Pionierprojekt: Der Markt von Co-Geschäftsführer Daniel Honner ist der erste Deutschlands der auf Vertical Farming setzt.
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Pionierprojekt: Der Markt von Co-Geschäftsführer Daniel Honner ist der erste Deutschlands der auf Vertical Farming setzt.

Von Japan nach Unterföhring

Das Gewächshaus im Supermarkt: Dieser Edeka baut Salat und Kräuter selbst an

  • VonAndreas Sachse
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Das ist in Deutschland einmalig: Der neue Edeka in Unterföhring baut Salat und Kräuter selber an. Wir haben uns den Growth Tower mal angeschaut.

Unterföhring – Vom Samenkorn zum Salatkopf, der Kunde konsumiert, was er im Supermarkt wachsen sieht. Der neue Edeka in Unterföhring ist deutschlandweit der erste Supermarkt, der auf ein Produkt setzt, das im Begriff ist durchzustarten: „Vertical Farming“ erfüllt Standards der Nachhaltigkeit. Bis zu 360 Salatköpfe lassen sich dort in einem 80-Quadratmeter-Gewächshaus im Supermarkt täglich auf 80 Quadratmetern ernten. Dazu 17 verschiedene Kräuter.

Im gläsernen Gewächshaus, dem „Growth Tower“, reift das Grünzeugs vor dem Auge des Kunden auf vier Etagen ohne Pestizide heran. Der Wasserverbrauch ist gegenüber herkömmlichem Feldanbau laut Angaben von Edeka um 95 Prozent reduziert. Keine Transportwege, kein unnützer Flächenverbrauch. Daniel Honner (35), einer von drei Geschäftsführern beim „Edeka Stadler + Honner“ in Unterföhring, strahlt: „Wir ernten alle 25 Tage. Ein Landwirt zwei Mal im Jahr.“

„Die Kunden sind neugierig“

„Vertical Farming“ ist angetreten, den Bio-Markt aufzumischen. Wie Honner dem Münchner Merkur erläuterte, genügen die Produkte Bio-Qualität. „Nur weil sie nicht draußen in der Erde wachsen, dürfen wir sie nicht als Bio deklarieren.“ Kunden jedenfalls sind längst auf das seit März laufende Projekt aufmerksam geworden. Der „Growth Tower“ ist ein echter Blickfang. „Die Kunden sind neugierig, wollen wissen, was wir da anbieten.“ Berührungsängste, so Honner, hat keiner. Im Gegenteil: Der volle Geschmack, die gute Qualität würden sich durchsetzen. „Die Zahl der Leute, die sich nach einem Probekauf wieder bedienen, steigt stetig an.“

„Vertical Farming“ ist eine Bewegung aus Asien, die sich nach den USA und dem Nahen Osten demnächst in Europa etablieren könnte. Der Edeka in Unterföhring ist sogar weltweit der erste Supermarkt, der das Gewächshaus in den Laden holt, so Honner, und den Kunden am Werden des Produkts teilhaben lässt. Im Topf gekauft, wird der Salat daheim nach Bedarf geerntet. Der Rest wächst weiter. Die atomare Katastrophe von Fukushima hat „Vertical Farming“ gepusht. Kein Japaner wollte mehr Salat von draußen essen. Dazu der Trend aus fernöstlichen Megastädten, wo sich Wohnen, Einkaufen und Produktion, das Leben überhaupt, immer mehr in der Vertikalen abspielt – und schon begann die neue Bewegung zu boomen.

Auf vier Etagen wachsen die Salate und Kräuter im „Growth Tower“.

Eines Tages landete Honners Vater Hans-Jürgen beim Zappen in einer TV-Dokumentation über „Vertical Farming“ in Japan. „Er kam gleich zu mir rüber.“ Vater und Sohn Honner leben Haus an Haus: „Sohn, das macht Sinn!“ In Asien setze man auf Masse. Honner erzählt von einer „Vertical Farming“-Fabrik, in der Salate statt auf vier, auf wahrscheinlich sogar 40 Ebenen gezogen werden. „Ökonomisch macht das Sinn.“ Nachhaltigkeit sei es auch. Das Projekt ist für Honner Herzensangelegenheit: „Wir wollen zeigen, was in Sachen Nachhaltigkeit geht und dabei Spitzenergebnisse erzielen.“ In „&ever“, dem im Mittleren Osten und Asien engagierten Schöpfer des „Growth Tower“, der sich seit 2015 mit alternativen Anbauformen befasst, hat er einen Partner gefunden, der technische Kenntnisse einbringt sowie Wissen über Wachstumsprozesse. Die „&ever GmbH“ ist dieser Tage von „Kalera“ übernommen worden, einem der weltweit größten, Aktien-notierten Unternehmen der Branche aus Norwegen.

Weitere Nachrichte aus Unterföhring und dem Landkreis München finden Sie hier.

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