Fühlen sich im Wasser wohl: die Schwimmschüler des Füchtlings-Schwimmkurses.

Angebot des Helferkreises

Schwimmkurs für Flüchtlinge: Verein für Ehrenamtspreis nominiert

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Viele Flüchtlinge können nicht schwimmen. Der Schwimmverein Unterföhring hat deshalb einen Sonderkurs gestartet - mit Erfolg trotz kultureller Unterschiede.

Unterföhring – Immer wieder mussten in diesem Sommer Nichtschwimmer, oftmals Geflüchtete, aus den bayerischen Seen gerettet werden. Erst vor wenigen Wochen rettete die Wasserwacht am Feringasee in Unterföhring mehrere Mitglieder einer Großfamilie. Dass solche Unglücke in Zukunft weniger werden, dazu will der Schwimmverein Unterföhring beitragen. Der Verein bringt Geflüchteten das Schwimmen bei – ist dafür jetzt sogar für eine Auszeichnung nominiert.

Jeden Montag und Mittwoch herrscht Hochbetrieb im Lehrschwimmbecken des Ismaninger Hallenbads. Erwachsene Schwimmschüler springen ins Wasser, schwimmen und lachen. „Wir haben viel Spaß“, sagt Kursleiterin Elisabeth Rupprecht (55) über die Kurse mit den Geflüchteten. Die Vorsitzende des 1. Schwimmvereins Unterföhring ist ausgebildete Schwimmlehrerin und leitet seit Januar die Stunden mit Flüchtlingen. Etwa 30 junge Männer, größtenteils Syrer und Afghanen unter 30 Jahren, treffen sich regelmäßig. Sie alle eint, dass sie schwimmen lernen wollen.

Fünf Flüchtlinge haben schon das Bronze-Abzeichen

Das klappt richtig gut, berichtet Rupprecht. Fünf Flüchtlinge hätten bereits das bronzene Schwimmabzeichen erworben, fünf weitere stünden kurz davor. Um dieses Abzeichen zu bekommen, müssen sie 200 Meter am Stück schwimmen. Ohne die richtige Technik sei das gar nicht so einfach. Dann sei das Schwimmen viel anstrengender. Die Technik zu vermitteln, ist für Rupprecht allerdings schwierig. Aufgrund der Herkunft ihrer Schüler und der daraus resultierenden kulturellen Unterschiede, darf sie die jungen Männer nicht anfassen. „Das macht es schwer, zu korrigieren.“ Mit Worten und Gesten versucht sie, Fehler zu verbessern. Die Korrekturen im Wasser übernehmen die beiden männlichen Kursleiter, Wolfgang Schwaiger und Helmut Kraus.

Die perfekte Ausführung steht im Ismaninger Hallenbad allerdings gar nicht so sehr im Vordergrund. Es geht vielmehr darum, den jungen Männern die Angst vor dem Schwimmen zu nehmen. „Viele hatten in ihrer Heimat keinen Kontakt zum Wasser“, sagt Rupprecht. In Syrien oder Afghanistan sei es nicht üblich, schwimmen zu gehen. Deshalb können sich viele junge Geflüchtete nicht selbstständig über Wasser halten.

In den Übungsstunden setzt die Sozialpädagogin zu Beginn auf eine spielerischen Herangehensweise. Wie im Kinder-Schwimmkurs spielen die Teilnehmer etwa zunächst mit einem Ball am Beckenrand. „Manchmal hechten sie nach dem Ball und fliegen ins Wasser. Dann merken sie: Das ist gar nicht so schlimm“, sagt Rupprecht.

Die einen sind Naturtalente, bei anderen gibt es Nachholbedarf

Erst, wenn sich die Flüchtlinge ohne Zögern ins Becken trauen, kann Rupprecht mit den technischen Aspekten des Schwimmens beginnen. Dann gilt es, die Mischung aus Brust-Armzug und Kraul-Beinschlag dem entsprechenden Stil anzupassen. „Einer unserer Schüler schwimmt rückwärts, wenn er nur den Beinzug macht“, sagt die Schwimmlehrerin und lacht. Als „Naturtalent“ hebt sie Jafar Ahmadi heraus. Der Afghane sei ein sehr guter Schwimmer, spreche gut Deutsch und helfe ihr mittlerweile als Unterstützungstrainer. „Das verringert die Sprachbarriere zwischen uns Lehrern und den Schülern merklich.“

Die Idee, Flüchtlingen das Schwimmen beizubringen, hatte der Helferkreis Unterföhring, der auch die 80 Euro für zehn Schwimmstunden übernimmt. Der Schwimmverein wollte eigentlich einen Kurs für Erwachsene anbieten, die sich im Wasser nicht mehr sicher fühlen. Die Resonanz der Unterföhringer war jedoch gering. Da war es für Elisabeth Rupprecht selbstverständlich, den Helferkreis zu unterstützen. Gleich zum ersten Termin kamen 30 Teilnehmer. Der Kurs gehört laut Rupprecht zu den beliebtesten. Probleme, etwa, weil die Lehrerin einen Badeanzug trägt, gibt es „absolut nicht“.

Für das Engagement hat der Sportkreis München- Land den Schwimmverein Unterföhring für den Ehrenamtspreis des Sportkreises Oberbayern nominiert. Über diese Anerkennung freut sich Rupprecht. „Selbst, falls wir bei der Verleihung am 22. September nur applaudieren.“ 

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