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Kreis-SPD im Konflikt mit Unterföhringer Genossen

Veto gegen großes Gymnasium

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Was ist richtig: Große Schulen für 1500 Schüler bauen? Oder besser kleine Schulhäuser mit familiärer Atmosphäre? Für beide Seiten gibt es Argumente. Im Falle des geplanten Unterföhringer Schulcampus befindet sich die SPD jetzt in einem Konflikt.

Unterföhring – Als bei der Jahreshauptversammlung der Unterföhringer SPD am Donnerstag im Hackerbräu die Rede auf das viel diskutierte Gymnasium kommt, das nun für 1500 Schüler ausgelegt wird, passiert etwas, das keiner geplant hat. Die stellvertretende Landrätin Annett Ganssmüller-Maluche steht auf und legt ihr Veto ein: „Da sehe ich einen kleinen Konflikt.“

Ganssmüller-Maluche: „Wir werden dem nicht zustimmen.“

Zum Hintergrund: Eine Mehrheit aus CSU, SPD und Grüne hatte vor zwei Wochen gegen Bürgermeister Andreas Kemmelmeyer und seine PWU eine fünfzügige Schule für 1500 Schüler durchgesetzt. Geplant war bis dahin ein vierzügiges Gymnasium, ausgelegt für 1000 Schüler.

Nun steht jedoch noch die Entscheidung im Kreistag aus, schließlich sitzt der Landkreis als Partner beim Schulbau mit im Boot. „Wir werden dem nicht so zustimmen“, kündigte die SPD-Kreisrätin an: „Das ist für uns eine schwierige Situation, denn wir wollen ja nicht den Konflikt mit euch.“

Genau auf diese Situation hatte Bürgermeister Kemmelmeyer die Unterföhringer SPD zwar schon hingewiesen. Trotzdem stimmte diese geschlossen für die größere Schule. Ganssmüller-Maluche erklärte ihren Genossen, warum sich die Kreis-SPD vehement für kleine Schulen einsetzt, unterstützt wurde sie von Ingrid Lenz-Aktas, Sprecherin der SPD-Kreisfraktion.

„Wir halten eine ruhigere Atmosphäre in der heutigen Zeit für wichtig“, sagte Ganssmüller-Maluche. Ihr sei klar, dass das „ein Optimum“ sei. Angesichts des Zuwachses in der Region werde jede Schule, die für 1000 Kinder konzipiert sei, am Ende 200 bis 300 Schüler mehr haben: „Denn München fehlt es massiv an Schulen.“ Sie warnte: „Wenn Unterföhring für 1500 Schüler baut, dann bekommt ihr 1700, das ist sicher. Ihr seid nur eine S-Bahnstation von der Stadt entfernt.“

Sie empfiehlt den Unterföhringern, niedrige Zahlen anzusetzen, „um den Druck aus München nicht doppelt zu erhöhen“, da ja das Ministerium den staatlichen Gymnasien jederzeit Schüler zuweisen kann. Gerade die reiche Gemeinde Unterföhring mit Geldrücklagen von 490 Millionen Euro plant einen Campus mit großzügigen Klassenzimmern und Rückzugsräumen – da könnte man viele Schüler unterbringen.

Weingärtner: In größerer Schule lässt sich G9 besser unterbringen

Natürlich wisse sie auch, sagte Ganssmüller-Maluche, „dass die Direktoren gerne für große Schulen kämpfen, um ein breites Wahlangebot zu haben.“ So kann die Schulleitung einen sprachlichen sowie einen naturwissenschaftlichen Zweig sicherstellen.

Dieses Argument hatte im Gemeinderat auch Unterföhrings Zweite Bürgermeisterin Betina Mäusel (CSU) vorgebracht, die selbst stellvertretende Schulleiterin eines Gymnasiums ist. Ganssmüller-Maluche sieht es anders: „Wichtiger als Wahlmöglichkeiten ist eine Schule, in der man sich noch kennt.“ Doch der SPD-Ortsvorsitzende und Gemeinderat Thomas Weingärtner erwiderte: In der größeren Schule könne man das G9 besser unterbringen.

In seinem Rückblick kritisierte der SPD-Chef, der an diesem Abend einstimmig wiedergewählt wurde, scharf den Bürgermeister: „Die Gemeinde befindet sich wie im Kaufrausch. Wir bestellen Projekt um Projekt, ohne Maß und Ziel. Die letzten Tage haben mich kaum schlafen lassen.“

Weingärtner: „Ich sorge mich um die Zukunft der Gemeinde.“

Der Schulcampus mit Gymnasium, Grundschule, Vierfachsporthalle und Hort wird 138 Millionen Euro kosten, das hatte der Bauausschuss zwei Tage zuvor einstimmig gebilligt (wir berichteten). „Der zukunftsweisende Schulcampus ist das Geld wert“, sagte Weingärtner, aber: „Wenn wir jetzt noch beschließen, für rund 200 Millionen die Münchner Straße zu untertunneln, wären unsere Rücklagen aufgebraucht.“ Der Bürgermeister sage zu selten „Nein“, er trage die Hauptverantwortung, „wenn die Dinge allmählich aus dem Ruder laufen“. Er warnte unter Beifall: „Ich sorge mich um die Zukunft der Gemeinde. Unterföhring braucht eine starke SPD.“

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