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Bei einer Schießerei in Unterföhring konnte der Täter einem Polizisten die Dienstwaffe entwenden. Viele fragen sich nun: Wie konnte es so weit kommen? 

Rätsel nach Bluttat von Unterföhring

Ist der Täter ein Waffennarr? Wie konnte er die P7 entsichern?

Einen Tag nach der Schießerei am S-Bahnhof Unterföhring, bei der eine Polizistin und zwei Passanten verletzt wurden, fragen sich viele: Wie konnte der Täter an die Dienstwaffe des Polizisten kommen?

Unterföhring – Nach der schrecklichen Bluttat am S-Bahnhof im Münchner Vorort Unterföhring sind einen Tag später noch einige Fragen offen. Eine der drängendsten ist wohl, wie es so weit kommen konnte, dass der Täter Alexander B. einer Polizistin mit der Dienstwaffe ihres Kollegen in den Kopf schoss und sie dadurch lebensgefährlich verletzt hat. 

Wegen einer Schlägerei in der S-Bahn waren die zwei Polizeibeamten gerufen worden. An der S-Bahnstation in Unterföhring kontrollierten sie den Angreifer, aber dann eskalierte der bis dahin gewöhnliche Einsatz. Die Videokameras haben aufgezeichnet, was dann passierte. „Völlig unvermittelt“ sei der mutmaßiche Täter, der 37-jährige Alexander B. aus Oberbayern, ausgerastet, so Polizeipräsident Hubertus Andrä. Der Angriff auf den 30-jährigen Beamten, einen Polizeihauptmeister, sein von „einer derartigen Vehemenz“ gewesen. Als die S8 Richtung Flughafen am Bahnsteig einfuhr, wollte Alexander B. den Polizisten augenscheinlich ins Gleisbett stoßen. 

Der Täter konnte die Sicherungen lösen

Der Beamte wehrte sich, stürzte schließlich auf den Bahnsteig. Es sein keine Rangelei gewesen, sondern „ein wirklich heftiger Kampf“, so Andrä weiter. Wie genau es dem mutmaßlichen Täter dabei gelang, dem Polizisten die Waffe zu entwenden, ist noch unklar. Neben den Zeugenaussagen und Bildaufnahmen soll auch ein Schusswaffenexperte helfen, den genauen Hergang aufzuklären, gab der Polizeipräsident in der Pressekonferenz am Mittwoch bekannt. Ob der Polizist seine Waffe statt im Holster in der Hand hatte, könne die Polizei derzeit weder bestätigen noch dementieren. Andrä stellte allerdings klar, dass die Pistole dem Beamten nicht „einfach so weggenommen“ wurde, sondern ein „wirklicher Kampf“ zwischen Angreifer und Polizisten stattgefunden habe.

So trägt die bayerische Polizei ihre Waffe üblicherweise. Die Pistole „P7“ ist doppelt gesichert.

Wie genau der erste Schusswechsel ablief, muss nun ebenfalls analysiert werden. Die Polizei brauche Zeit, um den Hergang „akribisch und genau zu rekonstruieren“, sagte Andrä. Wer den ersten Schuss abgegeben hatte, sei derzeit noch nicht klar, da die Videokameras keinen Ton aufzeichnen. Angeblich reagierte die Polizistin sofort und schoss Alexander B. ins Gesäß. Das setzte ihn jedoch nicht außer Gefecht. Er schoss auf die Polizistin, traf sie in den Kopf. Dann feuerte er weitere Schüsse ab, zwei davon trafen Passanten und verletzten diese schwer. Nach acht Schüssen, erst als das Magazin leer war, warf Alexander B. die Waffe ins Gleisbett und flüchtete.

Ist Alexander B. ein Waffennarr? 

Die Dienstwaffe, die der Täter missbraucht hatte, ist die „P7“ vom Hersteller Heckler & Koch. Sie ist die Standardbewaffnung der bayerischen Polizei. Es ist eine halbautomatische Pistole mit einem achtschüssigen Magazin. Beamte im Einsatz tragen sie doppelt gesichert. Dadurch, dass die „P7“ einerseits im Trageholster befestigt ist, ist es für Laien nahezu unmöglich, die Waffe aus der Halterung zu nehmen. Dafür sei ein spezieller Entsicherungsgriff notwendig. Die Pistole selbst ist ebenfalls gesichert, was Laien in der Regel nicht erkennen und deshalb nicht im Affekt handeln könnten.

Auf Nachfrage von Medienvertretern stellte Polizeipräsident Hubertus Andrä bereits in der Pressekonferenz am Dienstagnachmittag klar, dass die bayerische Polizei ihre Waffe immer geladen trägt. Wer sich mit der Thematik auskenne, wisse laut Andrä, wie man die so genannte Handballensicherung löst, die verhindert, dass aus der Waffe versehentlich ein Schuss abgefeuert wird. 

Zur Tragesituation der Waffe erklärte der Polizeipräsident: „Es gibt keine hundertprozentige Sicherung.“ Wer sich auskenne, könne die Sicherung lösen. Es komme gar nicht so selten vor, dass versucht werde, Polizisten die Dienstwaffe abzunehmen, sagte Pressesprecher Marcus da Gloria Martins. Allerdings gelinge dies wegen der Spezialsicherungen nur selten. Über Alexander B. ist noch nicht allzu viel bekannt. War er ein Waffennarr, der genau wusste, was er tun musste? Oder gelang es ihm zufällig, die Sicherungen zu lösen? Das ist noch nicht klar. Die Hintergründe wird die Polizei prüfen.

Alle Informationen zur Bluttat in Unterföhring lesen Sie in unserem Live-Ticker.

mhö

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