Keine Chance für die „AWOhnbau-Genossenschaft“

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Die SPD-Fraktion in Unterföhring hatte den Antrag gestellt. Die Mehrheit der Gemeinderäte allerdings lehnt eine Mitgliedschaft in der Genossenschaft ab.

UnterföhringIn Unterföhring hat das Konzept der „AWOhnbau-Genossenschaft Landkreis München“ nicht überzeugt. Eine Mehrheit des Gemeinderats lehnte den von der SPD-Fraktion geforderten Beitritt ab.

Mieten von 10,50 Euro pro Quadratmeter: Der genossenschaftliche Wohnungsbau böte die Möglichkeit, Wohnungsangebote für Menschen mit geringerem Einkommen zu schaffen. „Gerade Krankenpfleger und Erzieher können sich den Wohnungsmarkt nicht mehr leisten, zumal er nicht mehr wächst“, sagte SPD-Fraktionssprecher Philipp Schwarz. Er wünscht sich, dass das genossenschaftliche Bauen als „wichtiges Glied im Wohnungsbau“ in Unterföhring verankert wird.

Der SPD geht es zunächst um einen Beitritt der Gemeinde, für den der Kämmerer Anteile im Wert von 27 500 Euro gezeichnet hätte. Philipp Schwarz sieht darin eine „Win-Win-Situation“: „Unterföhring als Gemeinde mit hoher finanzieller Kraft könnte Wohnbau im Landkreis mitfinanzieren. Die Rendite ist nicht schlecht.“ Bisher sind der Landkreis, Unterschleißheim, Neubiberg, Kirchheim, Putzbrunn und Hohenbrunn Mitglied bei der „AWOhnbau“. Neuried und Ismaning werden folgen.

Grundsätzlich hält auch Gisela Fischer (Grüne) Genossenschaften für eine „prima Sache“: „Sie haben eine lange Geschichte in Bayern.“ Der jungen „AWOhnbau“, die ein Mitglied des Vorstands den Fraktionen drei Tage zuvor vorgestellt hatte, schenkt sie aber kein Vertrauen: „Sie ist erst drei Jahre alt und kann keine Erfahrungen nachweisen. Das Geld kann in zehn Jahren kaputt sein.“

Skeptisch ist auch Marianne Rader (PWU). Für sie hat eine Wohnungsvergabe an Unterföhringer Priorität. Bei der „AWOhnbau“ könnten jedoch Mitglieder, die nicht im Ort leben, zum Zuge kommen. „Zu spekulativ, zu theoretisch“ findet Gertrud Mörike (PWU) das Konzept: „Es fehlt mir ein Referenzobjekt.“ Zweite Bürgermeisterin Betina Mäusel (CSU) warnte: „Wir hätten nur ein Stimmrecht.“ Sie plädiert nach wie vor dafür, Geld und Energie in eine eigene Wohnungsbaugesellschaft zu stecken, was die Mehrheit aber ablehnt.

Unverständnis riefen die Diskussionsbeiträge bei Thomas Weingärtner (SPD) hervor: „Es ist ein Skandal, mit welchen Argumenten hier den Unterföhringern eine gute Sache vorenthalten wird“, zürnte er. In Münchner Genossenschaften würden sich Interessenten auf endlosen Wartelisten drängen. Er appellierte: „Mit dem Beitritt könnte die Gemeinde ein Zeichen für die Investition in ein junges Unternehmen setzen.“ Man habe „größtmöglichen Einfluss. Der Spielraum ist gerade bei den Genossenschaften groß.“

Die Unterföhringer CSU-Fraktion ist in ihrem Urteil gespalten. „Unterföhring hat einerseits viele günstige Wohnungen“, sagte Fraktionssprecher Manfred Axenbeck. Andererseits gebe die Gemeinde auch anderen, wie etwa der Bayerischen Akademie für Fernsehen (120 000 Euro), jedes Jahr einen Zuschuss. Axenbeck wünscht der „AWOhnbau“ eine Chance: „Die 27 500 Euro wären es wert.“

Gemeinderat Andreas Post (SPD) warb für „eine zusätzliche Option für den Wohnungsmarkt“: „Es gibt Möglichkeiten, wo der Genossenschaftsbau gut passt.“ Für Unterföhring sei ein Beitritt aber auf jeden Fall „eine gute Anlage“.

Doch die Mehrheit überzeugte das nicht: Mit 9:14 stimmten PWU, Grüne und ein Teil der CSU gegen den Beitritt. Dafür votierten die SPD, Manfred Axenbeck und Franz Solfrank (beide CSU). Charlotte Borst

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