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Wer essen will, findet uns“, hofft  Imbiss-Besitzerin Duca Zuli e (l.), „Kunden halten hier nicht mehr“, befürchtet Metzger Thomas Schäfert (Mitte),  Von 30 Prozent Verlust am Tag geht Blumenhändler Thomas Sandrock aus. 

Unterföhringer Geschäftsleute sehen schwarz

Tunnelprojekt: Kein Lärm, kein Dreck – keine Kunden

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Wenn es nach Verkehrsgutachter Harald Kurzak geht, baut die Gemeinde Unterföhring einen 2,4 Kilometer langen Tunnel durch das Straßendorf: Damit der Verkehr auf der Ortsdurchfahrt unter der Erde verschwindet (wir berichteten). Das würde die vom Durchgangsverkehr geplagte Kommune von Lärm und Abgas entlasten. Ob der Tunnel technisch möglich ist und wie viel er kosten soll, diese Fragen sollen nun weitere Experten im Auftrag des Gemeinderats klären.

Unterföhring – Während sich die Anwohner der Münchner Straße über eine bessere Wohnqualität freuen würden, sehen die ansässigen Geschäftsleute die Tunnel-Idee mit Sorge. Welche Auswirkungen würde eine Untertunnelung für die Existenz ihrer Läden haben?

Metzger Thomas Schäfert (49) fürchtet massive Umsatzeinbußen für den Fall, dass der Tunnel kommt: „Die Problematik ist, dass dann die Leute unten durch den Ort durchrauschen. Viele Kunden kommen aus Ismaning oder Oberföhring. Die halten hier nicht mehr, um Blumen oder ein Stück Suppenfleisch zu kaufen.“

Vor drei Jahren hat die Gemeinde händeringend einen Metzger gesucht und ihn aus München angeworben. Schäfert und seine Frau pachten das Metzgereigeschäft an der Münchner Straße 73, von der Gemeinde, den Anbau am Gockl-Gebäude, der lange leer stand. Die Unterföhringer Kundschaft schätzt seine hausgemachten Würste und selbst gekochten Gerichte. „Das Geschäft ist gut angelaufen“, sagt Schäfert.

Doch die Tunnel-Idee und die Abrisspläne für den Gockl bereiten Schäfert Sorgen: Zwar hat die Mehrheit des Gemeinderats beschlossen, dass der Anbau, den er für zehn Jahre gepachtet hat, erhalten bleibt. „Aber ich bekomme Hygieneprobleme in der Metzgerei, wenn hinter einer Plane der Abriss beginnt.“ Schäfert hält die Politik des Unterföhringer Gemeinderats für kurzsichtig: „Die Gemeinde hat 700 000 Euro in die Sanierung des Ladens gesteckt und ich selbst habe noch einmal 200 000 Euro investiert.“ Dass anschließend der Abriss beschlossen wurde, kann Schäfert nicht fassen. „Es fehlt ein Gesamtkonzept.“

Pizza, Salate, Pastagerichte gibt es im Imbiss von Duca Zuli, deren Laden zugleich eine kleine Eisdiele ist. Die Besitzerin glaubt nicht, dass ein Tunnel Umsatzeinbußen für sie bedeuten würde. „Wer Essen haben will, findet uns“, sagt die freundliche Wirtin, „ich glaube nicht, dass es Probleme gibt“. Im Gegenteil: „Mich nervt der Straßenlärm.“ Und die Gäste nehmen vielleicht auch lieber auf der kleinen Terrasse Platz, wenn es an der Münchner Straße etwas ruhiger wird.

Dagegen sieht Einzelhändler Thomas Sandrock für den Umsatz im Blumengeschäft schwarz: „Wenn der Tunnel kommt fehlen mir zweimal 30 Prozent des Tagesumsatzes.“ Dann bleiben seiner Meinung nach nämlich die Kunden weg, die im Berufsverkehr morgens und abends anhalten und einen Blumenstrauß mitnehmen. „Es gibt doch jetzt kaum noch Geschäfte in Unterföhring“, beklagt Sandrock.

Friseurmeisterin Gitti Stuckenberger-Amann fürchtet eher die Baumaschinen: Die 50-Jährige hofft, dass sie vor der Tür ihres Herren-Salons keine Baustelle mehr miterleben muss. „Lärm und Dreck“ hätten schon bei der Sanierung der Münchner Straße vor zwei Jahren gereicht, sagt sie. Dass weniger Kunden ihren Laden aufsuchen, falls der Tunnel kommt, das glaubt sie allerdings nicht: „Ich habe 98 Prozent Stammkunden.“ charlotte borst

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