Wegen gefährlicher Körperverletzung

26-Jähriger nach Prügel-Attacke verurteilt - sein Opfer nimmt ihn in Schutz

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Er hätte sie erstechen können, doch er streckte sie „nur“ mit der Faust nieder. Deshalb wurde ein 26-Jähriger wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt. Nicht wegen versuchten Mordes.

Unterföhring – Die 20-jährige Nebenklägerin aus Unterföhring atmete hörbar aus. Keine Verurteilung wegen versuchten Mordes, stattdessen eine zeitig absehbare Freiheitsstrafe, das war offenbar ganz im Sinn der jungen Frau. „Das war nicht er, das war das Monster in ihm“, hatte sie, eine psychisch sehr angeschlagene Frau, als Zeugin im Verfahren über ihn gesagt. Er sei freundlich und hilfsbereit gewesen.

Jenes herzlose Gemisch, das er in den Morgenstunden des 23. Dezember 2017 an den Tag legte, sei durch die Aufnahme von Alkohol und Drogen, eventuell Kokain, geschehen. Sie liebe ihn heute noch, obwohl sie die Liebe fast das Leben gekostet hätte. Das Unheil hatte nach einem Drogengeschäft in einer Einfahrt seinen Lauf genommen.

Der 20-Jährigen wurde der Laptop gestohlen. Sie vermutete ihren Freund als den Dieb und drohte ihm mit einer Strafanzeige. Der junge Mann war erst im August aus dem Gefängnis entlassen worden, er stand noch bis September 2019 unter Bewährung und befürchtete, erneut in Haft zu geraten.

Die ganze Nacht versuchte er, sie zu erreichen. Sie hingegen war damit beschäftigt, ihren hochwertigen Laptop zu orten. Schließlich fuhr der 26-Jährige zu ihrer Wohnung nach Unterföhring, stieg über das Küchenfenster ein und fand seine Freundin mit einem anderen Mann im Bett liegen, beide schliefen. Krankhaft grinsend drohte er: „Ich bring’ Dich um, Du Schlampe!“.

Er würde lieber selber sterben, bevor er nochmals ins Gefängnis müsse. Sie schrie herum, griff zu ihrem Handy, um die Polizei zu rufen, da setzte er mit dem Messer in der Hand zu einem Faustschlag an.

Sie erlitt eine klaffende Schnittwunde an der rechten Backe. Dass der Angeklagte nicht weiter wütete, war dem Einsatz des Bettgefährten zu verdanken. Er hielt den Eindringling am Arm fest. So jedenfalls schilderte es der Vorsitzende Richter Michael Höhne in der Urteilsbegründung. Laut schreiend flüchtete die 20-Jährige über die Terrasse ins Freie.

„Du kannst Dich jetzt verpissen, sonst bringe ich Dich auch noch um“, herrschte der Angeklagte den Übernachtungsgast an, dann verfolgte er seine Freundin und holte sie im Windfang der Haustür ein – doch er versetzte ihr nur noch einen Faustschlag. Das Messer hatte er nicht mehr in der Hand und es tauchte seither auch nicht mehr auf. Von einem Nachbarn wurde die 20-Jährige in dessen Wohnung gezogen.

Das Gericht ging zugunsten des Angeklagten davon aus, dass der junge Mann sehr wohl noch im Besitz des Messers gewesen war, es aber nicht mehr eingesetzt hatte. Deshalb sah die 1. Strafkammer von einer Verurteilung wegen versuchten Mordes ab. Sie verurteilte ihn wegen gefährlicher Körperverletzung und verhängte sechseinhalb Jahre Freiheitsstrafe. Das Gericht ordnete aber die Unterbringung des berufslosen Münchners in der Entziehungsanstalt an.

Rubriklistenbild: © picture-alliance / dpa / --

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