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Graffito als Erinnerung: Dieses Kunstwerk prangt auf der Garagenwand der Familie Wutte. Es weist auf die historische Metallwerkstatt hin, die auch heute noch besichtigt werden kann.

Unterföhringer Werkstatt komplett erhalten

Graffito erinnert an Simmerls Schmiede

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Ein riesiges Graffito erinnert an „dem Simmerl sei Werkstatt“. Den Simmerl gibt‘s nicht mehr, seine Werkstatt schon. Nur wissen es die wenigsten.

Unterföhring – Wie ein riesiges Plakat wirkt das Graffito an der Garage der Wuttes. „Dem Simmerl sei Werkstatt“ steht mitten im Bild. Es zeigt den Arbeitsplatz des einstigen Unterföhringer Schmieds Simon Hanrieder. Und Passanten fragen sich, was es damit auf sich hat.

Schon das freut Lisbeth Wutte (68). Als Kind stand sie mit großen Augen in der Werkstatt und bewunderte den Opa für seine Handwerkskunst. Der Schlosser Simmerl, wie Hanrieder genannt wurde, hantierte mit Amboss und Esse. Das rhythmische Schlagen seines Hammers klinge ihr noch heute „wie Musik im Ohr“, erzählt die Enkelin. Sie möchte auf die Werkstatt, ein historisches Relikt in ihrem Garten, aufmerksam machen, das wie ein Fremdkörper aus einer anderen Zeit im Schatten des modernen Schulneubaus steht.

Die Schmiede wurde nach Hanrieders Tod 1989 an den Heimatverein „Feringer Sach“ vererbt. Tritt man in das Ein-Raum-Häuschen an der Münchner Straße 74 ein, beginnt eine Zeitreise. Hier ist alles noch wie zu Lebzeiten des Schlossers, der hier bis zu seinem Tod im Alter von 92 Jahren seine Arbeit verrichtete. Der Simmerl schmiedete Rohre, Gitter und Schlösser, Kerzenständer und Verzierungen für Gartentore. Auch das Kreuz auf der Kirche St. Valentin brachte er in luftiger Höhe ohne Sicherung auf der Kirchturmspitze an.

Original erhalten ist die Schmiede. Elisabeth Wutte, Enkelin des Schlossers Simmerl, wünscht sich, dass öfter Funken fliegen.

Die alten Maschinen sind voll funktionsfähig. Ab und zu schürt hier Johann Ilmberger, gelernter Huf- und Wagenschmied aus Unterföhring, das Feuer und setzt die Esse in Betrieb. Ilmberger erklärt dann Besuchern, wofür man die einzelnen Zangen und Hämmer braucht, die über der Werkbank hängen. Wenn die Funken fliegen und das Metall über dem Feuer biegsam wird, ist das Schauschmieden des Heimatvereins gerade für die Kinder ein seltenes Schauspiel.

„Der Raum ist so spannend“, sagt Hanrieders Enkelin Wutte. „Ich wünsche mir, dass die Werkstatt öfter mit Leben gefüllt ist und gerade die Kinder das uralte Handwerk hier erleben können.“ Die gebürtige Unterföhringerin, die als Theaterpädagogin in einer Waldorfschule gearbeitet hat, ist nach 40 Jahren in Überlingen, Köln und anderswo in ihr Elternhaus an der Münchner Straße 74 zurückgezogen und engagiert sich im Heimatverein „Feringer Sach“. Sie hat ihren Sohn Simeon gebeten, das Grafitto an der Garagenwand anzufertigen.

Simeon Wutte (25) macht mit seinem Wandgemälde auf ein Stückchen Unterföhring aufmerksam, das auch mit ihm selbst zu tun hat. Schließlich ist er selbst nach seinem Urgroßvater Simmerl benannt.  

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