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Stehen füreinander ein: Die Burschen solidarisieren sich mit ihrem Freund, der auf einem Fest wegen seiner Hautfarbe zusammengeschlagen wurde.

„Rassismus ist immer noch zu groß“

Prügel-Attacke auf dunkelhäutiges Mitglied: Jetzt meldet sich der Burschenverein zu Wort

  • Laura Forster
    vonLaura Forster
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Eines ihrer Mitglieder ist tätlich angegriffen und rassistisch beleidigt worden - nur wegen seiner Hautfarbe. Nun meldet sich der Burschenverein Unterföhring mit einer klaren Botschaft zu Wort.

Unterföhring – Zu fünft haben sie auf ihn eingeschlagen. Während eines Festes ist ein Mitglied des Burschenvereins Unterföhring auf den Boden verprügelt worden – wegen seiner Hautfarbe. Deshalb haben sich die Burschen dazu entschieden, in den Sozialen Medien ein Zeichen gegen Rassismus zu setzen.

„Auf dem Land ist es noch so, dass Ausländer die Unterschicht sind und auch so behandelt werden“, sagt Christoph Axenbeck, Vorsitzender des Burschenvereins Unterföhring. Im Verein, der 2012 gegründet wurde, haben etwa zehn der 80 Mitglieder einen Migrationshintergrund. Ein relativ hoher Anteil. „Ich bin mir sicher, dass es Burschenvereine gibt, die so etwas nicht unterstützen“, sagt Axenbeck. Der Burschenverein wäre in vielen Köpfen noch eine typisch bayerische Tradition. Doch die Unterföhringer sind für jeden offen.

„Hoffe, wir haben ein paar Leute zum Nachdenken gebracht“

Für sie war schon immer selbstverständlich, alle Menschen gleich und ohne Vorurteile zu behandeln, schreibt der Verein auf seiner Facebook-Seite. Doch leider mussten die Burschen bei diversen Veranstaltungen beobachten, dass das nicht überall der Fall ist. Zusätzlich zur Prügel-Attacke ist das Mitglied, erzählt der Vereinsvorsitzende, „auch als Neger beschimpft worden“. Der Betroffene ist hier geboren und aufgewachsen, nur das Herkunftsland seiner Eltern – Angola – unterscheidet ihn von den anderen Unterföhringern. „Der Rassismus hier im Landkreis ist immer noch zu groß“, sagt Axenbeck.

Auf das Statement, das der Burschenverein auf Instagram und Facebook geteilt hat, haben die Männer durchweg positives Feedback bekommen. Fast 100 Usern gefällt der Post. „Auch andere Burschenvereine finden die Aktion stark“, sagt der Vorsitzende. „Ich hoffe, wir haben ein paar Leute zum Nachdenken gebracht.“

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