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Jürgen Ascherl, Chef der Polizeistiftung, besuchte Jessi vor wenigen Tagen.

Familie musste durch die Hölle

So geht es Polizistin Jessica eineinhalb Jahre nach dem Kopfschuss im Einsatz

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Das Drama an der S-Bahn-Station Unterföhring erschütterte die Region. Nun gab es für die Familie der angeschossenen Jessica Lohse eine freudige Nachricht. Vater Veiko spricht zudem über einen wegweisenden Moment.

Seit eineinhalb Jahren ist im Leben von Familie Lohse aus Sachsen nichts mehr, wie es einmal war. Der damals 26 Jahre alten Polizistin Jessica wurde am S-Bahnsteig in Unterföhring in den Kopf geschossen. Der Schütze, der geistig verwirrte Alexander B. (38), sitzt seitdem in der Psychiatrie. Wochenlang kämpften Ärzte um Jessicas Leben. Die junge Frau überlebte, ist seitdem im Wachkoma. Ihre Eltern Janet und Veiko besuchen sie täglich im Rehazentrum.

Und nun gibt es endlich eine gute Nachricht: Im kommenden Frühjahr, knapp zwei Jahre nach dem Angriff, darf Jessica endlich heim. Vor allem großzügige Spenden machen die Rückkehr möglich. Vor wenigen Tagen hat die Kommissarin sogar Besuch von ihren Polizeikollegen bekommen. „Der Besuch aus Bayern hat uns allen gut getan“, sagt Vater Veiko im Gespräch mit uns. In diesen Momenten merkt die Familie, dass sie mit ihrem Schicksal nicht alleine gelassen wird.

Video: So kam es zur Schießerei in Unterföhring

München: Große Anteilnahme nach Schießerei in Unterföhring

Die Anteilnahme nach der Schießerei im vergangenen Jahr war riesig, noch viel größer die Bestürzung. Die lebenslustige Jessi, so wird sie von ihren Eltern und Freund Tobias genannt, sitzt seitdem im Rollstuhl. Die Pistolenkugel hat ihre Schädeldecke durchschlagen und das Gehirn schwer geschädigt. Jessi kann nicht sprechen und sich nicht bewegen. Ihre Augen aber hat sie geöffnet. Manchmal, erzählt Veiko, hat sie einen neugierigen Blick, reagiert auf akustische Reize. Und wenn Jessi ein kleines Lächeln übers Gesicht huscht, sind die Eltern für einen Augenblick glücklich.

Die Eltern von Opfer Jessica Lohse und ihr Freund Tobias beim Interview. 

Dass Jessi lebt – das ist das Wichtigste, erklären Janet und Veiko. Denn zunächst sah es nicht danach aus. Zwei Wochen bangten Ärzte und Familie nach der Schießerei in Unterföhring um ihr Leben. Der Druck im Gehirn war zu groß. Besserung war nicht in Sicht. Dann passierte das, was sich die Eltern noch heute nicht richtig erklären können: Als Vater Veiko an Jessis Krankenbett einen Nervenzusammenbruch erlitt, legte seine Tochter offenbar den Hebel um. „Ab diesem Tag ging es bergauf“, erinnert sich der Vater. Kurz darauf sagte ein Arzt: „Herr Lohse, Ihre Tochter hat entschieden: Sie will weiterleben.“ Jetzt weiß Mutter Janet: „Gott hat uns unsere Jessi gelassen.“

Schießerei in Unterföhring: Opfer Jessica Lohse soll bald nach Hause

Seit Monaten ist Jessi mehr denn je Dreh- und Angelpunkt in der Familie. Die Stimmungslage hängt von ihrem Zustand ab. „Wenn es ihr gut geht, geht es uns auch gut“, sagt Papa Veiko. Jeden Tag machen sich die Eltern mit dem Auto auf den Weg zu ihrer Tochter in die Pflegeeinrichtung. Über 100 Kilometer entfernt vom sächsischen Heimatort Brand-Erbisdorf. Dort ist Jessi in der Obhut von Spezialisten, wird täglich therapiert. Doch das könnte sich kommendes Frühjahr ändern. Noch im April dieses Jahres sagten die Eltern im Gespräch mit uns, dass ihr größter Wunsch wäre, ihre Tochter endlich nach Hause zu holen. Das könnte nun schon bald in Erfüllung gehen. Auch mithilfe der Bayerischen Polizeistiftung, die fleißig Spenden für Jessi, ihre Familie, aber auch für an diesem Einsatz beteiligte und traumatisierte Kollegen gesammelt hat. Einen Teil der Spenden haben die Lohses bereits für ein neues Familienauto eingesetzt. Mit einem speziell umgebauten VW Multivan können die Eltern ihre Jessi künftig bequem tranportieren und dem tristen Reha-Alltag gelegentlich entfliehen.

Jetzt wird das nächste Projekt in Angriff genommen. Denn bis spätestens Sommer 2019 soll Jessi bei ihren Eltern einziehen. Dafür wird schon bald an einem Anbau am Haus gewerkelt. Die Anschaffung der dringend notwendigen medizinischen Geräte wird einen weiteren Teil der Spenden verschlingen. Dafür können Janet und Veiko ihre Tochter bei sich daheim pflegen – ein nächster Schritt in ein neues Leben.

Vor wenigen Tagen bekam Jessi Besuch von ihren Kollegen. „Jessis Zustand hat alle tief betroffen gemacht“, sagt Jürgen Ascherl, Vize-Chef der Bayerischen Polizeistiftung. Auch Jürgen Notka, Abschnittsleiter München Ost, und Albert Bauer, Jessis Dienststellenleiter in Ismaning, waren mit nach Sachsen gereist. Der Lebensmittelpunkt der Eltern sei die Pflege ihrer einzigen Tochter und die Hoffnung, dass sich ihr Gesundheitszustand noch weiter verbessert, sagt Jürgen Ascherl. „Jeder Cent ist hier bestens aufgehoben.“

Der Vorfall am S-Bahnhof Unterföhring erschütterte die ganze Region: Eine Polizistin wurde durch Schüsse schwerst verletzt. Im April 2018 ist das Urteil gegen den Schützen gefallen. Hier der News-Blog zum Nachlesen.

Johannes Heininger

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