Angeblich über den Tisch gezogen

Nach Hauskauf: Verkäufer klagt gegen Unterföhringer 

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Vor Gericht streiten Käufer und Verkäufer einer Immobilie in Fischbachau: Der Unterföhringer soll die früheren Besitzer beim Preis über den Tisch gezogen haben.

Unterföhring/Fischbachau – Zwei Schwestern verkauften ihre zwei Grundstücke mit Wohnhaus und Kapelle in Fischbachau (Kreis Miesbach) im August 2015 an ein Unterföhringer Ehepaar. Nun stehen sich Käufer und Verkäufer vor Gericht gegenüber.

Die Schwestern fühlen sich von dem Ehepaar über den Tisch gezogen: Die Käufer hätten ihnen die Immobilien zum „Schleuderpreis“ abgeluchst. Sie klagen vor dem Landgericht München II, der Kaufvertrag sei „sittenwidrig und nichtig“. Sie wollen ihre Grundstücke zurück.

Das Heikle: Der Vater der Schwestern, der ein lebenslanges Wohnrecht im Erdgeschoss des Hauses hat, sollte nichts vom Verkauf erfahren. Dabei hätte er sich als ehemaliger Immobilienexperte einer Bank viel besser mit der Materie ausgekannt. „Das ist eine komische Konstellation, dass man über den Vater hinweg verkauft“, sagte die Vorsitzende Richterin. „Da würde ich mich als Vater nicht über die Käufer, sondern erst mal über die Töchter ärgern.“ Sie fragte sich, warum die Frauen nicht mit dem Vater gesprochen hätten. „Ja, das war nicht schön“, gab eine der Schwestern zu. „Wir haben vermutet, dass er nicht dafür wäre.“

Die Vorsitzende fragte den Unterföhringer Käufer, ob er sich in dieser Situation überhaupt wohlfühle. „Ich habe mir nichts vorzuwerfen“, betonte er. „Ich habe nicht vor, mich von Bedrohungen und falschen Behauptungen wegdrängen zu lassen.“ Er berichtete, dass er vom Vater wegen Betrugs angezeigt worden sei. Dieser habe ihn auch in seinem beruflichen Umfeld diskreditiert. „Da bin ich empfindlich. Da läuft ein Compliance-Verfahren. Ich tue mich schwer, die Sache einzustellen“, sagte der Manager.

Nach Angaben der Klägerin wollten sie und ihre Schwester die Grundstücke nicht unter einer halben Million Euro hergeben. Eine Maklerin hätte ihnen aber erklärt, dass solche Objekte „schwierig bis gar nicht“ zu verkaufen seien. Es liege abgelegen und nah an der Bundesstraße. Sie habe „das Anwesen runtergemacht“ – und den Manager aus Unterföhring als Interessenten ins Spiel gebracht. Bei einem Treffen hätten sie sich dann auf rund 200 000 Euro geeinigt. „Das Problem war, dass wir schnell verkaufen wollten und uns nicht ausgekannt haben“, gab die Klägerin zu. In der Klageschrift heißt es, dass der Immobiliensachwert nach sachverständiger Schätzung bei 758 000 Euro liege, wegen des Wohnrechts bei 675 000.

Der Käufer schilderte die Sache anders. Die Verkäuferinnen hätten beim Treffen „detaillierte Kaufpreisvorstellungen“ gehabt: 260 000 Euro. Zur Sprache seien dann Probleme gekommen, etwa der Zustand des Hauses, das Wohnrecht und eine Grundschuld. „Wir mussten den Preis nach unten ziehen. Das sahen die Klägerinnen ein“, sagte der Unterföhringer. Bei 220 000 Euro sei blockiert worden. „Ich habe zugesagt, auf ihr Kaufminimum einzugehen.“ Dabei komme er bei Abzug aller Minderungen, darunter eine angebliche Drohung des Bewohners, auf unter 200 000 Euro.

Rechtlich geht es darum, ob ein „grobes Missverhältnis“ zwischen Wert und Kaufpreis vorliegt. Davon geht die Rechtsprechung bei 90 Prozent Abweichung aus. Dann spreche man von einer „verwerflichen Gesinnung“. Die Einschätzung der Richterin: „Die Hürden für einen Sieg erscheinen äußerst hoch, aber es ist nicht auszuschließen.“ Der Prozess dauert an.

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa/dpaweb

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