftwerk in den kommenden 30 Jahren ausstoßen wird.

SWM in der Kritik, weil sie auch künftig auf fossile Energie setzen

Demo gegen Gaskraftwerk: „Wir wollen kein Weiter-So“

  • Charlotte Borst
    VonCharlotte Borst
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Unterföhring – Die Stadtwerke München (SWM) wollen ein großes Gas- und Dampfkraftwerk in Unterföhring bauen. Rund 40 Demonstranten haben am Freitag vor dem Heizkraftwerk München Nord dagegen protestiert. Sie fordern, dass die SWM aus Kohle und Gas aussteigen.

„Wir wollen kein Weiter-So“, ruft Versammlungsleiter Dr. Helmut Paschlau ins Megafon, der Wind bläst in sein graues Haar, als er zum Kraftwerk zeigt. „Viele Münchner wissen ja gar nicht, dass wir hier ein Kohlekraftwerk haben. Die denken, hier wird nur Müll verbrannt.“ Paschlau kennt das Areal in- und auswendig. „Der Witz ist, ich bin der böse Bube, der das Heizkraftwerk Nord gebaut hat. Ich habe als kaufmännischer Projektleiter Termine gemacht, Kosten kalkuliert.“ Er sei mit dem Kraftwerk verbunden. „Aber heute bin ich heftig dafür, dass wir uns von fossilen Energieträgern verabschieden.“

„Es ist ökologisch fahrlässig, weiter auf fossile Energieträger zu setzen.“ Demo-Leiter Helmut Paschlau.

22 Milliionen Tonnen CO2-Emissionen

Die Gruppe vor ihm hat ihre Banner vor Pressefotografen und TV-Kameraleuten ausgebreitet, einige Demonstranten halten 22 schwarze Luftballons fest, die im Wind flattern. Sie stehen symbolisch für 22 Millionen Tonnen CO2-Emissionen, für die die SWM laut Umweltschützern verantwortlich sind, sollte das Gaskraftwerk gebaut werden.

Hinter Paschlau verläuft das Bahngleis, über das täglich lange Güterzüge Steinkohle anliefern. Rechts von ihm ragen die drei Schlote des Heizkraftwerks auf, in dem die SWM Wärme und Strom produzieren. Mit fossiler Energie wollen sie am Standort Unterföhring weitermachen und auf ihrem Grundstück das Gas- und Dampfkraft, werk GUD3 als Ersatz für den Kohleblock bauen. Auf der Gemarkung der Gemeinde Unterföhring.

Dritter Bürgermeister Johannes Mecke: „Stadtwerke drücken uns Gaskraftwerk einfach aufs Auge.“

„Das wollen wir in Unterföhring in der Klimakrise nicht“: Dritter Bürgermeister Johannes Mecke von den Grünen, graue Jacke, grüner Schal, hat das Megafon übernommen. „Trotzdem wollen die Stadtwerke uns das Gaskraftwerk einfach aufs Auge drücken. Ich bin ein alter Knacker“, sagt der 66-Jährige, „wenn das Gaskraftwerk in 60 Jahren noch läuft, wird es mich nicht mehr geben, aber für die nächsten Generationen müssen wir das verhindern.“ Das werde ein langer Weg, Mecke wünscht „zähes Durchhaltevermögen.“

Verschiedene Aktionsgruppen sind gekommen, Fossil Free München, Robin Wood und Raus aus der Steinkohle, das Aktionsbündnis, das 2017 das Bürgerbegehren gewann. „Aber es ist immer noch nichts passiert“, sagt Sprecher Michael Schabl, „weil die Stadtwerke mit der fossilen Energie Geld verdienen.“

Kommunalpolitikerin Gertrud Mörike: „Die Stadtwerke ignorieren das Votum aus Unterföhring.“

München sei in der glücklichen Lage, „dass wir mit der Geothermie Alternativen haben“, sagt Paschlau. Neben den Bannerträgern stehen vier Unterföhringer Gemeinderäte. „Die Stadtwerke ignorieren das Votum aus Unterföhring und wollen suggerieren, dass das Gaskraftwerk nötig ist“, sagt Gertraud Mörike (Parteifreie Wähler Ufg).

Auch zwei ältere Herren aus dem Nachbarort sind gekommen. Einer hält ein Pappschild der Bürgergemeinschaft für Landschaftspflege Ismaning. Der andere ist der Arzt Dr. Klaus Thoma (78), er erzählt, wie er die Folgen des Feinstaubs kennengelernt hat: „In jedem Winternotdienst hatte ich zwei oder drei Kinder mit Pseudokrupp und musste erleben, wie ein Kind bei einem Anfall fast erstickt.“ Der Internist wurde vor 30 Jahren aktiv im Abwehrkampf, erst gegen die Mülldeponie, dann gegen ein Kohlekraftwerk, das nach Ismaning kommen sollte. „Das haben wir geschafft“, seine strahlend blauen Augen blitzen. Heute geht er wieder auf die Straße und wehrt sich erneut gegen eine Einrichtung, die er für negativ hält.

Schwarze Luftballons für den Münchner Stadtrat

Die schwarzen Ballons dürfen in Unterföhring wegen der Flugzeuge nicht aufsteigen, eine Auflage, die drei Polizisten kontrollieren. Die Ballons werden später auf dem Marienplatz vor dem Münchner Rathaus in die Luft fliegen, als Mahnung an die Rot-Grüne-Stadtratsmehrheit, „damit sie endlich Klimapolitik machen“, sagt Schabl.

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