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S-Bahn-Schütze von Unterföhring: Alexander B. vor Gericht.

Urteil wohl schon am Freitag

Gerichts-Gutachten zeigen: So wirr ist die Welt des Schützen von Unterföhring

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Waffen, falsche Freunde, rasende Gedanken – und ständig diese Furcht. Was im Kopf von Alexander B. (38) vorging, können sich gesunde Menschen nicht vorstellen.

München-  Deshalb erklärten Ärzte und Psychiater seine wirre Welt: Am Landgericht stellten sie gestern die Gutachten über den S-Bahn-Schützen von Unterföhring vor.

Das sagt die Psychologin

„Er hatte die Tendenz, Ereignisse um sich herum auf sich zu beziehen“, sagte eine Psychologin aus, die B. behandelte. Ohne konkreten Anlass fühlte sich B. demnach von seiner Umwelt bedroht. Wenn er die Nachrichten sah, dachte er, sie beträfen ihn selbst – oder er empfange dadurch Botschaften. Typische Anzeichen einer paranoiden Schizophrenie. Doch wahrscheinlich erst durch längeren Drogenkonsum und den Trennungs-Stress mit seiner Freundin brach die schwere Krankheit aus.

Wie ein Rechtsmediziner erklärte, wurden Opiate und Kokain im Blut von Alexander B. nachgewiesen. Ebenso der Wirkstoff Fentanyl, der unter anderem in Schmerzpflastern für Krebspatienten verwendet wird. Jahrelang war B. zudem Alkoholiker gewesen.

Aktuell steht Alexander B. unter dem Einfluss starker Medikamente

Zu dem ruhigen und freundlich wirkenden jungen Mann auf der Anklagebank mag das nicht so recht passen. Doch man darf sich von diesem Eindruck nicht täuschen lassen: Alexander B. steht aktuell unter dem Einfluss starker Medikamente. Seine Dosis, vor allem die der Beruhigungsmittel, sei für den Prozess extra erhöht worden, führte seine Ärztin vor Gericht aus.

Unter einer Persönlichkeitsstörung leidet B. nicht, befanden die Gutachter, wohl aber an einer krankhaften seelischen Störung. Am 13. Juni 2017 hatte er der Polizistin Jessica Lohse am S-Bahnhof Unterföhring in den Kopf geschossen. Seither wird seine Schizophrenie medikamentös behandelt und ist so auch unter Kontrolle. Zur Tatzeit galt der gebürtige Starnberger als schuldunfähig. Laut Anklage stellt er unbehandelt aber eine Gefahr für die Allgemeinheit dar. Deshalb sitzt B. gegenwärtig in der Psychiatrie. Am Freitag schon könnte der Prozess mit der Anordnung zu B.’s dauerhafter Unterbringung enden.

Der Polizei-Einsatz in Unterföhring im Juni 2017.

Alexander B. wollte sich das Leben nehmen

Während seiner Tat war Alexander B. selbst durch einen Schuss am Gesäß verletzt worden. Er war im Klinikum Bogenhausen operiert und direkt im Anschluss ins Isar-Amper-Klinikum nach Haar verlegt worden. „Sein psychischer Zustand war so schlecht, dass er nicht imstande war, zu sprechen“, sagte die Oberärztin gestern aus. Noch am Abend, als B. dort eingewiesen wurde, hatte er versucht, sich das Leben zu nehmen. „Er glaubte, dass er hier hingerichtet wird.“ Auch sein Essen wollte er nicht zu sich nehmen – aus Angst, vergiftet zu werden. So wie bereits im Flieger von Athen nach München, wo Fluggäste wegen des sonderbaren Verhaltens auf B. aufmerksam worden waren, wie sie gestern aussagten. Dass der S-Bahn-Schütze danach in Unterföhring beinahe zum Mörder wurde, realisierte er erst, als das Gericht das Video seiner Tat öffentlich zeigte. Für eine Einsicht war es da schon zu spät. 

Den Prozess beobachten wir in einem Live-Ticker.

S-Bahn-Attacke von Unterföhring: So geht es der angeschossenen Polizistin heute

A. Thieme

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