VHS-Musikschule Unterföhring in der neuen Ortsmitte am S-Bahnhof. Das Wasserspiel des Brunnens von Kai Winkler wird am 13. September 2019 bei der offiziellen Eröffnung sprudeln.
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Die Musikschule ist erst im Juni 2019 gemeinsam mit der VHS in neue Räume im roten Ziegelbau am S-Bahnhof gezogen. Zuvor hatte sie zehn Jahre Räume im Bürgerhaus.

Gemeinde stellt Rettungsschirm bereit

Unterföhringer Musikschule pleite

  • Charlotte Borst
    VonCharlotte Borst
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Die Gemeinde Unterföhring bewahrt die Musikschule mit einem Rettungsschirm vor der Insolvenz. Mehrheitlich hat der Gemeinderat 168 000 Euro zur Rettung der Einrichtung bereitgestellt.

Die Musikschule Unterföhring hat die Gemeinde am 18. Mai informiert, dass ihre liquiden Mittel aufgebraucht sind und ab Mai die Konten überzogen werden. Der Gemeinderat beschloss mit 17:7, die Musikschule vor der Insolvenz zu bewahren. Einen Zuschuss von maximal 168 000 Euro stellt die Gemeinde dem Musikschulverein zur Verfügung. Dessen Vorsitzender ist Dritter Bürgermeister Johannes Mecke (Grüne), der bei dem Thema nicht mitstimmen durfte, weil er persönlich betroffen ist.

Die Rettung war am Donnerstag noch schnell auf die Tagesordnung gekommen. Eigentlich sollte sie nicht öffentlich beschlossen werden. Auf Nachfrage der Gemeinde erklärte aber das Landratsamt, dass der Punkt öffentlich zu behandeln sei.

Sozialabgaben für Mitarbeiter nicht gezahlt

In der Pandemie hatte es die Musikschule schwer, sie musste viele Veranstaltungen streichen. In den Kindergärten entfiel die musikalische Früherziehung. Von April bis September 2020 fehlten Gebühren von 36 000 Euro. Die Ausfälle dauern an. Doch es gab auch eigenes Verschulden: Die Musikschule, die derzeit 20 Teilzeit-Angestellte hat, entrichtete keine Sozialversicherungsbeiträge, wie eine Betriebsprüfung zeigte. Für 2016 bis 2019 muss sie 31 000 Euro nachzahlen. Die Gründe für die Schieflage soll sie nun mit einem Sachverständigen aufarbeiten, den die Gemeinde benennt.

SPD fordert Rechtsprüfung

Das Gros der SPD hat damit aber Bauchschmerzen. Der Beschlussvorschlag sei mit heißer Nadel gestrickt. SPD-Sprecher Philipp Schwarz forderte in einem Dringlichkeitsantrag, dass zuerst der kommunale Prüfungsverband und das Landratsamt beurteilen sollten, ob man Vereinsdefizite mit Steuergeld füllen dürfe. Es überfordere einen ehrenamtlichen Gemeinderat, zu beurteilen, ob nicht Vereinsverantwortliche oder deren Versicherungen selbst eigenverschuldete Beträge zu begleichen hätten. Schließlich müsse sonst die Gemeinde auch für andere Vereinen einspringen. Manuel Prieler (PWU) befürchtete, dass eine Prüfung zu lange dauern würde. „Wir wollen die Musikschule nicht untergehen lassen,“ sagte Bürgermeister Andreas Kemmelmeyer (PWU), „aber wir geben ihr auch nicht pauschal Geld. Wir wollen die Situation prüfen lassen.“

Verein muss Konzept liefern, wie es weitergehen soll

Der Steuerberater der Musikschule muss 2021 für jeden Monat den Kontostand melden, ist er im Minus, kann Geld aus dem Darlehen abgerufen werden. Der Verein soll bis Ende Oktober ein Zukunftskonzept vorlegen. „Die Musikschule muss uns überzeugen. So weitermachen geht nicht“, sagte Kemmelmeyer, es sei auch zu überlegen, ob der Verein dem Landesverband der Musikschulen beitrete. Ab September will die Musikschule die Gebühren erhöhen, und sie hat bereits dauerhafte Förderung durch die Gemeinde beantragt.

Gut untergebracht

Die Musikschule ist von der Gemeinde bisher bestens ausgestattet und untergebracht worden. Erst im September 2019 war sie gemeinsam mit der VHS in den Neubau am S-Bahnhof gezogen, zuvor hatte sie zehn Jahre Räume im Bürgerhaus. Als ein Wasserschaden 2019 kurz nach dem Umzug in die Ortsmitte den roten Ziegelbau teilweise unbenutzbar machte, konnte der Musikunterricht im ehemaligen Hort an der Schulstraße weitergehen.

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