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Großprojekte: Der Bau des Sportcampus mit Hallenbad (oben l.), der Neubau der Gaststätte „Gockl“ (oben r.), der Schulcampus (unten r.) und die Sanierung des Sportzentrums.

Rekord-Haushalt

Allianz und ProSiebenSat.1 machen Mega-Investitionen in Unterföhring möglich

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Unterföhring investiert in den nächsten vier Jahren rund 293 Millionen aus den Reserven für Bauprojekte.

Unterföhring – „Wir investieren massiv, nachhaltig und weitsichtig“, sagte Bürgermeister Andreas Kemmelmeyer (Parteifreie Wählergemeinschaft Unterföhring PWU). Einschränkungen brauchen die Bürger der kinderreichsten Gemeinde im Landkreis deswegen aber nicht zu fürchten: Kindergärten, Krippen und Hort nutzen Unterföhrings Familien weiterhin gratis.

Dank des enormen Geldpolsters von 441,7 Millionen Euro werden am Ende der vierjährigen Investitionsphase im Jahr 2021 immer noch 148 Millionen Euro auf den Konten der Medien- und Versicherungsgemeinde liegen. „Wir können beruhigt und zuversichtlich unsere Vorhaben angehen“, sagte Kemmelmeyer am Donnerstag in seiner Haushaltsrede, „und die Großprojekte ohne Kreditaufnahme umsetzen“.

Haushalt auf Augenhöhe mit weitaus größerer Stadt Landshut

293,7 Millionen Euro wird die Kommune aus eigenen Mitteln investieren: Das größte Vorhaben ist der Schulcampus mit Gymnasium, Grundschule und Hort (149 Millionen). Weitere Großbaustellen sind der Sportpark mit Hallenbad, der Neubau der Traditionsgaststätte „Gockl“ im historischen Stil, die Erweiterung der Kläranlage und der Neubau der VHS mit integrierter Musikschule. Zudem werden die Fernwärmeleitungen der Geothermie-Zentrale ausgebaut, zwei Tiefgaragen im Gewerbegebiet errichtet und 20 Mietwohnungen am Germanenweg realisiert. Das sind allerdings nur einige der großen Vorhaben: Im Finanzplan für die kommenden vier Jahren sind 53 Projekte aufgelistet.

Unterföhring stellt 2018 mit 293,61 Millionen Euro einen Rekordhaushalt auf, der in etwa dem Haushaltsvolumen bayerischer Städte mit einer Bevölkerungszahl zwischen 50 000 und 100 000 Einwohnern entspricht. „Das liegt aber daran, dass Unterföhring so viel investiert“, erklärt Kämmerer Andreas Kleebauer. Zum Vergleich: Die Stadt Landshut hat einen Haushalt von 313 Millionen Euro – in der Regierungshauptstadt von Niederbayern leben allerdings rund 70 000 Menschen, in Unterföhring sind es 11 500 Einwohner.

Sprudelnde Gewerbesteuern machen es möglich

Möglich ist all das vor allem dank sprudelnder Gewerbesteuern: 2018 will das Rathaus 85 Millionen kassieren, was vorsichtig kalkuliert ist. 2017 überwiesen die Betriebe – vom kleinen Einzelhandel bis zu den beiden Dax-Konzernen Allianz Deutschland AG und ProsiebenSat1 – 15 Millionen Euro mehr.

Wie aber wird das Rathauspersonal all diese Projekte in vier Jahren abarbeiten? „Das wird die Verwaltung erheblich beanspruchen“, sagte Thomas Weingärtner (SPD). Um die Mitarbeiter zu halten und neue anzulocken, zahlt Unterföhring seit einem Jahr einen übertariflichen Bonus. Mit 9,06 Millionen Euro sind die Personalkosten daher vergleichsweise hoch.

Trotz des enormen Finanzbedarfs bleibt Unterföhring schuldenfrei, allerdings muss Kämmerer Andreas Kleebauer tief in die Rücklagen greifen und 293,7 Millionen locker machen.

Die finanzstarke Gemeinde unterstützt nicht nur ihre 56 Vereine, sondern zeigt auch eine mildtätige Seite: Für Notleidende in Haiti und Somalia hat Unterföhring ansehnliche Summen gespendet. Auch ihrer italienischen Partnergemeinde Tarcento helfen die Unterföhringer jetzt mit einer Million Euro. Das hat der Gemeinderat einstimmig beschlossen. Im Friaul haben Stürme und Unwetter die öffentlichen Gebäude stark in Mitleidenschaft gezogen, es fallen Sanierungskosten von sechs Millionen Euro an.

Viel Lob erhielt der Kämmerer: Als „solide und sehr geordnet“ bezeichnete der Bürgermeister die Kassenlage. „Mehr Sicherheit als 148 Millionen Euro Rücklagen kann ich als Kommune nicht einbauen“, sagte Josef Ebert (CSU). Thomas Weingärtner (SPD) kritisierte, dass die Mittel für Wohnungsbau zu „dürftig“ seien. Manuel Prieler (PWU) konterte: Weitere Wohnbauprojekte „sind an den Stimmen der SPD gescheitert“. Am Ende stimmten alle Fraktionen dem Haushalt 2018 und dem Finanzplan bis 2021 zu.

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