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So soll der Schulcampus aussehen.

Neubau in Unterföhring kostet 148,7 Millionen Euro  

Schulcampus kostet noch zehn Millionen mehr

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Ein teures Prestigeprojekt: Der Schulcampus in Unterföhring kostet nochmal zehn Millionen Euro mehr - insgesamt knapp 150 Millionen. 

Unterföhring – Eine ganze Expertenriege nimmt im Rathaussaal am Tisch der Verwaltung Platz. Sechs Fachplaner sind gekommen und Architekt Manfred Felix, um dem Bauausschuss Rede und Antwort zu stehen. Der Schulcampus wird teurer, zehn Millionen mehr kostet das Vorzeigeprojekt, für das die Gesamtkosten nun bei 148,7 Millionen Euro angelangt sind. Allein 90 Millionen kostet das Gymnasium für 1500 Schüler – es wird damit die teuerste Schule im Landkreis. Der Rest entfällt auf die Grundschule mit Hort und Mittagsbetreuung.

Im September 2020 soll der Unterföhringer Schulcampus an der Mitterfeldallee fertig sein. Er ist mit modernster Technik versehen, inklusionsfähig und rollstuhlgerecht. „Heute geht es um die Fragen: Wie sind die Mehrkosten entstanden, was ist sinnvoll und nachhaltig und wo können wir sparen“, eröffnet Bürgermeister Andreas Kemmelmeyer (PWU) die Sitzung. Erst im Juni hatte der Gemeinderat den geschätzten Kosten von 138 Millionen zugestimmt, Vierfachturnhalle und Tiefgarage eingerechnet. Danach berieten Architekten und Bauherren den Entwurf mit allen Beteiligten: den Fachplanern, der Bauabteilung im Landratsamt, dem dortigen Behindertenbeauftragten und vor allem mit den Nutzern, also den Leitungen von Hort, Mittagsbetreuung und Grundschule. Das hatte zur Folge, dass der Bau 60 Zentimeter breiter wurde. Die Grundschule sei nach den Vorstellungen der neuen Schulleiterin „völlig umorganisiert“ worden, berichtete Felix. Die Räume für die Mittagsbetreuung wurden von vier auf sechs aufgestockt. Für jede der neun Jahrgangsstufen im Gymnasium wird ein Klassenzimmer so gestaltet, dass auch hörbehinderte und gehörlose Schüler dem Unterricht folgen können. Das gilt auch für jeweils einen Fachraum für Kunst, Musik, Chemie und Physik, ebenso für das Schülerforschungslabor. Die Klassenzimmer sind mit 82 Quadratmetern großzügiger bemessen als der vom Landkreis geförderte Standard von 66 Quadratmetern. Auch die Sternwarte auf dem Dach ist per Lift für Rollstuhlfahrer erreichbar. Dank der Abstimmung mit dem Wasserwirtschaftsamt ergab sich immerhin eine Einsparung von 300 000 Euro, weil im Keller kein wasserundurchlässiger Beton verbaut werden muss.

Die Nutzergespräche seien definitiv abgeschlossen, sagte Bauamtsleiter Lothar Kapfenberger. Und Architekt Felix fügte hinzu: „Dies sind die Pläne, mit denen wir in die Ausschreibung gehen. Da passiert jetzt nichts mehr.“

Für das Gymnasium steuert der Landkreis 70 Prozent der förderfähigen Kosten bei, das sind 24 Millionen Euro. Rund zehn Millionen will Unterföhring vom Freistaat einfordern, weil mit der Rückkehr zum G9 eine zusätzliche Jahrgangsstufe untergebracht werden muss.

Thomas Weingärtner (SPD) warb für eine Deckelung bei 150 Millionen: „Wir müssen uns disziplinieren. Wir wissen ja, dass beim Bauen gerne Wünsche dazukommen. Die Dinge dürfen nicht aus dem Ruder laufen.“ Disziplin ja, aber keine Deckelung – war schließlich der Tenor im Bauausschuss. Man wolle weiterhin mit „scharfen Zahlen“ arbeiten, wie Kemmelmeyer sagte, also mit realistischen Preisen, ohne eingebauten Sicherheitspuffer. Der Ausschuss stimmte den Gesamtkosten von 148,7 Millionen zu, am 14. Dezember berät der Gemeinderat. Der Schulcampus ist neben dem Bau des S-Bahntunnels wohl das bisher größte Bauvorhaben der Gemeinde.

Zum Vergleich:

Bisher war das geplante Gymnasium Kirchheim (1500 Schüler) für 88 Millionen das teuerste im Landkreis. Das Gymnasium Ottobrunn kostete 37,4 Millionen Euro (ohne Turnhalle) ausgelegt für 1300 Schüler. Das Gymnasium Kirchseeon wurde 2008 bezogen und hat für 850 Schüler rund 20 Millionen gekostet.

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