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Diesen Fassadenentwurf aus Holz reichte der Investor ein.

Trotz Kompromiss vorab

Oktavian-Türme: Absage ans Boardinghaus

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Die Unterföhringer wollten das Boardinghaus in den Oktavian-Türmen nie.  Erst gab es einen Kompromiss, nun eine herbe Klatsche für den Investor -mit der er besser da stehen könnte als zuvor.

Unterföhring – Nach monatelangen Verhandlungen hat die Entwicklung der drei Oktavian-Türme an der Münchner Straße in Unterföhring eine unerwartete Wende genommen. Der Gemeinderat hat in seiner Sitzung mit knapper Mehrheit (12:10) den vorhabensbezogenen Bebauungsplan mit dem privaten Investor aus Grünwald gestoppt.

Zunächst hatte der Investor ein Hotel mit 1560 Betten realisieren wollen, das erschien jedoch auch dem Landratsamt, als oberer Baubehörde, zu groß. Es genehmigte aber immerhin 1180 Betten.

Die Unterföhringer Hoteliers protestierten angesichts dieser enormen Bettenzahl. Sie schlossen sich zu einer Initiative zusammen. Sprecher Anton Lechner bezeichnete das Projekt als „existenzbedrohende Katastrophe“.

Gemeinde kann‘s nicht verhindern

Die Gemeinde hätte das Boardinghaus am Ortseingang am liebsten ganz verhindert, was aber aufgrund des rechtskräftigen Bebauungsplans nicht möglich ist. Daraufhin handelte die Gemeinde mit dem Investor, der Firma PG Münchner Str. GmbH, einen Vertrag aus: Der Investor wollte zurückversetzte Dachgeschosse aufstocken und im Gegenzug die Bettenzahlnochmals auf 850 reduzieren, ein Verkehrsgutachten vorlegen und neue Fassaden anbringen. Zuletzt hatte man vereinbart, dass der Investor in zwei der drei achteckigen Türme einen Boardinghaus-Betrieb einrichtet. Der dritte Turm, der am nördlichsten liegt, sollte ein Bürogebäude bleiben, in dem sich auch Ärzte oder Therapeuten mit ihren Praxen einmieten dürfen.

Holzfassade für neues Image

Der Investor beauftragte das Büro Steidle-Architekten. Planer Johannes Ernst schlug vor, den Naturstein am Sockel beizubehalten und darüber in den Obergeschossen eine weiße Fassade mit Wärmedämmverbundsystem anzubringen. Zudem legte er dem Bauausschuss im April zusätzlich einen weiteren Vorschlag vor: Eine Holzfassade hätte den Baukörpern ein ganz neues Image geben sollen. Demnach hätten die beiden Boardinghaus-Türme eine hölzerne Außenhaut in etwas dunklerem Holz erhalten, das Bürogebäude in hellerem Holz.

Der Bauausschuss verwies die Entscheidung jedoch nach intensiver Diskussion direkt an den Gemeinderat, weil sie „aufgrund der Lage und Größe des Projekts viel zu relevant“ sei, wie Bürgermeister Andreas Kemmelmeyer (PWU) erklärte.

Komplette Absage

Doch statt sich zwischen zwei Fassaden zu entscheiden, stoppte die Gemeinderatsmehrheit jetzt die bisherige Marschrichtung ganz. Günther Ernstberger (PWU) schlug vor, dass man den städtebaulichen Vertrag „abbricht“. Als Grund nannte er das Erscheinungsbild: Die bisherige Fassade sei gut gegliedert, die neuen Konzepte dagegen eher „ein einheitlicher Block“, zudem würden die zusätzlichen Dachgeschosse „extrem“ auffallen.

Bauamtsleiter Lothar Kapfenberger warnte vor möglichen Schadensersatzansprüchen des Investors: „Seit zwei Jahren haben wir uns an das Projekt herangearbeitet.“ Zwar könne der Gemeinderat die Situation stoppen, „aber wir haben schon viele Ehrenrunden nachbessern lassen“. Während SPD, Manfred Axenbeck und Josef Ebert (beide CSU) für die Fortsetzung des eingeschlagenen Weges stimmten – „der neue Entwurf ist besser als das Bestandsgebäude“, sagte Thomas Weingärtner (SPD) – stimmte die Mehrheit dagegen.

Nun wird wohl der rechtskräftige Bebauungsplan aus den 90er Jahren greifen. Der Investor darf 1180 Betten einrichten, und die Gäste dürfen sechs bis neun Monate bleiben.

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