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Wurde erst 2010 hergerichtet: Das alte Bahnwärterhaus aus dem Jahr 1909 gegenüber dem S-Bahnhof. 

Ortschronist entsetzt der Abriss des Bahnwärterhauses

„Unterföhring reißt seine Geschichte ab“

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Beim Spatenstich für das neue Ortszentrum haben ortskundige Unterföhringer gestutzt: Erst jetzt wurde deutlich, dass das etwa 100 Jahre alte Bahnwärterhaus am S-Bahnhof abgerissen wird. Dabei ist es vor Kurzem erst hergerichtet worden.

Unterföhring – Ortschronist Heinrich Caesar Frey ist empört: „Unterföhring reißt seine Geschichte ab“, sagt er. Er kann sich lebhaft an den Bahnwärter erinnern, der Fahrkarten verkaufte, abzwickte und die Schranken betätigte. Ab 1909 gab es den Bahnhof: „Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass dieses Gebäude wegkommen soll. Es gehört zum Herzen Unterföhrings.“

Aber nicht mehr lange: Das Gelände gegenüber dem S-Bahnhof, auf dem sich auch eine integrative Kindertagesstätte befindet, wird zum neuen Ortszentrum. Das einstige Bahnwärterhaus, das auch „Zindlerhaus“ genannt wird, weil dort zuletzt die Familie Zindler wohnte, liegt inmitten von drei wertvollen Grundstücken der Gemeinde.

Die will der Gemeinderat für Infrastruktur ausnutzen. Die Entscheidung fiel sang- und klanglos. „Es gab keine große Diskussion“, sagt PWU-Fraktionssprecher Manuel Prieler, „wir waren darüber auch verwundert.“

Das war 2008 anders: Damals hatte die PWU den Abriss des Gebäudes beantragt und eine große Debatte ausgelöst. Franz Schwarz (SPD), der damals Bürgermeister war, stellte sich schützend vor das Haus und konnte es mit den Stimmen von SPD und CSU erhalten. Bis 2010 wurde das Bahnwärterhäusl für einen laut Schwarz „geringen sechsstelligen Betrag“ hergerichtet: Zwei Künstlerinnen zogen in die beiden Ateliers im ersten Stock. Im Erdgeschoss betreibt die Caritas eine Palliativ-Beratungsstelle.

Altbürgermeister Schwarz hat erst am Freitag realisiert, dass die Tage des „Kleinods“ gezählt sind: Beim Spatenstich für die neue Ortsmitte lag im Festzelt der Bebauungsplan aus. Für Schwarz geht es um „das Herz Unterföhrings. So viele alte Häuser haben wir nicht mehr.“ Gerade die Gemeinde habe die Möglichkeit, etwas Schönes und Historisches zu bewahren. „Mit etwas Fantasie hätte man das alte Gebäude in den Neubau integrieren können. Dann wäre zum Beispiel die Kindergartenverwaltung im Altbau eingezogen.“

Hier die Bewahrer – dort die Beseitiger. Ein Politikum? Eigentlich ja. Nicht aber für den Gemeinderat, der hat den Abriss diesmal einstimmig beschlossen und besiegelt: Im Ja zur Ortsmitte war der Abriss des Bahnwärterhäuschens – wenn auch unausgesprochen – inbegriffen. „Es ist ein altes Gebäude, das eine Geschichte hat, aber es ist nicht denkmalgeschützt“, sagt Bürgermeister Andreas Kemmelmeyer (PWU). Es sei schwierig, „das Große ums Kleine zu planen“, deshalb habe er schon 2008 als Fraktionssprecher der PWU, den „unpopulären Abriss-Antrag“ gestellt. Dass es heute so komme, begrüße er keinesfalls aus Kalkül oder Rechthaberei, betont er. Der Architekt habe dazu geraten: „Erst hatten wir überlegt, die Kindertagesstätte im Gebäude des neuen Rathauses unterzubringen.“ Eine eingezäunte Spielfläche hätte aber zum Mittelpunkt eines urbanen Zentrums nicht gepasst. Auch die Idee eines Ensembles aus Altbau und Neubau sei verworfen worden: „Dann hätten wir einen Aufzug gebraucht“, was nicht ins integrative Konzept passe. Ateliers und Beratungsstelle sollen an anderer Stelle unterkommen, verspricht Kemmelmeyer: „Wir werden eine Lösung finden.“

Für den PWU-Fraktionsvorsitzenden Manuel Prieler ist das Bahnwärterhaus damals wie heute eine „Hütte“: „Unser Seelenheil hing nie an dem Zindlerhaus. Es ist kein erhaltenswertes Gebäude.“ Das Gelände, auf dem es steht, sei für die Kinderbetreuungseinrichtung die einzige Option. Auch kein Freund des Objekts ist Johannes Mecke (Grüne), der lieber auf der wertvollen Fläche „etwas Vernünftiges“ machen will: „Mit dem kleinen Gebäude würden wir zu viel Platz verschwenden“, sagt er, „deswegen bin ich einverstanden, dass es wegkommt“.

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