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Fürchtet um seinen Laden: Thomas Schäfert. 

Wegen Wirtshaus-Abriss

Rettungsaktion für einzigen Metzger in Unterföhring

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Händeringend hatte die Gemeinde Unterföhring 2014 einen Metzger gesucht und ihn mit Thomas Schäfert aus München angeworben. Jetzt fürchtet der um seine Existenz, wegen Bauplänen der Gemeinde. 

Unterföhring –  Der Alte Gockl-Wirt an der Münchner Straße wird jetzt abgerissen. Der Anbau der Metzgerei soll zwar bis 2024 stehen bleiben. Doch der Ladeninhaber fürchtet, dass ihm der bevorstehende Abriss und der damit verbundene Lärm das Geschäft zerstört. Um zu verhindern, dass der Metzger aus Unterföhring abwandert, richtet sich die SPD mit einem Appell an Bürgermeister und Gemeinderat.

SPD will den Abriss unterbrechen

Sie fordert, dass der Abriss unterbrochen wird und der Ältestenrat über die Angelegenheit berät. SPD-Bürgermeisterkandidat Philipp Schwarz schlägt selbst auch eine Lösung vor: Die Gemeinde soll in der Ortsmitte einen Platz für einen Metzgerei-Contanier suchen, damit der Fleischer seinen Betrieb fortsetzen kann und der Abriss des gesamten „Gockl“ möglich wird.

Metzger fürchtet: Wegen Baustelle bleiben Kunden weg

Bisher ist ein Teilabriss geplant, der läuft bereits. Die ersten Fensterscheiben sind zerschlagen. Der Metzgerei-Anbau soll erhalten bleiben und abgestützt werden, damit der Betrieb weitergeht, so der Plan, den der Gemeinderat – gegen die Stimmen der SPD – beschlossen hat. Doch ob der Metzgereibetrieb während der Abrissarbeiten noch funktioniert, da hat Thomas Schäfert (51) seine Zweifel.

Brief an den Bürgermeister

SPD-Chef Philipp Schwarz hat gemeinsam mit dem Vorsitzenden des Seniorenbeirats, Wolfgang Schwaiger, ein Gespräch mit Schäfert geführt. „Ihm und seinem Betrieb wird jegliche wirtschaftliche Perspektive genommen“, warnt Schwarz. „Das Ende der Mietzeit und die damit wegfallende Perspektive führen dazu, dass Herr Schäfert keine Mitarbeiter mehr findet und sein Unternehmenswert gegen Ende der Mietzeit auf Null sinkt“, schreibt Schwarz in seinem Brief an Bürgermeister Andreas Kemmelmeyer (PWU) und den Gemeinderat.

Die SPD plädierte schon bei früheren Diskussionen im Gemeinderat für eine temporäre Nutzung des Gockl-Gebäudes, bei dem jedoch der Brandschutz ungenügend ist. „Die Gemeinde braucht händeringend Räume für Vereine oder Verwaltung – und hier wird ein vorhandenes Gebäude derart zerstört“, argumentiert Schwarz. Das Geld für den Erhalt der Metzgerei und die Abbruch-Absicherungen sollte lieber verwendet werden, um den Gockl nutzbar zu machen.

Pläne für Neubau eines Landgasthofs verworfen

Doch eine Mehrheit aus PWU, CSU und Grünen im Gemeinderat stimmte für Abriss und Neubau. Ein erster Architekt erhielt den Auftrag, einen neuen Landgasthof um den Metzgerei-Anbau herum zu planen, damit der Laden nicht schließen müsse. Dann jedoch verwarf der Gemeinderat den Entwurf.

Vertrag läuft bis 2024

Im November 2018 entschied eine Mehrheit auf Antrag der Grünen dann den Teilabriss: Während das Hauptgebäude abgerissen wird, soll der Metzgerei-Anbau noch bis zum Jahr 2024 stehen bleiben. So lange läuft der Pachtvertrag von Thomas Schäfert. Sobald dieser endet, wird die Gemeinde auch den Anbau wegreißen und auf dem Gelände einen Landgasthof mit Metzgerei errichten, so der geltende Beschluss. So soll der Gockl, der seit 1910 Tradition am Ort hat, als Neubau zurückkehren. Der Betrieb von Metzgerei und Landgasthof wird dann neu ausgeschrieben, auch Schäfert könnte sich neu bewerben.

Neuer Laden in der entstehenden Ortsmitte?

Wenn es nach der SPD geht, soll Schäfert eine sichere Zukunft in Unterföhring haben.Die SPD schlägt vor, dass die Gemeinde auf ihrem Teil der neuen Ortsmitte ein Metzgerei- und Bistro-Geschäft einplant und einen Mietvertrag mit Schäfert aushandelt   

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