Die ersten Bänder montierten in den Isarauen (v.l.) Bürgermeister Andreas Kemmelmeyer, Kathrin Schulte-Wien, Claudia Leitner und Daniela Sundmacher.
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Die ersten Bänder montierten in den Isarauen (v.l.) Bürgermeister Andreas Kemmelmeyer, Kathrin Schulte-Wien, Claudia Leitner und Daniela Sundmacher.

Gelbe Bänder

Bitte bedienen: An diesen Bäumen kann man in Unterföhring kostenlos Obst pflücken

  • VonAndreas Sachse
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Gelbe Bänder kennzeichnen in Unterföhring ab sofort die Bäume, an denen man Obst pflücken darf. Also: Bitte bedienen!

Unterföhring – Zwetschge oder Birne? Welches Obst darf’s sein? Nach einer kurzen Phase der Besinnung eilt Bürgermeister Andreas Kemmelmeyer (PWU) zum nächsten Zwetschgenbaum, schiebt sich eine Frucht in den Mund, lacht und sagt: „Das ist eine ganz wichtige Aktion!“

Mit dem bürgermeisterlichen Zwetschgenbiss am Schlittenberg hat Unterföhring sich gestern dem bundesweit bekannten „Gelben Band“ angeschlossen. Eine Aktion im Sinne der Nachhaltigkeit, die Obst- und Nussbäume im öffentlichen Raum für den privaten Genuss freigibt. Auf Initiative des Föhringer Gartenbauvereins, unterstützt vom „Netzwerk Zukunft UnterFAIRing“, setzte Kemmelmeyer am Schlittenberg den Startschuss.

70 Bäume markiert

Etwa 70 Bäume werden in den kommenden Tagen auf öffentlichem Grund mit einem gelben Band geschmückt. Derart gekennzeichnete Kirsch-, Birnen-, Apfel- und Walnussbäume dürfen nicht nur abgeerntet werden. An Ästen und Zweigen erreichbare und am Boden liegende Früchte sollen sogar unbedingt gegessen werden.

„Eine großartige Aktion“, findet Bürgermeister Kemmelmeyer: „So werden Ressourcen der Natur allen zugänglich gemacht und das auch noch kostenlos.“ Wie Claudia Leitner vom Gartenbauverein mitteilt, laden die Gartler und „Zukunft UnterFAIRing“ demnächst zu einer Radtour ein, um den Teilnehmern alle Bäume zu zeigen. Für den privaten Genuss freigegebene erhalten ein gelbes Band. „Die Leute erfahren, wie sie mit den Früchten am besten umgehen sollten.“ Einkochen oder Versaften? Nicht jedes Obst eignet sich gleich zum Verzehr; zumindest nicht in Unmengen. Auch darf nicht jeder Baum auf öffentlichem Grund abgeerntet werden. Geburtsbäume etwa, Lebensbäume zur Geburt, begleiten einen Menschen ein Leben lang. Fällt die Haselnusstorte oder der Traubenkirschkuchen zum Geburtstag aus, fließen womöglich Tränen. Grundbesitzer sind eingeladen, sich an der Aktion zu beteiligen. Der ein oder andere Privatmann scheut vielleicht die mühsame Ernte. Dem Bauhof jedenfalls bleibt das Aufsammeln von Fallobst erspart. Ein „positiver Nebeneffekt“, wie Kemmelmeyer meint.

„Handstraußregel“

Mit dem „Gelben Band“ legitimiert die Gemeinde die im Volksmund überlieferte „Handstraußregel“: Wilde Blumen, Kräuter, Pilze, Obst und Nüsse auf offenem Grund dürfen für den persönlichen Bedarf in geringen Mengen pfleglich entnommen werden. Aber: „Wir wollen keine kommerzielle Nutzung“, betont Reinhild Mertens von „Zukunft UnterFAIRing“: „Bäume dürfen nicht beschädigt werden.“

Der mit dem „Gelben Band“ verbundene Gedanke der Nachhaltigkeit sagt dem Bürgermeister zu. „Es macht doch keinen Sinn, Obst verkommen zu lassen“, ergänzt Kemmelmeyer, der die Aktion wahrscheinlich mit Absicht am Schlittenberg startete. Während seiner ersten Amtszeit entschied der Gemeinderat 2015, ein paar Obstbäume auf die Wiese in den Isarauen zu setzen. Nicht jeder damals war einverstanden. Der Bürgermeister erinnert an Debatten in der Nachbarschaft: „Es gab erhebliche Bedenken!“ Anwohner sahen von wütenden Bienen umlagerte Kinder in verfaultes Obst steigen. „Mich hat’s als Kind auch erwischt“, erzählt Kemmelmeyer: „Das macht man doch aber nur ein Mal; dann ist gut.“ Er sei heute froh, dass am Schlittenberg echtes Obst und keine Zierbäume gepflanzt wurde, ergänzt der Bürgermeister, verknotet das erste gelbe Band um den dürren Stamm der Zwetschge und schließt damit den Bogen zu seinen Anfängen.

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