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Entlastung für Stadt und Landkreis? Eine solche Seilbahn über dem Frankfurter Ring in München könnte bis nach Unterföhring verlängert werden.

Gegen das Verkehrschaos

Schweben bis nach Unterföhring: Landkreis liebäugelt mit Seilbahn-Verlängerung

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Schweben statt im Stau stehen. Das könnte bald schon Realität werden. Der Landkreis will sich an die Seilbahn-Pläne der Landeshauptstadt hängen. Mögliche Routen gibts bereits.

Landkreis – Die Lösung der Verkehrsprobleme im Landkreis liegt hoch oben in der Luft. Es wird zumindest immer wahrscheinlicher. Auf bestimmten Routen sollen Seilbahnen für Entlastung sorgen. Prädestiniert wären Engpässe im Süden, wie die Grünwalder Brücke im Isartal oder das Hachinger Tal. Neuerdings setzt der Kreis aber auch auf eine Verbindung im Münchner Norden, via Frankfurter Ring bis Unterföhring. Der entsprechende Beschluss des Mobilitätsausschusses, der auf einem SPD-Antrag fußt, korrespondiert mit Plänen des Münchner Stadtrats: Den Nutzern des nahezu ständig überlasteten Frankfurter Rings eine Alternative zu bieten.

Die Seilbahn soll von Oberwiesenfeld bis Studentenstadt reichen; dabei die U-Bahnen 2, 3 und 6 anbinden, in Schwabing Nord die Tram 23. Im Dezember gab der Stadtrat eine Machbarkeitsstudie in Auftrag. Untersucht werden soll bei der Gelegenheit eine Verlängerung der Seilbahn im Westen nach Moosach und ostwärts bis Unterföhring zum Bayerischen Rundfunk. Der Landkreis will sich hierbei eng mit der Landeshauptstadt abstimmen.

Verkehrsplaner aus Stadt und Landkreis haben schon seit Längerem ein Auge auf den Frankfurter Ring geworfen. Spätestens mit den seit 2017 vorliegenden Ergebnissen der Studie „Perspektiven im öffentlichen Nahverkehr“ nahm die Idee einer S-Bahn-Nordtangente und die hiermit für den Landkreis verbundenen Möglichkeiten im Landratsamt Konturen an. In den Fokus der Planer rückte der zur Zeit nur von Güterzügen befahrenen Eisenbahn-Nordring. In der Seilbahn sehen sowohl Stadt und Landkreis München als auch die Staatsregierung eine sinnvolle Alternative.

Landkreis profitiert von Plänen in München

Mit Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) hatte Staatsministerin Ilse Aigner (CSU) vorigen Juli erste Überlegungen zum Bau einer Seilbahn über den Frankfurter Ring der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Staatsregierung unterstützt Pläne zum Bau von Seilbahnen als urbanes Nahverkehrsmittel in städtischen Verdichtungsräumen. Das gilt besonders für den stau-geplagten Frankfurter Ring und die gewünschte Verlängerung über den nicht minder belasteten Föhringer Ring bis Unterföhring.

Die Seilbahn böte Fahrgästen nach Ansicht des Landratsamts eine „attraktive, störungsfreie und schnelle Verbindung“. Die Verlängerung bis Unterföhring würde zudem die Nachfrage zwischen Oberwiesenfeld und Studentenstadt erhöhen. Die Medien-Gemeinde lockt mit 23 000 sozialversicherungspflichtigen Jobs.

Kosten für Seilbahn liegen bei rund acht Millionen Euro

Welche Bedeutung das Landratsamt der Seilbahn als Nahverkehrsmittel zumisst, ließ sich an der Reaktion des Landrats auf den SPD-Antrag ablesen. Dass die Sozialdemokraten die Verlängerung nach Unterföhring als erstes Projekt im Landkreis bezeichneten, schmeckte Christoph Göbel (CSU) ganz und gar nicht. Seit Jahren befasse man sich mit der Technologie, entgegnete er. Verschiedene Projekte seien in Studien aufgelistet, würden gegenwärtig auf ihre Machbarkeit hin geprüft. Göbel verwies auf das Isartal, wo in absehbarer Zeit keine Alternative zur Seilbahn zu erwarten sei, auf das Hachinger Tal, die Route Gräfelfing-Pasing beziehungsweise -Germering und die Idee, das Autobahn-Südkreuz mit der Seilbahn zu überwinden. 

Wirtschaftlich wäre die Seilbahn allemal. Während ein Bus-Kilometer 20 Millionen Euro kostet, eine U-Bahn bis zu 250 Millionen, werden für die Seilbahn acht Millionen fällig. Und der Bund finanziert Maßnahmen, die sich sinnvoll in den Nahverkehr integrieren, anteilig mit bis zu 50 Prozent. Mit gut 20 Km/h bewegen sich die Gondeln im Stadtverkehr zudem schneller als die Tram (19), sind nur unwesentlich langsamer als ein Auto (30).

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