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Die Freude ist längst vergangen: Karl Klietsch (l.), Initiator der Kinder- und Jugendfarm (hier im Juni 2015), sieht seine Idee der tiergestützten Pädagogik nicht umgesetzt. Darum schlug er die Bürgermedaille aus, die ihm Bürgermeister Andreas Kemmelmeyer (M.) überreichen wollte.  

Initiator der Kinder- und Jugendfarm übt deutliche Kritik

Klietsch lehnt Bürgermedaille ab

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Das hat viele geschockt: Karl Klietsch hat die Bürgermedaille in Unterföhring abgelehnt. Denn wofür er ausgezeichnet werden sollte, läuft überhaupt nicht so, wie er es sich gewünscht hatte.

Unterföhring – Jedes Jahr zeichnet der Unterföhringer Gemeinderat eine engagierte Persönlichkeit mit der Bürgermedaille aus. Doch in diesem Jahr konnte Bürgermeister Andreas Kemmelmeyer (PWU) – entgegen der angekündigten Tagesordnung – keine Bürgermedaille vergeben. Karl Klietsch, der Gründer des Vereins „Mehr Spielraum für Kinder“ und Initiator der Unterföhringer Kinder- und Jugendfarm, hatte die Auszeichnung im Vorfeld nämlich ausgeschlagen.

Herr Klietsch, warum haben Sie diese besondere Unterföhringer Ehre abgelehnt?

Karl Klietsch: Es stand in der Begründung, dass mir die Auszeichnung aufgrund meiner Initiative und meines fortwährenden Engagements für die Kinder- und Jugendfarm zuteil werden soll. Die Kinder- und Jugendfarm ist aber etwas anderes geworden, als ich es geplant hatte. Es gibt gute Angebote und Möglichkeiten auf dem Gelände, vor allem in den Werkstätten und im Garten. Aber dafür braucht man keine Farm. Die tiergestützte Pädagogik läuft dort aus meiner Sicht in die falsche Richtung. Gerade Kinder im Umfeld der Großstadt brauchen den Kontakt zu Tieren. Dieses Ziel umzusetzen, ist mir nicht gelungen. Ich hatte keine Mitsprache. Der Kreisjugendring, der in Unterföhring in anderen Bereichen gute Arbeit macht, hat auch für die Farm die Trägerschaft inne. Nur leider hat der Farmleiter dort mit Tieren nichts am Hut.

Konnten Sie in diesem Streit keine Einigung erzielen?

Klietsch: Nein, ganz im Gegenteil. Es gab viele Besprechungen, aber umgesetzt wurde nur, was der Kreisjugendring vorgab. Kinder brauchen einen Kontakt zu Tieren. Auf der Farm stehen die Schafe hinter einem dichten Zaun, durch den Kinder ihre Hände nicht reinstecken können. Dann erzählen mir Eltern, dass man auf der Farm nicht viel machen kann, außer herumspazieren. Die Hühner oder Kaninchen zu streicheln und zu füttern, bleibt – anders als auf anderen Farmen – nur denen vorbehalten, die zu einer Tierfütterstunde kommen oder eine Patenschaft übernehmen. Damit drückt man den Kindern wieder feste Termine auf. Genau das wollte ich nicht.

Sie haben mit Ihrer Ablehnung der Bürgermedaille einen kleinen Skandal ausgelöst. War Ihnen das bewusst?

Klietsch: Ich kann mich nicht verbiegen, nur damit alles nach Protokoll läuft. Ich habe nach meinen inneren Beweggründen entschieden und dem Gemeinderat einen Brief geschrieben. Die Bürgermedaille anzunehmen, wäre für mich nicht möglich gewesen. Ich hätte nicht mehr in den Spiegel schauen können. Es war keine Protestaktion. Das Ganze ist für mich sehr schmerzhaft. Ich bin nicht mehr auf der Farm, sondern gehe nur noch an ihr vorbei, weil ich in der Nähe wohne.

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