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Erinnerungsbänder tragen die „Fahnenjungfrauen“ beim Kirchenzug zur Fahnenweihe 1953.

Trachtenverein Edelweiß Unterföhring feiert 100-Jähriges

Fürs Fahnenbild ins KZ

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Bewegte Geschichte: Der Trachtenverein Unterföhring hat viel erlebt in 100 Jahren. Auch Zeiten des Widerstands gegen die Nazis.  

Unterföhring – Seit 100 Jahren hält der Gebirgstrachtenerhaltungsverein Edelweiß in Unterföhring bayerische Tradition am Leben. Er ist einer der ältesten Gruppen unter den 59 Unterföhringer Vereinen – und lässt jeden Bürger miterleben, was es bedeutet, ein Bayer zu sein.

Denn damals wie heute kommt den Mitgliedern eine sehr wichtige Aufgabe zu: Sie sorgen mit ihren Trachten und Festen dafür, „dass Unterföhring als das wahrgenommen wird, was es wirklich ist, als eine bayerische Gemeinde, und nicht nur als eine Medien- und Versicherungsgemeinde mit viel Geld“, betont Schirmherr Bürgermeister Andreas Kemmelmeyer in der Festschrift.

Die Unterföhringer können beim Bürgerfest am kommenden Wochenende, 24. und 25. Juni, bayrisches Brauchtum geballt erleben. Denn zum 100-Jährigen richten die Edelweiße das Trachtengaufest mit vielen Vereinen aus.

Am Glocklwirt stellen ie Trachtler erstmals 1950 einen Maibaum auf. 

Leidenschaftliche Verfechter der bayerischen Sitten fanden sich trotz der Kriegswirren im Jahre 1917 zusammen. 1920 hatten sie dann genug gespart, um sich eine Standarte zuzulegen, „den Stolz eines jeden Vereins“, wie es in der Chronik heißt. Auf ihr ist ein Edelweiß zu sehen und ein Bild König Ludwig II.. Der Ismaninger Trachtenverein „Stamm“ übernahm die Patenschaft.

Schnell waren die Unterföhringer Edelweiße weithin bekannt. Unterwegs mit Fahrrädern oder Pferdegespannen besuchten sie die Feste in der weiteren Umgebung bis in Solln – die Buam in Lederhosen, die Deandl in Miesbacher Tracht, zu der zum Gewand aus blauem Stoff der „Balkon“ gehört, wie das Blumenarrangement aus Buchs und Nelken genannt wird. Auf dem Kopf tragen die Frauen einen schwarzen Hut mit langer weißer Feder.

Schwere Jahre hatte der Verein unter dem Einfluss des Nationalsozialismus. 1933 wurde angeordnet, dass die Buam das Edelweiß am Krawattenschieber durch ein Hakenkreuz ersetzen mussten. Als sie dann aber das Bild von König Ludwig II. von der Fahne entfernen sollten, widersetzte sich der Verein.

Einige Kameraden sollen wegen dieser Sache sogar im KZ in Dachau eingesperrt worden sein, wie in der Chronik berichtet wird. Nach einer Woche aber wurden sie wieder freigelassen.

Doch ihre Fahne versteckten die Mitglieder daraufhin, ihr Vereinsleben wurde unterbrochen. Erst 1948 fanden sich wieder einige Edelweiße zusammen, die amerikanischen Militärregierung genehmigte den Verein. Immer mehr junge Unterföhringer schlossen sich an. 1950 stellten sie, damals noch mit Schwaiberln, den ersten Maibaum vor dem Gocklwirt auf. Seither veranstalten die Edelweiße alle fünf Jahre ein großes Maifest, heute vor dem Bürgerhaus. Schon Wochen zuvor beteiligen sich die anderen Vereine an den Maibaumwachen.

Eine Jugend- und Volksmusikgruppe bildete sich und gab beim 60. Gründungsfest 1977 Kostenproben ihres Könnens. Inzwischen hatten sich fast alle Mitglieder die Miesbacher Tracht zugelegt. 1987 feierte der Verein beim Bürgerfest sein 70-jähriges Bestehen. Und auch das 100-Jährige begehen die derzeit 90 Mitglieder nun im Rahmen des Bürgerfestes.

Gruppenbild zum Jubiläum: die Mitglieder des Trachtenvereins Edelweiß Unterföhring.

Ehrenschirmherr Landrat Christoph Göbel gratuliert den Edelweißen in seinem Grußwort: Sie hätten es geschafft, in diesen 100 Jahren jungen und älteren Menschen in Unterföhring „ein Fels in der stürmischen Brandung zu sein, Heimat und Identität zu stiften und die heute oft vermisste Entschleunigung zu bieten“.

Ausstellung

Das Heimatmuseum Feringa Sach an der Bahnhofstraße 10 zeigt eine Ausstellung über „100 Jahre Gebirgstrachten-Erhaltungsverein“. Geöffnet ist diese mittwochs von 16.30 bis 19 Uhr und jeden ersten Sonntag im Monat von 14 bis 17 Uhr.

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