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Gute Miene zum guten Programm: Ausverkauft war das Bürgerhaus auch diesmal.

Starkbierfest der CSU

Pfarrer Pschorr begrüßt die Gäste im „neuen Feststadl“

Unterföhring -  Was für ein Kulturschock muss das für die Unterföhringer Asylbewerber gewesen sein, die sich im Bürgerhaus vorsichtig in Richtung Tanzfläche vorgetraut hatten: Dirndl in verschiedensten Farben, Lederhosen, alles in einer schmusenden, tanzenden Masse verschmolzen – dazu spielten die „Wuidara Pistols“ auf der Bühne den ACDC-Song „You shook me all Night long“.

So sieht Starkbierzeit in Bayern aus. Davon mussten sie natürlich Handyfotos machen. Bereits zum 30. Mal hatte die Unterföhringer CSU zum Starkbierfest geladen. Die Anfänge waren noch im damaligen „Tele-Hotel“, später ging’s in die Gemeindehalle, seit einigen Jahren füllt die Veranstaltung das Bürgerhaus. Ausverkauft war sie auch heuer wieder. Und wie es sich für ein zünftiges Starkbierfest gehört, wird nicht nur Bier aus-, sondern den Lokalpolitikern auch eingeschenkt. Der CSU-Bundestagsabgeordnete Florian Hahn bemerkte scherzhaft in Bezug zur Kritik nach der Nockherbergrede von „Mama Bavaria“: „Wir sind in der CSU gerade etwas empfindlich, und hier richten wir selbst ein Derblecken aus.“ Der ehrwürdige Pfarrer Pschorr, dargestellt von Donat Aigner, begrüßte die Gäste dann erstmal im „neuen Feststadl“, nur um dann festzustellen: „Ah, das ist ja doch der altbekannte Palazzo Prozzo von König Franz, dem Ersten.“ 

Eine Spitze gegen Altbürgermeister Franz Schwarz (SPD) für das, in den Augen vieler, überdimensionierte Bürgerhaus, zugleich aber auch Kritik am aktuellen Bürgermeister Andreas Kemmelmeyer (Parteifreie Wählerschaft Unterföhring), dessen Wahlversprechen, einen Feststadl zu bauen, wegen Personalmangels im Rathaus momentan wenig Aussicht auf Umsetzung hat. Auch die Feindschaft mit dem Nachbarort Ismaning fand Einzug in die Rede der Figur des ehemaligen Pfarrers, der zwischen 1923 und 1956 in Unterföhring wirkte: Im Hinblick auf die fast gleichzeitigen Planungen für ein Gymnasium in beiden Gemeinden, sagte Pschorr: „Jetzt zeigen wir den Ismaningern, wie man ein Gymnasium baut.“ Im Jahr 2060 sei die Unterföhringer Schule noch top in Schuss, während „deren Telekomzentrum längst zusammengebrochen ist.“ 

Und auch die Unterföhringer Parteien bekamen ihre Schelte ab. Der SPD, die den Haushalt im Jahr 2015 noch abgelehnt hatte, 2016 aber wieder zustimmte, attestierte Pfarrer Pschorr: „Ihr wolltet’s auch mal wieder bei denen sein, die was beschließen.“ Für die Zweite Bürgermeisterin und CSU-Ortsvorsitzende Betina Mäusel hatte er sogar einen Reim parat: „Sie tut keine Spitze irgendwohin setzen, sie wartet drauf, dass sich die Anderen bei der nächsten Wahl selbst zerfetzen.“ Beim Steinheben durfte der 22-jährige Markus Wolf nach seinem dritten Sieg in Folge den Florian-Hahn-Pokal endgültig mit nach Hause nehmen. Er hatte die 256 Kilo 42 Zentimeter hoch gezogen. Sicher war er sich im Vorfeld nicht: „Man weiß nie, wer kommt.“ Aber er sei fitter gewesen als im Vorjahr: „Ich habe mir das schon zugetraut.“ Beim Maßkrugstemmen der Frauen gewann – ja, wie ebenfalls schon 2015 – Brigitte Schnabel in 2:57 Minuten. Bei den Männern – und das zum ersten Mal – gewann Alfred Volner in 9:20 Minuten. Dagegen hatte niemand eine Chance, auch nicht die beiden Asylbewerber, die ebenfalls teilgenommen hatten. Eine etwas andere Form der Integration. Was sie zuhause wohl über die bayerische Starkbierzeit erzählen mögen?

Benedict Witzenberger

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