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Union Jack neben einer Europa-Flagge

120 Einbürgerungsanträge nach dem Brexit-Beschluss

Die Briten kommen in den Landkreis

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Die Briten scheinen die Türken einzuholen - zumindest im Ranking der Einbürgerungs-Anträge im Landkreis München. 120 gab es aus Großbritannien seit der Brexit-Entscheidung 2016. Ein krasser Anstieg.

Unterföhring – Sie kommen der Liebe wegen, weil der Job es verlangt, weil München und seine Region so schön sind oder weil ihr Heimatland sie nicht mehr will: 572 Neubürger heißt der Landkreis München willkommen. Rund ein Drittel der vor kurzem eingebürgerten Einwohner begrüßte Landrat Christoph Göbel (CSU) nun bei einem Empfang in Unterföhring.

Und manche kommen, weil sie ihr Heimatland nicht mehr mögen: Die Zahl der Briten, die im Landkreis eine neue Heimat suchen und finden, steigt seit dem Brexit stetig. Das ist auch dem Landrat natürlich nicht entgangen. Beantragten in früheren Jahren fünf bis zehn Briten als neue Landkreis-Bürger die deutsche Staatsbürgerschaft, zählt das Landratsamt seit dem Brexit vor 120 Anträge.

Gelächter im Saal, denn Göbel weiß sehr wohl, dass Humor die beste Art ist, mit dem Thema umzugehen. So fährt er fort, das Publikum mit einer durchaus bemerkenswerten Beobachtung zu unterhalten: Die Türken, bislang Nummer eins auf der Einbürgerungs-Liste, könnten von den Briten verdrängt werden. „Möglicherweise hat das ja mit der Entscheidung zu tun, die EU auf anderer rechtlicher Ebene zu begleiten“, sagte er mit einer Portion Ironie.

Für 16 Prozent, fast jeden fünften neuen Landkreis-Bürger, gilt der Tag des Brexit-Referendums, der 23. Juni 2016, als Stichtag der Entscheidung, lieber als Deutscher im Landkreis München zu leben als weiterhin in Großbritannien – beziehungsweise als Deutsch-Brite, denn ein echter Brite verzichtet ungern auf seinen Pass, der ihn an Tradition und Geschichte einer einstigen Weltmacht erinnert. Ob das auch für Anita Schulz (49) gilt, ist nicht ganz klar. Die Ottobrunnerin hat Deutschland schon 1989 als Aupair-Mädchen kennen und schätzen gelernt. Den Brexit erlebte sie schon von ihrer neuen Heimat aus.

Sie kommen aus Indien, Polen, Italien oder eben England: Die meisten von ihnen sind seit mehr als acht Jahren im Land, so wie das Gesetz es verlangt. Als Zugereiste versteht ein Bayer zwar grundsätzlich Preußen, also all jene, die nicht aus Bayern stammen. Der Gesetzgeber aber verlangt nur von Nicht-Deutschen einen Einbürgerungstest. Nach acht Jahren im Land dürfen sie zeigen, verstanden zu haben, was Werte und Normen bedeuten, dürfen sich als sprachkundig erweisen, sollten nach Möglichkeit nicht straffällig geworden sein und den Anwerbeversuchen extremistischer Organisationen widerstanden haben.

So viel ist klar: Wir Deutsche mögen es pünktlich, sind bei allem, was wir tun, akribisch genau. Göbel jedenfalls würde sich freuen, aktive Staatsbürger hinzugewonnen zu haben, die im September nicht versäumen, wählen zu gehen. „Wir brauchen eine aktive Gesellschaft. Dann haben wir eine gute Zukunft vor uns.“

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