Der neue Campus von Prosiebensat1
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Der sogenannte Seven Walk wird über den Innenhof eine Verbindungsbrücke zwischen dem ersten und zweiten Bauabschnitt.

Prosiebensat1 baut in Unterföhring eine 60-köpfige Nachrichtenredaktion auf

Medienkonzern erweitert Angebot: Eigene Nachrichten vom neuen Campus

  • Charlotte Borst
    vonCharlotte Borst
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Der Medienkonzern Prosiebensat1 erweitert derzeit nicht nur seinen Standort: Am neuen Campus, der 2024 fertig werden soll, werden künftig auch wieder eigenen Nachrichtensendungen produziert.

Massive graue Betonwände ragen hinter dem Unterföhringer S-Bahnhof etwa 20 Meter in die Höhe. Der Campus für 1700 Mitarbeiter von Prosiebensat1 soll 2024 fertig sein. Im ersten Bauabschnitt kann jetzt der Innenausbau beginnen. Doch nicht nur auf der Baustelle, sondern auch in den Redaktionen wird Aufbauarbeit geleistet: Die Senderfamilie will seine Nachrichten für Prosieben, Sat1 und Kabel eins in Zukunft wieder selbst produzieren und stellt am Hauptstandort Unterföhring neue Mitarbeiter ein.Eine 60-köpfige Nachrichtenredaktion soll ab Januar 2023 aus einem hochmodernen Studio senden, auch in Berlin ist ein Hauptstadtstudio geplant.

Zurück zu Nachrichten

Die Rückkehr ins Nachrichtengeschäft ist eine Strategiewende: 2013 hatte der Konzern seinen Nachrichtensender N24 an den Springer-Verlag veräußert, seither lässt er sich Nachrichten von WeltN24 zuliefern. Ab 1. Januar 2023 will das Medienhaus selbst wieder Präsenz im Nachrichtlichen zeigen und sich damit auch von Streamingdiensten wie Netflix abheben.

Die ersten Mitarbeiter seien schon an Board, sagt Konzernsprecherin Stefanie Rupp-Menedetter, sukzessive werden weitere folgen. Die Nachrichten sollen lokal jeweils auf Deutschland, Österreich und die Schweiz ausgerichtet werden, ab 2022 werde die Redaktion im Probebetrieb geführt.

Im Zeitplan: Der Rohbau für den ersten Bauabschnitt ist weit fortgeschritten, er soll 2022 fertig werden.

„Unsere Nachrichtenredaktion wird nicht ganz so traditionell wie ARD und ZDF berichten“, man habe schon jetzt mit Magazinen wie „Taff“ und „Galileo“ die jüngere Zielgruppe im Blick, die sich durchaus für gesellschaftliche Themen interessiere. Gerade in der Pandemie nehme die Bedeutung von Nachrichten deutlich zu, heißt es aus dem Medienhaus. Von der Corona-Krise sei der Konzern gleich zu Beginn stark betroffen gewesen, sagt Rupp-Menedetter, die Werbeeinnahmen seien zeitweise eingebrochen. So schnell der Konzern in die Krise geraten sei, so schnell sei er aber wieder herausgekommen. „Im Lockdown haben viele Menschen die Attraktivität von Fernsehen wiederentdeckt.“ Mit Staffeln wie „The Masked Singer“ oder „Germany’s Next Topmodel“ erreiche man weiterhin hohe Einschaltquoten.

Viele im Homeoffice

Während die Bauarbeiten im Unterföhringer Gewerbegebiet voranschreiten, wurde das „Play-out-Center“, das Herzstück der Fernsehproduktion, in die Gutenbergstraße 1 ausgelagert. Diejenigen Mitarbeiter, die zur „kritischen Infrastruktur“ gehören, sichern vor Ort die Produktions- und Sendefähigkeit. Alle anderen Beschäftigten arbeiten seit Monaten strikt im Homeoffice.

Im Sommer 2022 soll das „Play-out-Center“ in den ersten Bauabschnitt einziehen. Hier werden zudem das Rechenzentrum, die Postproduktion, Büroräume sowie der Rohbau für die vier hochmodernen Studios eingerichtet. An der Medienallee 7 und 9 werden schon die Studios ausgeräumt und im Sommer die Gebäude abgerissen. Dort beginnt dann der zweite Bauabschnitt. Im Winter 2024 soll das 100 Millionen Neubau-Projekt, das im Rahmen einer Immobilien-Leasing-Struktur realisiert wird, bezugsfertig sein. Der „Seven Walk“ wird über den Innenhof die Gebäude verbinden, und wer möchte, kann in dieser Brückenkonstruktion eine Sieben entdecken.

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