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Immissionsgrenzwert überschritten: Das Landratsamt bestätigt die Überschreitung des maßgeblichen Richtwertes von 70 Dezibel, eine Testmessung des Redakteurs  vor Ort hat gar einen Wert von 82,7 Dezibel ergeben.

Richtwert überschritten

Lärm an Supermarkt-Baustelle: Landratsamt greift ein

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In den Ärger um den ohrenbetäubenden Lärm der Marktkauf-Edeka-Baustelle in Unterföhring, kommt nach diversen Beschwerden und mehreren Polizei-Einsätzen Bewegung. Das Landratsamt hat Nachbesserungen beim Lärmschutz gefordert.

Unterföhring– Mittlerweile waren Vertreter das Landratsamts zu einer Kontrolle vor Ort – die Experten haben Lärm-Messungen vorgenommen, dabei eine Überschreitung des maßgeblichen Immissionsrichtwertes festgestellt und unverzüglich „wirkungsvolle Maßnahmen zur Geräuschminimierung“ angemahnt.

Schon seit Ende April war der Geräuschpegel auf der Großbaustelle in der Feringastraße, wo Edeka den ehemaligen Marktkauf seit Mitte Januar zum laut Eigenwerbung „schönsten Markt Deutschlands“ umbaut, gewaltig angestiegen. „Mir tun die Ohren weh, ich kann nachts nicht mehr schlafen“, klagt beispielsweise Alfred K., leidgeplagter Anwohner aus der nur 70 Meter entfernt gelegenen Wohnsiedlung im benachbarten Münchner Stadtteil Oberföhring.

Noch näher dran ist Christian Friebel, Filialleiter des Outdoorgeschäfts McTrek in der Feringastraße, dessen Eingang direkt vis-a-vis der Baustelle liegt: „Wir verstehen an der Kasse unser eigenes Wort nicht mehr. Meine Mitarbeiter und auch die Kunden leiden furchtbar, der Dauerlärm ist unerträglich.“

Auf Nachfrage des Münchner Merkur sagt Astrid Fritsche vom Sachgebiet „Öffentliche Sicherheit und Ordnung“ der Gemeinde Unterföhring: „Wir nehmen die Beschwerden sehr ernst.“ Allerdings, erläutert die Rathaus-Mitarbeiterin, liege die Baustelle in einem Gewerbegebiet, sodass dort selbst nachts Bauarbeiten ohne Genehmigung möglich seien – allerdings im Rahmen der gesetzlich zulässigen Grenzwerte. Die liegen im Gewerbegebiet bei 70 Dezibel, in einem Wohngebiet nachts bei nur 35 Dezibel; eine laienhafte Test-Messung des Münchner Merkur auf dem Kundenparkplatz von McTrek ergab 82,7 Dezibel.

Maßgeblich sind aber die Messungen des Landratsamts als zuständiger Behörde. Pressesprecherin Franziska Herr teilte zur Vor-Ort-Kontrolle mit: „Im Anschluss daran wurde mit einem Vertreter des Bauherrn vereinbart, dass die lärmintensiven Bauarbeiten zunächst zeitlich eingeschränkt und dem Landratsamt bis Montagmorgen, 18. Mai, wirkungsvolle Maßnahmen zur Geräuschminimierung beziehungsweise zur Einhaltung der maßgeblichen Richtwerte aufgezeigt werden. Das Landratsamt wird die Umsetzung dieser Maßnahmen immissionsschutzfachlich überprüfen.“

Das Landratsamt und die Gemeinde verweisen zudem aufs „Merkblatt zum Schutz gegen Baulärm“. Darin werden die Richtwerte explizit genannt – zur Einhaltung müssten „Vorkehrungen getroffen werden, um die Ausbreitung unvermeidbarer Geräusche auf ein Mindestmaß zu beschränken“. Gesetzesverstöße könnten zu Zwangsmaßnahmen führen, schlimmstenfalls sogar „bis zur Stilllegung der Baustelle“.

Das wäre natürlich nicht im Sinne von Edeka Südbayern, das noch vor Weihnachten den neuen Markt eröffnen möchte. In einer Stellungnahme, die Edeka-Sprecher Christian Strauß an den Münchner Merkur geschickt hat, heißt es: „Die Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben während dieses notwendigen Umbaus ist für uns selbstverständlich. Wir bedauern es sehr, dass es zu Zuwiderhandlungen von einzelnen Bauarbeitern gekommen ist.“ Man werde „keinen Zwischenfall tolerieren“, andererseits hätten die eigenen Geräuschmessungen gezeigt, „dass wir die gesetzlichen Immissionsrichtwerte einhalten“. Und, interessant für die Anwohner, entgegen der Praxis der vergangenen Wochen: „Wir planen in absehbarer Zeit keine Nachtarbeiten.“

Alle Beteiligten sind sichtlich bemüht, einen Konsens zu finden und die Lärmbelästigung, insbesondere nachts, in den Griff zu bekommen. Es gelte, eine „einvernehmliche und zeitnahe Lösung zu finden“, sagt Gemeindemitarbeiterin Astrid Fritsche. Edeka-Sprecher Strauß betont, dass man „mit den Baufirmen im kritischen Austausch“ stehe, „um die Geräuschentwicklung weiter zu reduzieren“. Das Landratsamt wiederum wird ein Auge darauf haben und ab Montag überprüfen, inwiefern neue Maßnahmen zum Lärmschutz funktionieren.

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In Unterföhring haben LKA und Cybercrime-Ermittler einen Studenten aus dem Landkreis München festgenommen. Er ist mutmaßlicher Urheber volksverhetzender Postings auf einer Social-Media-Plattform.

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