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Auf diesem Grundstück an der Münchner Straße/ Ecke Birkenstraße sollen 22 Wohnungen entstehen.

An der Münchner Straße/ Ecke Birkenstraße

Anwohner fürchten Luxus-Wohnklotz: Gemeinde stellt sich gegen Landratsamt

  • Charlotte Borst
    VonCharlotte Borst
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Eine Immobilienfirma plant, in Unterföhring 22 Luxuswohnungen zu errichten. Der Bauausschuss lehnte die Pläne nun erneut ab – gegen den Willen des Landratsamts.

Unterföhring – Erneut hat Unterföhring 22 Eigentumswohnungen eine Absage erteilt und damit einer Anweisung des Landratsamtes widersprochen. Die Aufsichtsbehörde hält das geplante Mehrfamilienhaus an der Münchner Straße/ Ecke Birkenstraße nämlich für genehmigungsfähig. Dem Unterföhringer Bauausschuss ist es aber nach wie vor zu wuchtig. Und auch die Anwohner sehen angesichts der massiven Bebauung rot.

Wohnungen für 640 000 bis zu einer Million Euro

Die Firma RS Wohnbau GmbH plant 22 Luxuswohnungen zum Preis von 640 000 Euro bis hin zu fast einer Million Euro sowie eine Tiefgarage auf dem Grundstück, auf dem bisher das Firmengebäude der „Videocation“ steht. Schon im Juli hatte der Bauausschuss den Neubau abgelehnt. Statt kleiner zu planen, ging der Investor direkt zum Landratsamt – und bekam Recht. Bürgermeister Andreas Kemmelmeyer (PWU) zitierte aus dem Schreiben der Aufsichtsbehörde: Der Neubau würde sich in die Bebauung der Umgebung einpassen. Das Landratsamt hat kein Problem mit dem Projekt und fordert die Gemeinde auf, die Pläne endlich abzusegnen. Andernfalls droht es damit, sich über die Ablehnung hinwegzusetzen gemäß Artikel 67 Absatz 1 der Bayerischen Bauordnung.

Schlafzimmer zum Biergarten

Die Unterföhringer fügen sich aber nicht: „Wieso werden wir überhaupt gefragt, wenn unsere Meinung dann doch keine Rolle spielt“, fragte Thomas Weingärtner (SPD) in der Sitzung. Den Unterföhringern ist das Projekt viel zu massiv, die umliegende Bebauung, vor allem an der schmalen Birkenstraße, sei wesentlich kleinteiliger.

Auslöser des Streits: Das Mehrfamilienhaus ist den Unterföhringern zu massiv. Das Landratsamt will, dass es genehmigt wird. Der Bauausschuss lehnt erneut ab.

Die Gemeinderäte blieben einstimmig bei ihrer Ablehnung. Das Projekt sei städtebaulich und verkehrstechnisch problematisch, sagte Kemmelmeyer, der die Dimensionen für zu wuchtig hält. Die Nordseite würde zum benachbarten Wirtshaus weisen. Schlaf- und Aufenthaltsräume und die Stellplätze würden Richtung Biergarten liegen. Der Schall- und Blendschutz wäre nicht berücksichtigt. Andersrum will der Bauherr sein Müllhäuschen an der Nordseite aufstellen. Das könnte die Nasen der Biergartenbesucher stören. Problematisch sei auch die Zufahrt zur Tiefgarage, weil dafür die Bushaltestelle an der Münchner Straße versetzt werden müsste.

Höhe und Abstand zur Nachbarbebauung müssten nachgemessen und kontrolliert werden, fordert Manfred Axenbeck (CSU). Thomas Weingärtner (SPD) hadert mit der engen Nachbarschaft zur Gaststätte: „Wir sollten alle Mittel ausschöpfen, Einfluss zu nehmen, damit nicht die Schlafräume auf der Seite des Biergartens sind.“

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Dass der Investor damit wirbt, dass die Kinderbetreuung im Ort kostenlos ist und die Käufer daher ruhig etwas mehr zahlen könnten, entsetzt Philipp Schwarz (SPD): „Ich bin wirklich kein linker Robin Hood, aber da schwillt mir der Kamm.“ Auch der Bürgermeister hält dies Argument für „gefährlich“, „weil sich das auch einmal ändern kann.“ Grünen-Gemeinderätin Gisela Fischer schämt sich für ihren Berufsstand: „Manche Architekten reizen ein Grundstück bis zum Letzten aus.“ Bei den Preisen sollte man hochwertigere Architektur und mehr Wohnqualität erwarten. Ob die Unterföhringer mit ihrem Widerstand durchkommen, ist ungewiss. Das Landratsamt könnte den Bau dennoch durchdrücken.

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