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Symbolbild

Unerwarteter Fraktionswechsel

Grüne vergraulen Häufelkönigin

  • Charlotte Borst
    VonCharlotte Borst
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Die erstarkte Fraktion der Unterföhringer Grünen erlebt vier Wochen nach der Gemeinderatswahl ein politisches Erdbeben. Ihre junge Häufelkönigin Saran Diané wechselt das Lager.

Unterföhring –  Saran Diané  schließt sich noch vor der konstituierenden Sitzung am 14. Mai der SPD an.

Die 18-Jährige, die das jüngste Mitglied des neuen Gemeinderats ist, handelt dabei nicht Hals über Kopf, auch wenn ihr Schritt ungewöhnlich und unerwartet ist. Die Abiturientin hat ihn sich in den vergangenen 14 Tagen gut überlegt. „Es gab viele Beweggründe“, sagt Diané.

Saran Diané verstärkt die SPD-Fraktion.

„Ursprünglich bin ich angetreten, weil ich die Grünen auf Bundesebene unterstützen wollte.“ Zu den Vertretern der Grünen im Ort sei es aber schon im Wahlkampf zu einer gewisse Distanzierung gekommen. „Ich wollte aber trotzdem die Parteilinie unterstützen.“

„Rabiat angegangen“

Die Wähler häufelten sie von Platz neun auf Platz drei vor. Diané weiß, dass sie nicht nur unter den jungen progressiven Bürgern Wähler hat, sondern auch unter den konservativeren. Sie engagiert sich in vielen Vereinen und ist in der katholischen Kirche aktiv. Doch trotz ihrer hilfreichen Sympathiewerte kam es am 30. März zum Zerwürfnis bei einem Treffen mit Gisela Fischer, die seit sechs Jahren mit Ehepartner Johannes Mecke die Fraktion der Grünen bildet. Hintergrund war laut Diané, dass die PWU als stärkste Fraktion vorgeschlagen hatte, Mecke gemeinsam zum Dritten Bürgermeister zu wählen. 

„Das hat meinem Demokratieverständnis widersprochen. Ich hätte es richtig gefunden, das Amt Philipp Schwarz anzubieten, das würde dem Wählerwillen entsprechen.“ Schließlich hatte Schwarz (SPD) 1532 Stimmen erhalten und damit weit mehr als Mecke (333 Stimmen). Daraufhin habe Fischer sie „rabiat angegangen“ mit den Worten „es geht darum, unsere Ziele durchzusetzen, nicht um Demokratie“, Diané könne doch gleich die Fraktion wechseln.

„Das Gespräch hat etwas mit mir gemacht,“ sagt Diané, „so kann man nicht zusammenarbeiten. Ich habe lange nachgedacht und mich entschieden, die Fraktion zu wechseln.“ Auch auf ihre Vorschläge, den abgelehnten Grünen-Antrag für ein Urban-Gardening-Projekt zu verbessern, sei „überhaupt nicht eingegangen worden“.

Saran Diané will Klärung vor der konstituierenden Sitzung

Sie vollzieht den Fraktionswechsel nun bewusst vor der konstituierenden Sitzung, „später, wenn die Ausschusssitze verteilt sind, wäre alles nur komplizierter“, sagt sie und betont: „Die Kommunalwahl ist eine Persönlichkeitswahl, jeder Gemeinderat ist nur seinem Gewissen verpflichtet.“ Philipp Schwarz hat sie mit offenen Armen aufgenommen und ihren Einsatz für Umweltthemen bei der SPD willkommen geheißen. „Ich stehe voll hinter ihr.“ Sie verstärkt die SPD-Fraktion auf sieben Sitze.

Weder Fischer noch Fraktionssprecher Mecke waren vor Redaktionsschluss zu einer Stellungnahme bereit.  Bürgermeister Andreas Kemmelmeyer (PWU) kündigte gestern an, „wir werden die Sache rechtlich prüfen“.  

Lesen Sie auch die Ergebnisse der Gemeinderatswahl 2020 in Unterföhring.

Und: Die Aufstellungsversammlung der Grünen in Unterföhring

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