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Lederhaut, zäh und dominant, aber in der Seele weich: Rudolf Lederer ging mit 86 Jahren noch auf Skitour.

Nachruf

„Der Lederer“ half gegen Sturm und Hagel

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„Mein Vater hat viel Glück gehabt“, sagt Reinhold Lederer (53). Knapp 89 Jahre ist Rudolf Lederer geworden. Ein Krankenhaus hat er nie besucht. 

Unterföhring – Mit Salutschüssen und Blasmusik haben die Unterföhringer „den Lederer Rudi“ zu Grabe getragen und sich würdevoll von einem der Ihren verabschiedet.

Durch seinen Beruf als Versicherungskaufmann kam er in viele Häuser. Der gebürtige Unterföhringer begann mit 14 eine Lehre und machte sich mit 21 selbstständig. In den Nachkriegsjahren baute er im Norden des Landkreises München seine Agentur auf, fuhr zu Kunden von Aschheim über Garching bis in die Stadt hinein.

„Er wollte nie jemanden über den Tisch ziehen“

„Dem schlechten Ruf seiner Branche zum Trotz war mein Vater immer aufrichtig und ehrlich. Er wollte niemanden über den Tisch ziehen“, sagt sein Sohn Reinhold: „Sein Grundsatz war: Ich verkaufe nur, was ich selbst für mich als vernünftig erachten würde.“

Manchmal, wenn Hagel, Sturm oder Starkregen drohte, war Not am Mann. Dann riefen ihn besorgte Bauern an, um schnell noch eine Ernteversicherung abzuschließen. „Die Leute waren nicht bei der Allianz versichert, sondern beim Lederer“, erzählt sein Sohn.

Seine Agentur wuchs schnell, erst am Eschenweg, später mit bis zu vier Angestellten an der Föhringer Allee. Gern hätte er die Agentur an Sohn Reinhold übertragen, doch der zog einen handwerklichen Beruf vor und wurde Schreiner.

Ältestes Mitglied im TSV Unterföhring

Reisen mit seiner Frau Charlotte führten ihn an Nord- und Südpol sowie nach Südamerika. Sie liebten Besuche in der Philharmonie und hatten ein Abo für das Unterföhringer Kulturprogramm. Rudolf Lederer engagierte sich im Museumsverein, spielte zweimal wöchentlich Schach, vor allem aber trieb er gern Sport. Mit seinem Sohn schloss  er sich dem Windsurf-Club am Feringasee an. Er war ältestes Mitglied des TSV Unterföhring, dem er 1958 als 30-Jähriger beitrat und, wie vielen anderen Unterföhringer Vereinen, sein Leben lang treu blieb.

Mit 63 begann Rudolf Lederer das Leben eines sehr aktiven Ruheständlers. Gemeinsam mit seiner Frau entdeckte er den Tennissport. Sie trainierten regelmäßig und erweiterten im Club ihren Freundeskreis. Bis ins hohe Alter unternahmen sie Wanderungen, Skiurlaube und Skitouren. „Unsere letzte gemeinsame Skitour führte uns zum Schreckenskopf“, erzählt Sohn Reinhold. „Mein Vater war 86 und hat sich schon fürchterlich plagen müssen, wir haben uns viel Zeit genommen.“

Unter großer Anteilnahme beigesetzt

Heute, wo Reinhold Lederer selbst einen 16-jährigen Sohn hat, bewundert er den Vater manchmal um dessen Kraft. „Als er 53 war und ich 16, sind wir im Februar nach dem Skifahren noch auf den Achensee zum Surfen gegangen“, sagt er in liebevoller Erinnerung: „Er hatte eine Lederhaut, war zäh und widerstandsfähig, oft dominant, aber in der Seele gütig.“

Nach einem intensiven Leben ist Rudolf Lederer nach kurzer Krankheit gestorben. Unter großer Anteilnahme wurde er auf dem Unterföhringer Parkfriedhof beigesetzt. 

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