Die Asterix-Übersetzerin Gudrun Penndorf zuhause in Unterföhring vor einer Bücherwand, in der Bände von Asterix, Isnogud und Lucky Luke stehen, die sie ins Deutsche übertragen hat.
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Asterix-Übersetzerin Gudrun Penndorf zuhause in Unterföhring.

Gudrun Penndorf erhält das Bundesverdienstkreuz

Die Stimme von Asterix lebt in Unterföhring

  • Charlotte Borst
    VonCharlotte Borst
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Die legendären Bände von Asterix, dem schlagfertigen Gallier, kennt jeder. Doch wer weiß, dass die Frau, die ihn so treffend sprechen lässt, seit 47 Jahren in Unterföhring lebt? 

Unterföhring – Die legendären Bände von Asterix, dem schlagfertigen Gallier, kennt jeder. Doch wer weiß, dass die Frau, die ihn so treffend sprechen lässt, seit 47 Jahren in Unterföhring lebt? 29 Asterix-Bände hat Gudrun Penndorf mit sprühenden Ideenreichtum ins Deutsche übersetzt.

Sie ist schon etwas unter Zeitdruck, als sie gestern doch noch den Telefonanruf annimmt. „Jaaa?!“ Eine warme Stimme meldet sich. Zeit hat sie gerade wenig. Mit ihrem Sohn will die 82-Jährige gleich los, nach München, „zur Verleihung“. Im Kultusministerium wird ihr das Bundesverdienstkreuz überreicht. Beim Teutates!

Asterix-Übersetzerin Gudrun Penndorf erhält das Bundesverdienstkreuz. Ihr Sohn begleitet sie bei der Verleihung im Bayerischen Kultusministerium.

Aber dann nimmt sie sich Zeit, erzählt von ihrem Leben „in einem kleinen Dorf in der Nähe von München“, wo sie als Übersetzerin des pfiffigen Helden bekannt wurde, zumindest in der Comic-Szene. „Wir wohnten in einer Wohnanlage. Wenn mein Sohn nachmittags im Hof gespielt hat, bin ich mit meiner Arbeit runtergegangen, habe die Kinder beobachtet und gleichzeitig übersetzt.“

„Guru Guru!“ von der Bhagwan-Sekte inspiriert

Manchmal schlugen sich Eindrücke direkt in Sprechblasen nieder: „Es gab damals in Unterföhring eine Bhagwan-Sekte, die Mitglieder liefen in orangen Gewändern herum und sangen. Im Asterix-Band ,Die große Überfahrt‘ habe ich deren Schrei nachgeahmt ,Guru Guru!‘“

Seit 1973 leben die Penndorfs in Unterföhring. „Es ist hier sehr nachbarschaftlich“, findet sie. „Mein Mann wurde 1973 hierher versetzt. Nach Unterföhring zogen wir, weil mein Sohn hier einen Kindergartenplatz bekommen hat.“ Ihre ersten Faxe holte sie beim Steinmetz Josef Peischl ab. Sie lacht, „ich habe ja in der Steinzeit angefangen.“

Ihr Liebling ist der Dicke mit der großen Nase

Die neuen Asterix-Bände kamen mit der Post, das Skript bestand aus acht Achteln, die man auseinanderreißen musste. „Mein kleiner Sohn hat das gesehen und dann seine Bilderbücher auch in Stücke gerissen, aber das habe ich ihm wieder abgewöhnt.“ Heute seien es ihre Enkel, zehn und elf Jahre, die alles über Asterix und Obelix wissen wollten, „die fragen mir Löcher in den Bauch“.

Wissenschaftsminister Bernd Sibler würdigte gestern ihr Engagement als Übersetzerin und ihre Verdienste bei der Integration von Migrantinnen in München. „Ihre übersetzerischen Leistungen sind herausragend und in ihrer Breitenwirkung kaum zu übertreffen“, sagte er. So einfach und klar sie die Gallier sprechen lässt, die Arbeit als Übersetzerin sei eigentlich sehr mühsam, berichtet sie. Daher habe sie gern an der Dolmetscherschule unterrichtet. „Da hatte ich auch den Kontakt zum Leben. Beim Unterrichten habe ich mich vom Übersetzen erholt und beim Übersetzen vom Unterrichten.“

Ihr Liebling unter den Comic-Figuren ist der Dicke, mit den kurzen Beinen und der großen Nase, der so gerne isst: „Ich mag die Looser“, sagt sie, „Donald und Obelix. Der Asterix ist mir manchmal zu altklug, zu schlau. Aber, wenn es losgeht mit ,Herr Obelix’, ,Herr Asterix’, da schenken sie sich nichts.“

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