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„Servus Sepp“: Ein Mal hat ein Bürgermeister Josef Weber als Zuhörer bei einer Gemeinderatssitzung begrüßt. Das war Franz Schwarz (SPD). Und dieses eine Mal in 20 Jahren hat sich Weber getraut, etwas zu sagen: „Servus Franz“. 

Stammgast im Gemeinderat

Josef Weber ist immer da

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Ein ungewöhnliches Hobby hat der Unterföhringer Josef Weber: Seit 20 Jahren besucht der heute 79-Jährige jede Gemeinderatssitzung in seiner Gemeinde.

Unterföhring – Ein Publikumsrenner sind die monatlichen Gemeinderatssitzungen ja eher nicht. Selten sind die Stuhlreihen im Unterföhringer Rathaussaal voll besetzt. Wenn die große Eichentür geschlossen wird und der öffentliche Teil der Sitzung beginnt. Einer aber ist immer da. Josef Weber nimmt auf einem der Zuschauerstühle weit hinten Platz.

Kommunalpolitik als Hobby

Stundenlang verfolgt er die Debatten und informiert sich aus erster Hand: über den Abriss des Rathauses, über den Neubau für das Gymnasium oder die Ortsmitte. Seit 20 Jahren besucht der 79-Jährige jede Gemeinderatssitzung. Ein Mandat hat er nie gehabt und auch kein Parteibuch. Josef Weber – schlichter Parka, braune Augen, Seitenscheitel – ist ein zurückhaltender Mensch. „Kommunalpolitik ist mein Hobby, neben Fußball und Kochen“, sagt Weber, der seit dem Tod seiner Frau Christa vor sechs Jahren Witwer ist.

Ein Zufall verschlug ihn in die Gemeinde. Das war 1947, damals kam er als Zehnjähriger mit seinen Eltern als Flüchtling aus Jugoslawien nach Unterföhring. „Wir wollten eigentlich zu einem Verwandten meines Vaters, der bei einem Bauern in Ismaning untergekommen war.“ Dann aber fuhr der Zug nur bis Unterföhring, und sein Vater erkundigte sich im Dorf nach Arbeit. Bei einer Zimmerei fand er eine Anstellung und bald darauf zogen die Drei in eine Baracke gegenüber dem heutigen Heimatmuseum. 

„Ich bin als Deutscher geboren, in einem fremden Land“, sagt Weber, der im März seinen 80. Geburtstag feiert. „Unterföhring ist meine wunderbare Heimat geworden.“ Schöner kann man seine Verbundenheit kaum ausdrücken. 

Als er 1959, mit 22 Jahren, erstmals eine Sitzung des Gemeinderats verfolgte, war er „Hauskassier“ im Unterföhringer Fußballclub FCU. Seine Aufgabe war es, bei den Mitgliedern vorbeizugehen und die Beiträge einzusammeln. Der FCU, dem er seit 68 Jahren angehört, stellte damals einen Zuschussantrag bei der Gemeinde. „Der Vorsitzende bat uns, in die Sitzung zu gehen und dem Antrag durch unsere Anwesenheit Nachdruck zu verleihen.“ Diese eine Sitzung weckte Webers Interesse an der Gemeindepolitik. 

Die Gemeinderatsmitglieder kannte er persönlich. „Die Hälfte waren Schulspezl oder Vereinskameraden, da waren die anschließenden Gespräche immer sehr interessant.“ Damals war Ernst Eckhardt (SPD) Bürgermeister. „Kommunalpolitisch war er ein Ass, aber auch ein Diktator.“ Ein neuer Wind wehte, als Klaus Läßing 1984 Bürgermeister wurde. „Da durfte und sollte jeder seine Meinung vertreten.“ Und die Debatten wurden hitzig und spannend und gefielen Weber „sehr gut, weil’s demokratisch zuging“. Läßing sei auf die Menschen zugegangen, genau wie sein Nachfolger Franz Schwarz (SPD) und der aktuelle Bürgermeister Andreas Kemmelmeyer (PWU), „der ist sehr bürgernah“. 

„Was willst du denn bei bem Schmarrn?“

Freie Meinungsäußerung ist für Josef Weber ein hohes Gut. Da ärgert es ihn, wenn Kommunalpolitiker, die sich nicht der herrschenden Meinung beugen, am Stammtisch als „Neinsager“ verschrien sind, oder jemand abfällig über die Kommunalpolitikern spricht: „Was willst du denn bei dem Schmarrn? Das sind doch alles Deppen!“ Vehement widerspricht Weber: „Da vertritt jeder seine Meinung, und einen Deppen gibt es da überhaupt keinen.“ 

Solange er als Drucker im Schichtdienst arbeitete, war er an den monatlichen Sitzungsabenden oft verhindert. Seit 20 Jahren ist er Rentner und hat seither kaum eine Sitzung verpasst. Dreimal war Josef Weber sogar der einzige Zuhörer, und einmal ergriff er selbst das Wort, was unüblich ist, denn Zuhörer haben kein Rederecht. „Bürgermeister Franz Schwarz hatte mich persönlich begrüßt: Servus Sepp, sagte er. Da hab ich mich getraut, zu antworten: Servus Franz.“

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