Die Stadtwerke München wollen die GuD3-Anlage ab 2022 neben dem Steinkohlekraftwerk im Block 2 errichten. Die Kohleverbrennung soll dann durch Gasverbrennung ersetzt werden. Die Regierung prüft die Pläne.
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Die Stadtwerke München wollen die GuD3-Anlage ab 2022 neben dem Steinkohlekraftwerk im Block 2 errichten. Die Kohleverbrennung soll dann durch Gasverbrennung ersetzt werden. Die Regierung prüft die Pläne.

Ismaning unterstützt Unterföhring im Widerstand

Streit um neues Gaskraftwerk befeuert: SWM wollen umstrittene Anlage ab 2022 bauen

  • Charlotte Borst
    vonCharlotte Borst
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Die Unterföhringer bekommen Unterstützung im Kampf gegen das neue Gaskraftwerk. Die Hilfe kommt zur rechten Zeit, denn die Stadtwerke wollen ab 2022 bauen.

Unterföhring/ Ismaning – Gegen den Widerstand der Gemeinde Unterföhring haben die Stadtwerke München (SWM) entschieden, in Unterföhring ein sogenanntes Gas- und Dampfturbinenkraftwerk (GuD) zu bauen. Das könnte effizient Strom und Wärme für das Münchner und bayerische Fernwärmenetz erzeugen. Es soll den kohlebetriebenen Block 2 im Heizkraftwerk Nord in Unterföhring ersetzen. Die Münchner hatten sich 2017 per Bürgerentscheid für dessen Abschaltung entschieden. Die SWM wollen die GuD3-Anlage schon ab 2022 bauen und 2026/27 in Betrieb nehmen.

Die nächsten Schritte

Die SWM haben die Regierung von Oberbayern, die die Genehmigungsbehörde für eine GuD3-Anlage ist, im Oktober um ein Scoping-Verfahren für die Umweltverträglichkeitsprüfung gebeten. Dabei wird der Untersuchungsrahmen festgelegt und den SWM übermittelt, welche Gutachten und Unterlagen erforderlich sind. Die Regierung hat daraufhin die Träger öffentlicher Belange am 15. November aufgefordert, zu erklären, welche Untersuchungen erwünscht sind. „Mehr als 20 Stellungnahmen von Fachbehörden, Verbänden und Gemeinden mit inhaltlichen Äußerungen wurden der Regierung von Oberbayern übermittelt“, teilt Pressesprecher Wolfgang Rupp mit.

Lesen Sie auch: Rund 40 Demonstranten haben kürzlich vor dem Heizkraftwerk München Nord dagegen protestiert. Sie fordern, dass die SWM aus Kohle und Gas aussteigen.

Die SWM werden nun die geforderten Umwelt-Untersuchungen durchführen lassen. Anschließend wird SWM-Chef Florian Bieberbach den Genehmigungsantrag bei der Regierung von Oberbayern stellen. Daraufhin werden die Untersuchungsergebnisse öffentlich ausgelegt, die Träger öffentlicher Belange können ihre Einwendungen einreichen. Abschließend prüft die Regierung das Für und Wider eines GuD-Neubaus und erlässt einen positiven oder negativen Genehmigungsbescheid.

Gemeinde kann Veränderungssperre erlassen

Parallel dazu stellt die Gemeinde Unterföhring einen Bebauungsplan auf. Das hat der Gemeinderat am 8. Oktober 2020 beschlossen. Dadurch will die Gemeinde künftig auf dem Sondergebiet des Heizkraftwerks nur noch Energieanlagen erlauben, die mit regenerativer Energie arbeiten, gleichzeitig werden Energieerzeugungsanlagen mit fossilen Energieträgern verboten. Die SWM benötigen eine Baugenehmigung, die die Gemeinde demnach nicht erteilen wird.

Als zusätzliche Möglichkeit hätte die Gemeinde das Recht, eine Veränderungssperre zu erlassen. Dann dürfte drei Jahre lang baulich auf dem Sondergebiet nichts verändert werden.

Verbündete: die Bürgergemeinschaft für Landschaftspflege in Ismaning um (v.l.) Klaus Thoma, Erika Sell, Martin Sell.

Ismaning hat mit Unterföhring einen Schulterschluss im Widerstand gegen die GuD3-Anlage geschlossen. Der Ismaninger Gemeinderat begrüßt zwar den von den SWM geplanten Ausstieg aus der Kohleverbrennung, lehnt aber den GuD-Neubau ab.

Auch die Bürgergemeinschaft für Landschaftspflege in Ismaning protestiert gegen die „gewaltige Umweltbelastung“, die das Gaskraftwerk über 30 Jahre werden würde: „Dieses Gaskraftwerk wird alleine 22 Millionen Tonnen CO2 während der gesamten Laufzeit ausstoßen. Bei über 70 Prozent der Windrichtung nach Nord-Ost ist somit Ismaning massiv belastet“, schreibt Vorsitzender Klaus Thoma in einer Pressemitteilung. Der Mediziner fordert die SWM auf, die Planung eines Kraftwerks mit fossilen Brennstoffen aufzugeben.

Weitere Nachrichten aus Unterföhring und dem Landkreis München finden Sie hier.

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