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Getrübte Spendenfreude: Jahr für Jahr verteilen die Unterföhringer um Sprecher Stefan Ganser (r.) den Gewinn des Christkindlmarkts an karitative Einrichtungen und Organisationen.

„Hier wird das Ehrenamt mit Füßen getreten“

Verein soll Christkindlmarkt-Gewinn versteuern - obwohl er das Geld komplett spendet

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Steuer-Ärger in Unterföhring: Die Kolpingsfamilie soll ihren Gewinn vom Christkindlmarkt versteuern. Dabei wird der Erlös aller Teilnehmer traditionell gespendet.

Unterföhring – Die Unterföhringer Vereine sehen ihren traditionellen Christkindlmarkt bedroht. Erstmals hält der Fiskus die Hand auf. Das Finanzamt fordert die Kolpingsfamilie auf, für Einnahmen in Höhe von 6000 Euro aus dem Verkauf von Glühwein und gebastelter Deko Umsatzsteuern zu zahlen. Ein entsprechender Bescheid flatterte dem Verein kürzlich ins Haus.

„Es ist sehr schwer nachvollziehbar auch für die Mitglieder unserer Kolpingsfamilie, dass auch das Finanzamt sich an den Einnahmen bedient“, sagt Vorsitzende Ilse Geier, „unsere Mitglieder basteln ab September wöchentlich, zum Teil auch daheim. Oft wird auch das Bastelmaterial gespendet, um viel Gewinn zu erzielen.“

Insgesamt 600.000 Euro sind schon an wohltätige Zwecke geflossen

Der Christkindlmarkt am zweiten Adventswochenende ist jedes Jahr ein Ereignis: Tausende strömen zu den Holzhütten unter dem Marktdach, wo Unterföhringer Familien drei Tage lang ehrenamtlich Glühwein ausschenken und Würstl grillen, Basteleien verkaufen, musizieren und für vorweihnachtliche Stimmung sorgen. Es sind nur örtliche Organisationen und Vereine zugelassen, die unentgeltlich mitmachen und von vornherein zusagen, ihre Einnahmen in einen großen Topf zu werfen. Der Gesamtbetrag kommt örtlichen Sozialvereinen wie der Nachbarschaftshilfe oder der Arbeiterwohlfahrt zugute oder Fördereinrichtungen für Senioren oder für Kinder in Not.

Heuer brachten 22 Vereine 43.000 Euro auf. In den vergangenen Jahrzehnten sind über 600.000 Euro sozialen Zwecken zugeflossen.

Kolpingsfamilie schaltet Anwältin ein

Doch erstmals interessierte sich jetzt das Finanzamt für die Einnahmen, weil die Kolpingsfamilie sich erst kürzlich entschied, ein Verein zu werden. Bei der Klärung der Gemeinnützigkeit beanstandete das Finanzamt, dass der Steuerberater der Kolpingsfamilie den Erlös aus dem Christkindlmarkt nicht als wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb angegeben hatte.

Das wollte die Kolpingsfamilie klären und schaltete eine Anwältin ein. Schließlich ist der Unterföhringer Christkindlmarkt nicht vergleichbar mit einem klassischen Christkindlmarkt oder einem Basar, den ein gemeinnütziger Verein veranstaltet, um Geld zu erwirtschaften. Die Alt-Papier-Sammlung oder der Erwachsenen-Kleider-Basar, die der Aufbesserung der Vereinskasse dienen, führt die Kolpingsfamilie als wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb und zahlt Umsatzsteuer. Nicht aber den Christkindlmarkt, schließlich fließen die Einnahmen ja nicht ins Vereinsvermögen.

Unverständnis zeigt Bürgermeister Andreas Kemmelmeyer (PWU) für die Haltung des Finanzamts. „Das kann nicht sein“, schimpfte der Rathauschef beim Neujahrsempfang des Pfarrgemeinderats. „Hier wird das Ehrenamt mit Füßen getreten.“

Marktleiter prophezeit: „Fürchte, dass bald alle Vereine betroffen sind“

Vereinssprecher Stefan Ganser ist besorgt, dass auch von anderen Unterföhringer Vereinen, die beim Christkindlmarkt mitmachen, die Umsatzsteuer eingefordert wird – und auch andernorts in Bayern diese Praxis greift. „Das wird sich fortsetzen. Ich befürchte, dass bald alle Vereine dran sind“, prophezeit Ganser. Selbst wenn der Vorgang rechtlich gesichert sein sollte, werde der menschliche Aspekt ignoriert: „Es geht um einen karitativen Zweck und die Anerkennung des Ehrenamtes.“ Gemeinsam mit dem Unterföhringer Bürgermeister will er das Thema in der Staatskanzlei klären. „Der Unterföhringer Christkindlmarkt ist eine einzigartige Institution. Wir lassen ihn uns nicht von Paragrafenreitern kaputt machen“, sagte Kemmelmeyer, „hier ist der Freistaat gefordert.“

Florian Schorner, Pressesprecher des Bayerischen Landesamtes für Steuern, verweist auf das Steuergeheimnis und erklärt, dass es keine Einfluss auf die Steuerpflicht habe, wofür steuerbegünstigte Vereine etwaige Gewinne aus wirtschaftlichen Geschäftsbetrieben verwenden.

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