Der Verein Familien-Haus e.V. bei seiner Gründung im Juni 2019.
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Der Verein Familien-Haus e.V. bei seiner Gründung im Restaurant Politeia im Bürgerhaus im Juni 2019.

Eltern enttäuscht über Entscheidung

„Brauchen wir so etwas?“ Gemeinde unterstützt Pläne für Familienzentrum nicht

  • Charlotte Borst
    vonCharlotte Borst
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Alles werben für ein Familienzentrum hilft nichts: Die Gemeinde unterstützt die Pläne des Unterföhringer Famlien-Haus-Vereins nicht. Hier erklärt der Bürgermeister wieso.

Unterföhring – Dass für ein Familienzentrum kein Platz in Unterföhring sein soll, können viele Familien nicht nachvollziehen. Mitglieder des Vereins Familien-Haus reagieren enttäuscht und entrüstet. Eine Mutter schreibt in einem Kommentar auf merkur.de, dass sie das Familienzentrum als „tolle und hilfreiche Institution“ empfinde. Die Entscheidung, dass es in einer so kinderreichen Gemeinde nicht als unterstützenswert anerkannt wird, erlebe sie als „Schlag ins Gesicht“. Eine Leserin fragt sich, warum das Angebot, ein Familienzentrum im Ort aufzubauen, nicht dankbar angenommen werde: „Es kann meines Erachtens nicht am Geld liegen und erst Recht nicht daran, dass es keinen Bedarf gibt. Woran liegt es also dann?“

Eltern haben 2017 den Familien-Haus e.V. gegründet. Sie wollen über den Trägerverein ein Familienzentrum aufbauen, zuvor hatten die evangelische Kirche und die Nachbarschaftshilfe (NBH) die Trägerschaft abgelehnt. Seither verfolgt der Trägerverein „Familien-Haus e.V.“ das Ziel, ein Familienzentrum in Unterföhring zu etablieren. Ein offenes Café soll ein niedrigschwelliges Angebot sein, hier könnten Eltern und Großeltern, Jung und Alt vorbeikommen, andere Menschen in gleicher Situation kennenlernen und Kontakte für sich und ihre Familie aufbauen. Inzwischen hat der Verein 236 Mitglieder und großen Zulauf bei Veranstaltungen, die mal im kleinen Saal der Bibliothek, im Feringahaus oder im Kinderpark der NBH stattfinden. Einen Büroraum hat die Gemeinde in der Pfarrvilla zur Verfügung gestellt. Einmalig hat Bürgermeister Andreas Kemmelmeyer (PWU) einen Zuschuss von 4800 Euro gewährt. Ob Unterföhring Räume für ein Familienzentrum bereitstellen soll, wurde bisher im Gemeinderat noch nicht öffentlich diskutiert.

„Wir würden alles nehmen, was wir kriegen können“

Das Landratsamt sieht den Bedarf und würde die Personalkosten mit 50 Prozent bezuschussen, wie in Familienzentren in Haar, Ismaning und Unterschleißheim. Bisher fehlt aber ein geeigneter Raum, dabei ist Vorsitzende Tanja Gernet nicht wählerisch: „Wir würden alles nehmen, was wir kriegen können. Wir könnten uns auch Räume mit anderen teilen.“

Im Gespräch mit Bürgermeister Kemmelmeyer und Sachgebietsleiterin Andrea Mahner stellt der Rathauschef klar: „Am Geld liegt es nicht, Räume haben wir aber mittelfristig nicht.“ Für ein Familienzentrum sehe man aktuell keinen Bedarf. „Brauchen wir so etwas?“, fragt Kemmelmeyer: „Wir machen schon viel.“ Das Spektrum reiche vom Kinderpark der NBH, über die Krippen und Kindergärten, Mittagsbetreuung, offenem Ganztage, Jugendfarm und Jugendzentrum. „Wenn das Familienzentrum Angebote für werdende oder junge Eltern und Babys macht, sind wir dankbar.“

„Wir bezeichnen uns als familienfreundlich“

Zwischen den Zeilen wird aber deutlich, dass der Verein zu fordernd, zu ungeduldig sei. Mahner betont: „Wir bezeichnen uns als familienfreundlich und sind es auch, weil schon früh die Weichen gestellt wurden. Wir sind schon gut aufgestellt.“ Intern sei in der Verwaltung noch einiges verändert worden, ihr Sachgebiet, das sich bisher vor allem um die Seniorenarbeit kümmerte, heißt jetzt „Familie, Bildung, Soziales“: „Das drückt aus, was alles inhaltlich für Familien und Senioren unter einen Hut gebracht wird.“ Mahner weist auf bestehende Vereinsstrukturen hin: „Wir haben Vereine, die vorzügliche Arbeit leisten. Das Familienhaus ist einer dieser Vereine, es gibt aber auch andere, mit denen wir gut zusammenarbeiten.“

Kemmelmeyer lässt die Möglichkeit offen, dass die Verwaltung selbst ein Familienzentrum aufbaut, mit Personen ihrer Wahl: „Wenn wir auf die Idee kommen sollten, unsere Verwaltungs-, Vereins- oder Bevölkerungsstruktur braucht ein Familienzentrum, das wir selbst führen oder in die Hände anderer oder eines Trägers legen, wird man sehen.“ Man sei im Austausch mit dem Familienzentrum in Unterschleißheim und mit dem Landratsamt.

Braucht es nach Gutdünken des Rathauses dann die engagierten Eltern gar nicht, die das Familienzentrum aufbauen wollen? Der Verein hat angekündigt, aufgrund fehlender Perspektive eine Entscheidung bezüglich seiner Zukunft zu treffen.

Lesen Sie auch: Insgesamt 479 Millionen Euro gibt die Gemeinde Unterföhring in den kommenden Jahren aus. Trotz corona-gebeutelter Finanzen. Möglich machen das die (noch) üppigen Rücklagen.

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