„Die Arbeit mit dem Kulturamt, den Künstlern und der Gemeinde war wunderbar“, Emanuel Kugiumutzis. F: Gefö
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„Die Arbeit mit dem Kulturamt, den Künstlern und der Gemeinde war wunderbar“, Emanuel Kugiumutzis.

Am 31. Dezember ist das „Politia“ Geschichte

Kult-Wirt im Bürgerhaus sperrt zu - Gemeinde sucht Nachfolger

  • Charlotte Borst
    vonCharlotte Borst
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Der zweite Lockdown ist das Ende für das „Politia“. Wird Emanuel Kugiumutzis sperrt sein Lokal Endes des Jahres zu. Die Gemeinde Unterföhring sucht nun einen neuen Pächter.

Unterföhring – Wer das „Politia“ in Unterföhring betritt, darf sich auf eine prompte, freundliche Begrüßung verlassen. Die herzliche und besonnene Art von Emanuel Kugiumutzis haben die Unterföhringer geschätzt, ebenso seine Kochkunst, den guten Wein und das elegante Ambiente. Nach zehn Jahren verabschiedet er sich schweren Herzens aus Unterföhring. Das „Politia“ schließt zum 31. Dezember.

Er ist an der Münchner Straße 65 der Wirt der ersten Stunde. Vor zehn Jahren zog er mit der Eröffnung des Bürgerhauses ein. „Politia“ hat der gebürtige Kreter sein Restaurant getauft, was „Zusammenkunft der Bürger“ heißt. Der Name passt zum Bürgerhaus, das in zehn Jahren der Treffpunkt der Unterföhringer geworden ist. Doch Corona hat die „Zusammenkünfte der Bürger“ im vergangenen Jahr unterbunden. Eine Veranstaltung nach der anderen wurde abgesagt, das hat dem Gastronom die Perspektive genommen.

„Ich fühle mich hier sehr wohl“

Kugiumutzis war fest eingebunden ins Bürgerhaus-Team. Er bewirtete die Gäste bei den Veranstaltungen der Gemeinde, ob Kulturabend oder Bürgerversammlung. Er richtete Buffets für Hochzeiten aus und bot Catering bei Firmenevents an. Die Mittelmeerküche stand auf seiner Speisekarte im Mittelpunkt, sein Team kochte aber am Puls der Zeit und überraschte die Gäste mit neuen Ideen. Höhepunkte waren die Silvesterfeste, Vereinsessen und Wirtschaftsempfänge mit bis zu 600 Personen.

„Ich fühle mich hier sehr wohl“, sagt der Gastronom. „Ich habe viel erlebt und gemeinsam mit dem Kulturamt viel gemeistert. Auch vom Landratsamt habe kamen oft Aufträge, darauf bin ich sehr stolz gewesen.“

„Take Away war nicht ausreichend“

Seit März steht der Kulturbetrieb still, die Vereinsabende an der Kegelbahn, die Jahreshauptversammlungen, die Empfänge der Gemeinde – alles ist abgesagt. „Das wenige, was wir mit Take Away einnehmen, war nicht ausreichend“, sagt Kugiumutzis. Sein Vertrag wäre bis Mitte 2021 gelaufen.

Als im Herbst erneut die Kulturveranstaltungen und auch der Silvesterball abgesagt wurden, zog er die Reißleine. Kugiumutzis beantragte, vorzeitig aus dem Vertrag aussteigen zu dürfen, dem stimmte der Gemeinderat zu. Man hat Verständnis für seine Lage, und lässt ihn doch ungern ziehen. „Er ist ein aufrichtiger Gastronom und ein pfundiger Kerl“, sagt Bürgermeister Kemmelmeyer.

Ab Frühjahr ein neuer Pächter?

Seit bekannt ist, dass der Politia-Wirt zusperrt, rufen viele Leute an oder schreiben ihm Nachrichten, „sie bedanken sich und drücken ihr Bedauern aus.“ Der 64-Jährige will sich noch lange nicht zur Ruhe setzen. Sein zweites Standbein, das Restaurant „Minoa“ in Neubiberg, betreibt er weiter, sein Team findet dort Arbeit, und an Ruhestand denkt er noch lange nicht: „Wir Gastronomen brauchen die Gäste und die Arbeit.“

Die Gemeinde sucht ab Frühjahr wieder einen Pächter. Und wer weiß, vielleicht gibt es eine Fortsetzung für das Politia. „Wenn Corona besiegt ist, würde ich gerne zurückkehren“, sagt Kugiumutzis, „die Arbeit mit dem Kulturamt, den Künstlern und der Gemeinde war wunderbar.“

Über alle Entwicklungen rund um das Coronavirus im Landkreis München informieren wir in unserem News-Ticker.

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