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So eng kommen die Sänger zurzeit nicht zusammen, wie beim Konzert zum 100-jährigen Bestehen des MVG Unterföhring vor einem Jahr.

Rainer Wiedemann organisiert „Singen dahoam“

Gesangsnachrichten vom Chorleiter

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Gemeinsam proben geht nicht, aber der Unterföhringer Chorleiter Rainer Wiedemann hält mit Gesangsnachrichten Kontakt zu den Sängern des Männergesangsvereins.

Unterföhring–  Jede Woche dienstags bekommen 28 Unterföhringer Männer eine Nachricht. Bei den einen landet eine E-Mail im Postfach, bei den anderen ploppt auf dem Smartphone eine WhatsApp-Sprachnachricht auf. Absender ist Chorleiter Rainer Wiedeman. Für seinen Männergesangverein (MGV) singt der Unterföhringer jede Woche Lieder ein und verschickt je nach Stimmlage die passende Version: fünf Mal erster Tenor, fünf Mal zweiter Tenor, neun Mal erster Bass, neun Mal zweiter Bass.

Wiedemann hat für den Männerchor ein „Singen dahoam“ organisiert, ähnlich dem „Homeoffice“. „Man kann das gut nachsingen“, erzählt Mitgleid Johann Wolfertstetter (70), der es „großartig“ findet, dass sein Chorleiter dank Internet virtuelle Lektionen schickt.

„Wenn ich Chorleiter bin, darf ich nicht nachlassen.“

Dass er mit dem Chor zurzeit nicht proben kann und die Umstände kein Treffen zulassen, schmerzt Rainer Wiedemann sehr, trotzdem will er für die Sänger da sein: „Ich muss sie bei Laune und in Übung halten. Wenn ich Chorleiter bin, darf ich nicht nachlassen.“ Denn wenn die Männer über Monate nichts von ihm hörten, fragten sie sich doch vielleicht nach einem halben Jahr, „wenn wir dann vielleicht wieder gemeinsam proben dürfen, warum soll ich da eigentlich wieder hingehen?“

Sänger wollen in Verbindung bleiben

Eine Gesangsnachricht enthält zwei Lieder. „Ein Traum vom Glück“ oder „Springt da Hirsch“ hat Wiedemann diesmal verschickt, samt Notenblatt zum Mitlesen und mit Playback zum Anhören, Üben und Mitsingen.

Hält Kontakt: Rainer Wiedemann bei der Aufnahme der Lieder, die er am Klavier begleitet und dann verschickt.

Seine Klavierbegleitung nimmt der 76-Jährige auf und spielt sie per Bluetooth-Box beim Singen zu. Wiedemann ist ein Vollblutmusiker, und technisch sehr versiert. Der pensionierte Musiklehrer, der auch Horn spielt, steht seit 50 Jahren an der Spitze des Unterföhringer Männerchors. Alle Sänger verfügen zuhause über Internet, einem der Herren schickt der Chorleiter eine CD zu, auf die er die jeweilige Lektion aufgenommen hat.

Die Familie hört zu beim Singen

Neben der Übung geht es Wiedemann auch um den Zusammenhalt im Verein. Denn der ist bei den Sängern groß. Sie kommen seit vielen Jahren dienstags im Keller der Grundschule zum Singen, Ratschen und Essen zusammengekommen. Und das soll so bleiben. „Wir sind kein Projektchor, der auf eine Aufführung hinarbeitet und dann wieder auseinandergeht“, sagt Vorsitzender Franz Solfrank, „wir sind ein Verein. Da muss man in so einer Krise den Kontakt pflegen.“ Franz Solfrank (58) hat das Singen im „Homeoffice“ vorgeschlagen. Den Ablauf und Inhalt entwickelte Chorleiter Wiedmann, und der kann dem „Singen dahoam“ sogar einen guten Aspekt abgewinnen: „Die Familien sind beim Üben dabei und hören die Lieder, vielleicht bekommt ein Sohn oder Enkel Lust, auch mal bei uns mitzusingen.“

Die Resonanz ist gut. Die Sänger machen vom Übungsangebot gern Gebrauch, berichtet Johann Wolfertstetter, „aber natürlich vermisse ich die Geselligkeit und freue mich auf den Tag, wenn der Chor gemeinsam singt.“

Rainer Wiedemann sieht mit Zuversicht dem zweiten Halbjahr entgegen. „Wenn wir dann normal proben und unser Repertoire auffrischen können, holen wir verschiedene Auftritte nach und planen neue.“ Er hofft, dass der MGV im November wieder eine Messe zum Volkstrauertag begleiten darf und ist überzeugt, dass man spätestens zum Unterföhringer Adventssingen auch wieder die Zuhörer erfreuen kann.

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