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Impfpflicht in der Pflege: „Das könnte das Fass zum Überlaufen bringen“

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Von: Charlotte Borst

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Eine Flüssigkeit tropft aus der Kanüle einer Spritze
Die diskutierte Impfpflicht in der Pflege stößt auf Kritik. © Karl-Josef Hildenbrand / dpa

Die Impfpflicht für Pflegende soll kommen. Doch für Arbeitgeber sind noch viele Fragen offen. Doris Schneider, die Geschäftsführerin der Caritas-Altenheime in Oberbayern, übt scharfe Kritik an der Impfpflicht. „Die Diskussion kommt zur falschen Zeit.“

Landkreis - Nach eineinhalb Jahren Corona-Pandemie sind die Altenpfleger mit ihren Kräften am Ende. „Die Mitarbeiter sind frustriert, dass es jetzt wieder mit den hohen Infektionszahlen losgeht.“ Doris Schneider hat große Sorge, dass Mitarbeiter kündigen. „Die Impfpflicht könnte der Tropfen sein, der das Fass zum Überlaufen bringt“, mahnt sie. Die Anwerbung neuer Mitarbeiter sei ja ohnehin schwierig. Viele Fragen seien unbeantwortet: „Was ist mit ehrenamtlichen Helfern und Praktikanten – müssen die sich auch impfen lassen?“

Einheitlicher Leitfaden fehlt

Kritisch sieht Doris Schneider neben dem „organisatorischen Wahnsinn“ auch die Zeitverzögerung: Die Impfpflicht werde erst in zwei Monaten den Schutz in den Einrichtungen verbessern. „Was wir wirklich brauchen, ist ein einheitlicher Leitfaden, wir wir durch den bevorstehenden harten Winter kommen und mehr Ressourcen beim Personal.“

Doris Schneider, Geschäftsführerin der Caritas-Altenheime in Oberbayern.
Doris Schneider, Geschäftsführerin der Caritas-Altenheime in Oberbayern. © privat

Zwar wünscht auch Doris Schneider sich mehr Einsicht beim Impfen, die berufsbezogene Impfpflicht hält sie aber für den falschen Schritt. „70 Prozent des Personals in allen Caritas-Altenheimen in Oberbayern ist geimpft. Das finde ich zu wenig“, sagt Schneider, „ich würde mir mehr wünschen.“ Die Forderung nach einer Impfpflicht in der Pflege klinge zunächst auch sehr logisch, „doch eigentlich halte ich sie für nicht durchdacht. Warum soll es dann nicht auch die Impfpflicht für Fußballer geben?“ Schneider ist überzeugt, dass eine berufsbezogene Impfpflicht der Pflegebranche am Ende schade.

Forderung nach klaren Gesetzen

Bernd Meurer, Präsident des Bundesverbands privater Anbieter sozialer Dienste und Geschäftsführer des Pflegeheims in Unterföhring, fordert eindeutige Regeln bei der Impfpflicht und einen erneuten Bonus für Pflegende.

„Wir brauchen klare gesetzliche Grundlagen, was die Arbeitgeber dürfen und wie sie eine Impfpflicht durchsetzen sollen“, betont Meurer und warnt: „Eine berufsbezogene Impfpflicht wird nur eine überschaubare Wirkung haben, wenn Besucher und Angehörige weiterhin ungeimpft sein können.“

Meurer fordert, dass parallel die Boosterimpfung beschleunigt werden soll und zuerst den älteren und pflegebedürftigen zu Gute kommt. Einen erneuten Pflege-Bonus für die Intensiv-Pflege und die Altenpflege hält Meurer für überfällig. „Einrichtungen und Pflegekräfte sind am Limit.“ Neben dem Dank und Respekt sei der Bonus ein spürbares Signal. „Auch die aktuellen Vorschläge für Steuerbefreiungen für Pflegekräfte unterstützen wir deshalb ausdrücklich.“

Bernd Meurer, Präsident des Bundesverbands privater Anbieter sozialer Dienste.
Bernd Meurer, Präsident des Bundesverbands privater Anbieter sozialer Dienste. © privat

Ein gewisse Skepsis bleibt

Im Unterföhringer Seniorenzentrum seien fast alle Mitarbeiter geimpft, berichtet Meurer, „bis auf ein oder zwei“. Er vermutet, dass das Gros des Personals die Impfpflicht akzeptieren werde. „Die Mehrzahl wird sagen – na gut, dann machen wir es. Das hat man im Sommer gesehen, als viele mal wieder verreisen wollten.“ Doch eine gewisse Skepsis bleibt auch bei Meurer: „Jetzt ist es Covid. Eine Milliarde Impfungen sind verabreicht, die Erfahrungen sind positiv. Man kann den Menschen die Impfung zumuten. Doch was ist das Nächste?“

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