Familienzentrum: Ein Kleinkind in einer Einrichtung
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Symbolbild

Experten sprechen sich bei einer Online-Diskussion für ein Familienzentrum in Unterföhring aus

Eltern unter Druck nicht hängen lassen

  • Charlotte Borst
    vonCharlotte Borst
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Der Bedarf für ein niedrigschwelliges Angebot für junge Familien ist deutlich. Jetzt ist nur noch die Frage, ob die Gemeinde ein Familienzentrum will oder nicht will.

Unterföhring – Der Trägerverein „Familienhaus e.V.“ mit 256 Mitgliedern steht in den Startlöchern und könnte 2022 ein Familienzentrum in Unterföhring eröffnen. Dass ein Familienzentrum für Unterföhring eine große Chance sei, dazu gab es bei einer Online-Diskussion am Freitagabend keine zweite Meinung.

Hochkarätig besetztes Podium

Rund 50 Interessierte schalteten sich ein, darunter Mitglieder des Gemeinderats von SPD, CSU und Grünen, als der Verein Familienhaus e.V. das Thema „Familienzentrum Unterföhring – Brauchen wir das?“ mit hochkarätigen Experten unter die Lupe nahm. Ein Familienzentrum am Ort sei „ein Juwel“ sagte Susanne Veit vom Landesverband der Mütterzentren in Bayern.

Benny Röck wünscht sich eine offene Diskussion im Gemeinderat.

„Wir können das gerne im Gemeinderat diskutieren“

Eine offene Diskussion hat der Gemeinderat noch nicht geführt. Auch die Bitte von Philipp Schwarz (SPD) an Bürgermeister Andreas Kemmelmeyer (PWU) blieb bisher unerfüllt. Thomas Weingärtner (SPD) schlug vor, mit einem gemeinsamen Antrag über alle Fraktionen hinweg tätig zu werden. Marianne Rader (CSU) zeigte sich offen: „Wir können das gerne im Gemeinderat diskutieren.“

Plötzliche Ablehnung aus dem Rathaus

2019 hatte die Verwaltung den Verein noch animiert, weiterzuarbeiten und Angebote zu machen. Dann seien plötzlich abweisende Signale gekommen, sagte Zweiter Vorsitzender Benny Röck. Die Verwaltung habe sich mit dem Sachgebiet Bildung, Familie, Soziales neu aufgestellt, hieß es, außerdem gebe es eine starke örtliche Vereinsstruktur, die sich der sozialen Themen schon annehme, so die Argumente.

Es wird keine Konkurrenz für andere örtliche Vereine geben

„Eine Konkurrenz wird sich nicht ergeben“, ist Veit überzeugt: „Das niedrigschwellige Angebot ist eine Ergänzung“, es sei „ein Baustein im Netzwerk“. Ein Familienzentrum stünde Vätern, Müttern, Großeltern und Kindern offen, hier könne jeder, der mit Familien zu tun habe, Menschen in gleicher Situation treffen, Kontakte knüpfen und sich in Krisen mit anderen austauschen.

Gerade dies hält Laura Castiglioni vom Deutschen Jugendinstitut für wichtig. Sie berichtete über die Ergebnisse des aktuellen Familienberichts. „Familiäre Verhältnisse und Familienbilder haben sich stark verändert.“ Die klassische Rollenverteilung in der Familie sei überholt. „Das Aushandeln der Rollen läuft nicht immer konfliktfrei, deshalb braucht es den Austausch mit anderen.“ Eltern stünden heute viel mehr unter Druck, es sei wichtig, sie nicht alleine zu lassen.

Susanne Veit hält ein Familienzentrum am Ort für ein „Juwel“.

Der Bedarf ist deutlich

Wie Angebote aussehen können, verdeutlichte Marina Tschudi, die seit zehn Jahren das Familienzentrum Ismaning leitet: Die Palette reicht vom offenen Café viermal pro Woche über Kurse für Schwangere bis hin zur Hausaufgabenbetreuung.

Die Gemeinde müsse entscheiden, welchen Beitrag sie leisten wolle, sagte Röck. Über 20 Mitglieder haben im Vorjahr 2800 ehrenamtliche Stunden geleistet. Die Leitung arbeite wöchentlich 20 Stunden im Ehrenamt. 338 Unterföhringer hätten die Online-Petition unterschrieben. Von der Gemeinde wünscht sich der Verein, Räume nutzen zu dürfen, zudem Unterstützung bei der Finanzierung von zwei hauptamtlichen Stellen. Dann könnte man für 2022 Landesgelder beantragen. 128 Familienzentren gebe es bislang in Bayern, so Veit, der Freistaat sein ein Förderer. icb

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