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Die grauen Gebäude entstehen auf Flächen der Gemeinde. Die Familie Vaitl-Gloo plant in ihrem Areal zwei- bis fünfstöckige Gebäude, 1: Ärztehaus mit Palliativstation, Betreutem Wohnen und Bankfiliae; 2, 3, 4: Wohnen oder Gewerbe; 5: Hotel mit Gastronomie und Biergarten oder Büros.

Die Gemeinde hat aber noch einen Funken Hoffnung

„Das war‘s“: Eigentümer beerdigt Pläne für neue Ortsmitte - Das sind die Gründe

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Die Planungen für die neue Ortsmitte in Unterföhring sind gescheitert. Die Eigentümerfamilie hat ihre Drohung wahr gemacht und ist aus dem Prozess ausgestiegen. Das ist der Grund.

Unterföhring – Wolfram Vaitl-Gloo zieht seine Pläne für die Unterföhringer Ortsmitte zurück. „Das war’s“, sagte er gestern dem Münchner Merkur. Diesen Schritt hatte er angekündigt und nun wahr gemacht.

Vaitl-Gloo hatte konkrete Ideen: Die Unterföhringer Eigentümerfamilie plante auf ihrem Grundstück am Bahnhof ein Ärztehaus mit Palliativstation und Betreutem Wohnen, Wohnungen, ein Hotel mit Biergarten an der Föhringer Allee – wobei das Comfort Hotel samt Gaststätte hier eine neue Adresse hätte finden können. Dazwischen sollten große, autofreie Grünflächen entstehen.

Unterföhrings Ortsmitte: Eigentümer hat keine Lust auf planerisches Tauziehen

Diese Pläne legte Vaitl-Gloo gestern verärgert ad acta. Schon nach der jüngsten Bauausschusssitzung hatte er angekündigt abzuspringen, wenn seine Pläne nicht vor der Sommerpause grundsätzlich genehmigt würden. Daraufhin hatte Bürgermeister Andreas Kemmelmeyer (PWU) den Antrag zur Aufstellung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplans am Donnerstag doch noch auf der Tagesordnung gesetzt.

Die Sitzung hatte Vaitl-Gloo in den Zuhörerreihen verfolgt. Anschließend zog er seine Konsequenz. Er informierte die Unterföhringer Kommunalpolitiker noch in der Nacht, dass er aus dem Planungsprozess ausgestiegen sei. In seinen Augen hat der Gemeinderat ihm und seinem Architekten immer neue Hürden errichtet. Auf ein weiteres Tauziehen will sich der Unterföhringer nicht einlassen. Die bestehenden Industriehallen – nicht gerade eine Zierde für die neue Ortsmitte– will er neu vermieten.

Unterföhrings Ortsmitte: Sobon als Knackpunkt

Grund für seinen Absprung sind neue Bedingungen, die die CSU am Donnerstag zur Sprache gebracht hatte. So forderten Betina Mäusel und Marianne Rader, dass Vaitl-Gloo den Richtlinien der Sozialgerechten Bodennutzung (Sobon) zustimmen müsse. Diese sehen vor, dass der Eigentümer eines Grundstücks, auf dem Baurecht entsteht, zum Beispiel eine bestimmte Zahl an Sozialwohnungen errichtet oder der Gemeinde einen Fläche zum Kauf anbietet.

Lesen Sie auch:So sollte Unterföhrings Ortsmitte ausschauen

Während viele Gemeinderatsmitglieder anfangs Gefallen an Vaitl-Gloos Plänen zeigten, ist der Gemeinderat inzwischen gespalten, wozu das neu aufgebrachte Thema Sobon zusätzlich beitrug.

Nur Bürgermeister Kemmelmeyer und die PWU hatten von Anfang an in Vaitl-Gloos Plänen eine Chance gesehen. Johann Zehetmair (PWU) warb um Zustimmung „für etwas, was für Unterföhring einen Gewinn bringt“. Kemmelmeyer schlug in der Sitzung einen zustimmenden Beschluss vor, der allerdings keine Mehrheit gefunden hätte. Denn Mäusel beharrte auf einer Überprüfung, ob die Sobon anzuwenden ist: „Das Thema Sobon können wir nicht nach Gutsherrenart mal anwenden und mal nicht. Diesen Schritt müssen wir noch gehen“, appellierte sie. Die SPD sieht viel Positives, wünscht sich aber noch mehr Abstimmung, damit Vaitl-Gloos Privatgrund mit dem Gemeindeareal eine Ortsmitte aus einem Guss ergeben.

Unterföhrings Ortsmitte: „Ich hoffe, dass die Tür noch nicht ganz zu ist.“

Die Grünen lehnen Vaitl-Gloos Vorschläge ab und wollen auf dessen 15 000 Quadratmetern den Siegerentwurf des Büros Hirner und Riehl umgesetzt sehen. „Es steht die Angst im Raum, dass der Bauwerber für tausend Jahre seine Hallen stehen lässt“, sagte Johannes Mecke (Grüne). Er glaube nicht, dass diese Drohung wahr werde.

Auf Initiative von Manuel Prieler (PWU) wurde die Sitzung unterbrochen und ein Kompromiss gesucht: Der Gemeinderat stimmte mit 21:3 Vaitl-Gloos Antrag zu, vorausgesetzt er unterschreibt, dass er die Sobon erfüllt, falls sie zum Tragen kommt. Für die Geduld des Eigentümers war das wohl eine Bedingung zu viel. Kemmelmeyer sagte gestern: „Ich hoffe, dass die Tür noch nicht ganz zu ist.“

icb

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