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Das Fezi wird auf einen Rutsch saniert.

Wegen der Corona-Krise

Neue Finanzlage: Fezi wird saniert, Rugy-Club muss warten

  • Charlotte Borst
    vonCharlotte Borst
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Die Steuereinnahmen brechen weg, da muss auch Unterföhring aufs Geld schauen. Über einige Vorhaben haben die Gemeinderäte daher nochmals beratschlagt.

Unterföhring – Neue Projekte wie den Sportpark inklusive Hallenbad geht Unterföhring in Zukunft bedachter an. Der Gemeinderat wird vorsichtig haushalten, je nach Finanzlage Geld freigeben und bei der Realisierung nötigenfalls eine Pause einlegen.

Das Jugendzentrum Fezi steht aber nicht auf dem Prüfstand. Der Gemeinderat will das Gebäude an der Jahnstraße in 15 Monaten in einem Rutsch für 4,7 Millionen Euro sanieren. Die Ausschreibungen laufen. Jetzt hat der Gemeinderat einstimmig weitere 617 000 Euro für die Außenanlagen beschlossen. Die Café-Erweiterung wird weitere 300 000 Euro kosten.

Gespräch mit Vertretern des Rugbyclubs und des FCU geplant

Zurückhaltend reagierten die Gemeinderatsmitglieder aber am selben Abend auf einen Wunsch des Rugby-Vereins. Der Club hatte im April zwei neue Umkleide-Container und einen Büro-Container beantragt, die auf dem Trainingsgelände am Etzweg aufgestellt werden sollten.

Die Zahl der Mitglieder ist in vier Jahren von 30 auf 230 gestiegen. Derzeit bieten zwei Umkleidecontainer auf Platz für 50 Spieler. Beim Training seien es oft 75 Spieler, dazu kämen hin und wieder Fußballspieler des FCU, heißt es von Seiten des Vereins. Doch vorerst müsse sich der Rugbyclub „arrangieren“, sagte Bürgermeister Andreas Kemmelmeyer (PWU). Fundamente müssten gelegt, Strom-, Wasser- und Abwasserleitungen gezogen werden, alles in allem gehe es um Kosten von 80 000 Euro. Einstimmig beschloss der Gemeinderat, den Antrag bis auf Weiteres wegen der unklaren Finanzlage zurückzustellen und im nächsten Jahr erneut zu beraten. Ein Gespräch mit Vertretern des Rugbyclubs und des FCU wird einberufen.

Kämmerer: Schnelle Einsparmöglichkeiten gibt es nicht

Wegen der Coronakrise bleiben die Gewerbesteuereinnahmen in Unterföhring weit hinter den Erwartungen. Das bringt die Gemeinde in die schwierige Situation, dass sie derzeit mehr Geld ausgibt, als sie einnimmt. Kämmerer Robert Beckerbauer erläuterte: „Der Verwaltungshaushalt kann derzeit nicht ausgeglichen werden, was nur in Ausnahmefällen passieren darf.“ Schnelle Einsparmöglichkeiten gibt es nicht: Bei den Fixkosten für Personal und Gebäude kann Unterföhring nicht kurzfristig sparen, auch die vielen laufenden Baustellen können nicht kurzfristig gestoppt werden.

70 Millionen Euro Gewerbesteuereinnahmen hatte die Gemeinde für 2020 vorsichtig eingeplant. Die Erwartungen stiegen im April sogar auf 92 Millionen. Im Mai verfinsterte die Corona-Krise die Aussichten: Viele Unternehmen beantragten wegen Umsatz- oder Auftragsrückgängen, dass Vorauszahlungen reduziert oder gar auf Null gesetzt wurden. Momentan rechnet Unterföhring „nur“ mit 51,5 Millionen Gewerbesteuern.

Weniger Einnahmen, doch Bauvorhaben liefen weiter

Auch im Vorjahr konnte weniger als geplant vereinnahmt werden: Statt 90 Millionen Euro waren es 59,7 Millionen Gewerbesteuer. Die Bauprojekte liefen aber weiter: VHS-Musikschule, Schulcampus, die Tiefgarage an der Jahnstraße, das Parkhaus an der Dieselstraße, die Aufzüge für die Mietshäuser an der Fichtenstraße und 19 neue Wohnungen am Germanenweg. „Das sind die größten Brocken“, sagte Bürgermeister Kemmelmeyer und betonte, „doch obwohl wir Einbußen haben, geht es uns gut.“ Die Rücklagen sind weiterhin hoch und bieten mit 286,5 Millionen Euro ein beruhigendes Polster. Dazu kommen 25 Millionen aus dem Darlehen, das Unterföhring dem Zweckverband für das Gymnasium Garching noch gewährt. Ein Nachtragshaushalt soll im November aufgestellt werden.

Welche Erleichterung das Corona-Konjunkturpaket für die Kommunen bringt, mit dem der Bund Gemeinden vor dem finanziellen Kollaps retten soll, sei noch unklar, sagte Kemmelmeyer: „Wir haben keine Scham, Hilfe zu beantragen, sobald Formulare da sind. Es wäre wohl die falsche Führungsmannschaft im Rathaus, wenn wir das nicht probieren würden.“

Lesen Sie auch: Mohr im Gemeindewappen: Tradition oder Rassismus?

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