An der Föhringer Allee folgt das Rathaus im zweiten Bauabschnitt mit fünfstöckigem Solitär. Dahinter umschließt ein dreistöckiger Baukörper einen Innenhof. Grafik:Gem.Unterföhring
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An der Föhringer Allee folgt das Rathaus im zweiten Bauabschnitt mit fünfstöckigem Solitär. Dahinter umschließt ein dreistöckiger Baukörper einen Innenhof. Grafik:Gem.Unterföhring

Unterföhringer Gemeinderat sucht neue Wege: Architektenwettbewerb ausgelobt

Rathaus als Leuchtturm für Nachhaltigkeit

  • Charlotte Borst
    VonCharlotte Borst
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Unterföhring – Das neue Unterföhringer Rathaus soll zu einem Musterbeispiel für nachhaltiges Bauen werden. Eine Wissenschaftlerin begleitet den Neubau in der neuen Ortsmitte. Die Gemeinde setzt sich einen Finanzrahmen von 49 Millionen Euro.

Jetzt wurde der Auslobungstext formuliert und einstimmig beschlossen. In einem VgV-Verfahren wird ein Wettbewerb unter fünf Architekturbüros ausgeschrieben. Die Gemeinde setzt sich einen Finanzrahmen von 49 Millionen Euro.

Bauen spielt enorme Rolle beim Klimaschutz

Wenn die Abrissbirne anrückt und das Rathaus abreißt, könnten Materialien gerettet und einfach wiederverwertet werden. Das wurde im neuen Rathaus im hessischen Korbach praktiziert, erklärte in der Sondersitzung Natalie Eßig dem Gemeinderat. Beim energetischen Bauen sei man zwar inzwischen schon sehr weit, beim Recycling sieht die Professorin für Architektur an der Hochschule München aber viel Luft nach oben: „Bei Abrissgebäuden landen 95 Prozent der Baumaterialien auf der Deponie.“ Das Bauen spiele eine enorme Rolle für den Klimaschutz, es liege noch viel im Argen. „Zirkuläres Bauen ist wichtiger geworden. Es geht auch“, sagte Eßig.

Das Rathaus in Unterföhring wird abgerissen, wenn das neue Rathaus in der Ortsmitte errichtet ist.

Das alte Rathaus mit rund 3900 Quadratmetern wird nach gut 50 Jahren zu eng. In der Ortsmitte stehen laut Bebauungsplan 6800 Quadratmeter zur Verfügung. In sechs Sitzungen haben Verwaltung, Personalrat und Fraktionen den Raumbedarf ermittelt.

Trotz Homeoffice soll jeder Mitarbeiter seinen festen Schreibtisch haben

Moderne Bürokonzepte wie Desksharing, bei dem sich die Mitarbeiter je nach Bedarf einen passenden Platz suchen, lehnte das Personal aber ab. Jeder Mitarbeiter soll weiterhin einen festen eigenen Schreibtisch haben. Sabine Fister (SPD) folgerte im Umkehrschluss, „dann ist Homeoffice wohl kein Thema mehr“, sie warnte vor Platzverschwendung. Doch Homeoffice bleibt möglich, erwiderte Bürgermeister Andreas Kemmelmeyer (PWU), das sei auch ein „Standortvorteil bei der Mitarbeitersuche“. An festgelegten Tagen könne ein Teil des Personals auch künftig von Zuhause arbeiten.

Mehrheit lehnt Gastwirtschaft im Rathaus ab

Für die künftigen Nutzungen werden 5522 Quadratmeter benötig. Übrig bleiben 1278 Quadratmeter. Kemmelmeyer will diese Fläche vorhalten. Das habe sich bei seinem Vorvorgänger Ernst Eckhart bewährt, der im 1974 errichteten Rathaus die oberen Stockwerke zunächst vermietete. Udo Guist (PWU), Manfred Axenbeck (CSU), Johannes Mecke und Gisela Fischer (beide Grüne) plädierten für eine Wirtschaft im Rathaus, wobei die Grünen für ein Lokal auf dem Dach warben, während Axenbeck ein „Ratsstüberl“ im Erdgeschoss vorzog. Die Mehrheit lehnte dies jedoch mit 9:13 ab. Man will den Architekten kein Rathaus-Lokal ins Aufgabenheft schreiben. Im dritten Bauabschnitt, den ein privater Eigentümer bebauen will, sei ohnehin eine Wirtschaft vorgesehen, betonte Kemmelmeyer.

Kostenrahmen von 49 Millionen Euro soll Orientierung geben

Albert Kirnberger (SPD) forderte einen festen Kostenrahmen für die Architekten. Manuel Prieler (PWU) warnte vor einem „sklavischen Festschreiben“. Auf frühere Projekte, wie Bürgerhaus, Bauhof oder Feuerwachen, hätte man 30 bis 40 Prozent aufschlagen müssen. Auch Marianne Rader (CSU) warnte vor einem starren Kostendeckel, „wir vergeben uns zu viele Chancen“, schließlich erwarte man ein anspruchsvolles Gebäude mit viel Innovation. Zur Orientierung wurde der Kostenrahmen aber in den Auslobungstext aufgenommen.

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