Kommunalwahl 2020

Politik für Senioren: Das planen die Bürgermeisterkandidaten

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Bei einer Podiumsdiskussion haben die Bürgermeisterkandidaten in Unterföhring klar gemacht, was sie konkret für Senioren planen. Die Vorstellungen gehen weit auseinander.

Unterföhring – Wann bekommt Unterföhring eine Demenz-WG, eine Tagespflege und mehr Plätze für Betreutes Wohnen? Was tut der künftige Bürgermeister für den Einzelhandel? Das sind Fragen, die die Senioren in Unterföhring bewegen. Gut 150 Männer und Frauen kommen auf Einladung des Seniorenbeirats zur Podiumsdiskussion in den Feringasaal.

Moderator Stefan Ruzas begrüßt Amtsinhaber Andreas Kemmelmeyer (PWU) und seine Herausforderer Manfred Axenbeck (CSU), Johannes Mecke (Grüne) und Philipp Schwarz (SPD). FDP-Kandidat Raphael Gutmann ist entschuldigt. Einig sind sich alle vier: Die Senioren sollen möglichst lange zuhause wohnen können. Und: Das Seniorenheim ist längst zu klein. Ansonsten gehen die Vorstellungen der Vier weit auseinander, wie schon zu Beginn die Fünf-Minuten-Statements zur Seniorenpolitik und später die Antworten auf die Publikumsfragen zeigen.

„Ein Gesamtkonzept muss her.“

Alphabetisch ganz vorne, ist Axenbeck als Erster dran. Der 55-jährige Schreinermeister geht direkt auf Tuchfühlung mit den Zuhörern, erzählt von der Pflege der Großmutter und Mutter – „ihr kennt sie ja noch“ – und von der Schwiegermutter, die im Betreuten Wohnen in Aschheim lebt. Er schwärmt, „so ein Highlight brauchen wir hier auch. Das ist auch nicht so anstrengend. Der Bürgermeister hat bisher nur noch keine Zeit gehabt. Das holen wir in den nächsten sechs Jahren nach.“ Seine Begeisterung wirkt ansteckend, während sich Kemmelmeyers Miene verdüstert. Axenbecks sonniges Gemüt erntet Sympathie. Betreutes Wohnen, Tagespflege, Demenz-Station sollen – sobald dort Platz ist – auf das Feuerwehr- und Rathaus-Areal kommen: „Ein Gesamtkonzept muss her.“

Amtsinhaber Kemmelmeyer hat viele Asse im Ärmel. Gut 20 Projekte sind abgeschlossen oder in Arbeit. Dennoch gerät er in die Defensive. Er zählt alle Maßnahmen, die seit 2014 für die Senioren realisiert wurden, so detailliert auf, dass ihm die Zeit davonläuft: vom Label „demenzfreundliche Gemeinde“, über die 58 Aufzüge an den Mietshäusern an der Fichtenstraße bis zu abgesenkten Bordsteinen, Bushäuschen und elektrischen Türöffnern im Seniorenheim... Schon ist die Redezeit vorbei.

„Nicht für 20 Millionen eine Tiefgarage bauen“: Senioren in den Mittelpunkt

Mecke (Grüne) braucht nur zwei Minuten. Er plädiert für ein Mehrgenerationenhaus in der Isarau. Am einstigen Wehnerhof könnte eine Senioren- oder Demenz-WG entstehen, sagt der 60-Jährige.

Das kann sich auch Schwarz vorstellen. Er war früher Zivi im Feringahaus und freut sich, „dass ich jetzt als Bürgermeisterkandidat hier sein darf“. Der 38-Jährige wirbt mit frischen Ideen: Sichere Radwege, eine Koordinationsstelle zum Wohnungstausch, mehr Erholungsraum am zweiten Baggersee und ein Wirtschaftsförderer wären sinnvoll. Der soll auch den Einzelhandel unterstützt. Am Feuerwehr-Standort will Schwarz die Tagespflege, eine Demenz-WG und Personalwohnungen realisieren. Das zu klein gewordene Altenheim soll nach Möglichkeit auf dem westlichen Nachbargrundstück erweitert werden. „Man muss Bedarfe früh ermitteln“, wirft er dem Bürgermeister vor: „Man muss nicht für 20 Millionen eine Tiefgarage oder für fast fünf Millionen einen Feststadl bauen. Wir müssen wieder in den Mittelpunkt rücken, was für die Senioren wichtig ist.“

„Eine Demenz-WG wird mit Sicherheit in den nächsten Jahren kommen“

Kemmelmeyer kontert. „Die Eigentümer des Grundstücks neben dem Altenheim sind nicht interessiert an Verpachtung oder Verkauf.“ Er will das Seniorenzentrum aufstocken, das Okay des Architekten hat er eingeholt. Er verspricht: „Eine Demenz-WG wird mit Sicherheit in den nächsten Jahren kommen.“ In den Isarauen kann er sich eine Senioren-WG im Einheimischenmodell vorstellen, nach Vorbild des Ebersberger „Salve“-Projekts.

Rund 150 Senioren und Seniorinnen kamen zur Diskussion.

Den Wirtschaftsförderer, den Schwarz vorschlägt, lehnt er ab, die Kontakte zu Wirtschaft und Einzelhandel sollen Chefsache bleiben. Zunächst wird im Februar das Seniorenpolitische Gesamtkonzept abgestimmt. „Dann werden alle Bürger ab 55 Jahre nach ihrem Bedarf befragt.“ Das klingt konkret.

Im Raum steht nach zwei Stunden nur noch die Frage, ob der Amtsinhaber seine Prioritäten richtig setzt. Doch das dürfen sich die Zuhörer auf dem Heimweg selbst beantworten.

Die Bürgermeisterkandidaten aller Gemeinden aus dem Landkreis München, haben wir für Sie in unserem Überblicksartikel zu den Kommunalwahlen 2020 aufgelistet. Zudem können Sie sich in unserem Artikel zu den Landratswahlen über die dort antretenden Kandidaten informieren. Alle weiteren Hintergrundberichte finden sie auch auf unserer Themenseite zu den Kommunalwahlen 2020 im Landkreis München.

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