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„Man darf doch die Menschlichkeit nicht vergessen“: Gartler Franz Mauritz (76) hofft, dass am Ende nicht nur Paragrafen über die Zukunft der Gartenanlage im „Moos“ bei Unterföhring entscheiden.

Schwarzbau: Gartler müssen räumen

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Seit Jahren und Jahrzehnten gibt es im „Moos“ in Unterföhring ein kleines Gartler-Paradies. Das soll jetzt verschwinden. Die Begründung ist einigermaßen kurios.

UnterföhringEndlos weite Wiesen, gesäumt von Haselnusssträuchern und Weiden. Die Frühlingssonne strahlt auf alte, gepflegte Apfelbäume und noch winterkahle Beeren- und Rosenbüsche. Das „Moos“ in Unterföhring ist ein Paradies – aber offenbar nicht mehr lange. Die Familien, die dort zum Teil schon 50 Jahre ihre kleinen Grundstücke liebevoll bepflanzen, müssen ihre Gärten räumen. Der Vorwurf: Schwarzbau!

Franz Mauritz (76) aus Aubing ist einer der Grundbesitzer. „Ich habe die Wiese von meinen Eltern geerbt. Sie waren Heimatvertriebene. Für die Generation war es wichtig, ein Stück Land zu haben, auf dem man sich zur Not selbst versorgen kann.“ Schon immer sei das karge „Moos“ zwischen Unterföhring und Aschheim im Münchner Norden eine Region gewesen, wo sich „kleine Leute“ niederließen, erzählt der Gerichtsvollzieher in Rente. 26 Leute erwarben vor etwa 50 Jahren die kleinen Parzellen. „Sie pflanzten dort für ihre Familien, setzten Obstbäume, bauten Zäune und fanden das stille Glück des eigenen Gartens.“ Richtig gewohnt hat hier nie jemand, größere Bauten als Gartenhäuserl zum Lagern von Spaten und Co. oder einen kleinen Hühnerstall gibt es nicht. „Wir haben die Gemeinde nie auch nur einen Cent gekostet. Wir wollten immer Ruhe und Frieden.“

Doch heuer im Januar kommt plötzlich ein Schreiben vom Landratsamt München: Die Einzäunung der Grundstücke sei „formell illegal und auch materiell rechtswidrig“, da der Grund laut Flächennutzungsplan als „Fläche für die Landwirtschaft“ gelte. Durch Zaun und Gartenhäuserl werde die „natürliche Eigenart der Landschaft“ beeinträchtigt, und die „Verunstaltung des Orts- und Landschaftsbildes“ sei „nicht von der Hand zu weisen“. Das Landratsamt fordert, die „Bauten“ zu beseitigen, ansonsten übernehme dies das Amt – „kostenpflichtig und zwangsgeldbewehrt“.

Die Grundbesitzer sind erschrocken und empört. Mauritz: „Diese Schreiben sind unmenschlich! Ein Nachbar ist 92, eine Nachbarin 82, sie hat schon zwei Herzinfarkte hinter sich. Sie können sich vorstellen, was so ein Brief bei ihnen auslöst.“

Unterföhrings Bürgermeister Andreas Kemmelmeyer (51, PWU) sagt, er verstehe, dass die Grundstückseigentümer entrüstet sind. „Aber der Außenbereich ist nun einmal ein sensibles Thema.“ Jagdpächter hatten die Gemeinde darauf hingewiesen, dass Rehe wegen der Zäune nicht ungehindert wandern könnten. Dann hatte das Landratsamt die „Bebauung“ rechtlich geprüft und Verstöße gegen die Bauordnung festgestellt.

Grundsätzlich sei die Gemeinde daran gebunden, Vorgaben des Landratsamts einzuhalten, sagte Kemmelmeyer: „Mir liegt es ja auch fern, gleich die große Keule zu schwingen und mit der Planierraupe anzurücken.“ Die Gemeinde hat nun alle Betroffenen zur Sitzung des Bauausschusses eingeladen, wo das Thema besprochen werden soll. Franz Mauritz hofft, dass nicht nur kalte Paragrafen gelten, und dass es für die geliebten Gärten einen Bestandschutz geben wird. „Man darf die Menschlichkeit nicht vergessen!“

Die Bauausschusssitzung

findet heute Abend statt. Beginn ist um 19.30 Uhr im Sitzungssaal des Rathauses.

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