Boardinghaus im Oktavian-Komplex

Hoteliers wehren sich gegen Konkurrenz

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Die Unterföhringer Hotelbetreiber sind alarmiert, seit sie Mitte Januar erfahren haben, dass am südlichen Unterföhringer Ortseingang im Oktavian-Komplex ein sogenanntes Boardinghaus mit bis zu 850 Betten entstehen soll.

Von Charlotte Borst

UnterföhringBisher gibt es in der 11 500-Einwohner-Gemeinde keine Hotelkette, aber die Sorge ist groß, dass sich das mit dem Mammutprojekt an der Münchner Straße bald ändern könnte. „Der Name Boardinghaus ist nur ein Feigenblatt. Eigentlich handelt es sich um ein riesiges Hotel“, sagt Anton Lechner, dessen Familie seit 30 Jahren den Lechnerhof führt und seit gut einem Jahr das Hotel „The K“. Im sogenannten Boardinghaus sollen – so die Pläne des Investors – ein öffentlich zugängliches Restaurant sowie Seminar- und Fitnessräume eingerichtet werden – das seien typische Service-Angebote von Hotels, sagt Lechner. Zudem rangiere die Größe der geplanten Zimmer zwischen 18 und 25 Quadratmetern – also etwa in den Kategorien von zwei bis drei Sternen. Ein echtes Boardinghaus dagegen wäre ein Beherbergungsbetrieb mit Selbstversorgerzimmern, ausgestattet mit Kochgelegenheit und Kühlschrank.

„Aus unserer Sicht ist dieses Projekt eine existenzbedrohende Katastrophe“, sagt Lechner. Als Reaktion auf die direkte Konkurrenz haben sich alle Unterföhringer Hotelbetriebe zu einer Vereinigung zusammengeschlossen und Anton Lechner zu ihrem Sprecher ernannt.

Den neuen Beherbergungsbetrieb im Oktavian-Komplex hält Stefan Schnabel, der Vorsitzende des Gewerbevereins Unterföhring, aufgrund des Baurechts zwar für „nicht vermeidbar“. Der Gewerbeverein will sich aber dafür einsetzen, „dass ein Neben- und nicht ein Gegeneinander“ mit den ortsansässigen Hotelbetrieben möglich ist. Ansatzpunkt könnte die Verweildauer der Gäste sein: In einer städtebaulichen Vereinbarung mit der Gemeinde soll die maximale Verweildauer im neuen Boardinghaus von einem Tag bis maximal einem Monat fixiert werden. Diese Regelung müsse dringend überdacht werden, sagt Stefan Schnabel. Nach den jünsten statistischen Auswertungen liege die durchschnittliche Aufenthaltsdauer in den Unterföhringer Hotelbetrieben bei zwei Tagen. „Aus diesem Grund sollte hier, wenn rechtlich möglich, ein Mindestaufenthalt von einer Woche vonseiten der Gemeinde im städtebaulichen Vertrag festgelegt werden.“ So wäre der Wettbewerb zumindest etwas entzerrt.

Ein Gespräch mit Bürgermeister Andreas Kemmelmeyer (PWU) hat die neue Hotelvereinigung bereits geführt. Der Bürgermeister versteht die Sorge, auch er wollte das Boardinghaus aufgrund seiner Größe verhindern. Mehrmals war der Grünwalder Investor mit seinen Plänen für die drei Oktavian-Türme im Rathaus abgeblitzt: Im Januar aber musste der Gemeinderat der Nutzungsänderung in zwei der drei Bürotürmen, wie berichtet, zähneknirschend zustimmen, weil die PG Münchner Straße GmbH beim Landratsamt den genehmigten Vorbescheid für einen noch größeren Betrieb mit bis zu 1100 Betten erhalten hatte.

Doch auch die 850 Betten auf die sich der Investor mit der Gemeinde unter bestimmten Bedingungen geeinigt hat, stellen „eine Verdopplung des Angebots“ dar, sagt Anton Lechner: „Die ortsansässigen Hotels haben gemeinsam 850 bis 900 Betten.“ Und selbst wenn alle Unterföhringer Gewerbeunternehmen ihre Gäste in Unterföhringer Hotelbetrieben einquartieren würden, wären die Kapazitäten der örtlichen Hotels nur bis zu 15 bis 20 Prozent ausgelastet. „Es ist nicht so, dass der Bedarf da wäre“, sagt Lechner, „wirklichen Bedarf gibt es bei Wohnungen“. – Aber Wohnen ist im Gewerbegebiet nicht zulässig.

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