Familie Pachtner will Neues wagen und Boardinghaus (l.) und Hotel (r.) in Apartments für Senioren umbauen.
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Familie Pachtner will Neues wagen und Boardinghaus (l.) und Hotel (r.) in Apartments für Senioren umbauen.

Pandemie zwingt Familie zum Neuanfang

Vom Hotel zur Seniorenresidenz: Betreiberin stellt ihre Pläne vor - Stolperstein droht

  • Charlotte Borst
    vonCharlotte Borst
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Neue Wege gehen möchte Monika Pachtner: Ihr Hotel im Gewerbegebiet möchte sie in ein Seniorenheim umwandeln. Die Behören signalisieren Zustimmung. Doch es gibt ein Problem.

Unterföhring – Die Betreiber des Feringapark Hotels in Unterföhring wollen ihr Hotel in eine Seniorenresidenz umwandeln. Landratsamt und Gemeinderat signalisieren Zustimmung zu den Plänen von Monika Pachtner. Geschäftsreisende und Reisegruppen aus China, Spanien und Italien haben seit 1988 Zimmer und Suiten im Feringapark Hotel gebucht. Das Geschäft lief, das Hotel expandierte. Doch seit einem Jahr stehen die 220 Zimmer fast immer leer. Die 26 Mitarbeiter sind in Kurzarbeit.

„Die staatlichen Hilfen haben uns bisher gerettet“, sagt Monika Pachtner, doch sie sieht keine Zukunft für ihr Hotel. Kleine Familienhotels in Deutschland würden sich bald wieder füllen, „aber die Geschäftsreisen werden nach der Pandemie nicht mehr das alte Niveau erreichen.“

„Wir sind flexibel und gehen auf die Menschen ein“

Die 54-Jährige nimmt die Herausforderung an: Nach 33 Jahren löst sie sich von ihrer Branche. Sie will den Hotel- und Gastronomiebetrieb an der Feringastraße 2 und 6 in „Betreutes Wohnen“ verwandeln und investieren: 110 Apartments will sie anbieten, neben ein- und zwei-Zimmer-Apartments auch größere mit 3 und 4 Zimmern.

Ihre Zielgruppe sind Senioren bis Pflegestufe 1. Die Bewohner können einen Notrufdienst und die Vermittlung von Pflegeleistungen in Anspruch nehmen und wahlweise weitere Hilfen erhalten. „Wir sind flexibel und gehen auf die Menschen ein“, Monika Pachtner hat Menschenkenntnis und versteht sich als Dienstleisterin. „Wir wollen ein entspanntes und freies Leben ermöglichen.“

Dauerhaftes Wohnen im Gewerbegebiet nicht erlaubt

In Gesprächen im Familien- und Freundeskreis sei sie auf die Idee der Seniorenresidenz gekommen, erzählt sie. „Jetzt habe ich noch den nötigen Dampf für ein neues Projekt“, sagt die 54-Jährige, „mein Ziel ist, dass ich meine Mitarbeiter mitziehen kann. Manche sind seit 25 Jahren bei mir.“ Sie will Gastronomie und Rezeption weiterführen, einen Arzt- und Einkaufsservice und einen Fahrdienst soll es geben, „und ihre Haustiere können die Senioren auch mitbringen, ob Hunde, Vögel oder Fische.“ Lebensmittel- und Bekleidungsgeschäfte sind in der Nähe. „Die Infrastruktur ist super und der Weg zum Englischen Garten nicht weit.“

Das Problem: Derzeit ist dauerhaftes Wohnen im Gewerbegebiet gemäß gültigem Bebauungsplänen nicht erlaubt. Bei einem Vorgespräch im Landratsamt erhielt die Unternehmerin aber ermutigende Signale. Auch der Gemeinderatsbeschluss bestärkt sie. Mit 15:6 haben die Unterföhringer entschieden, die Planung zu prüfen und für das Vorhaben eine Änderung des Bebauungsplans einzuleiten. Auch ein Neubau mit vier Geschossen ist im Gespräch. Ein städtebaulicher Vertrag wird zwischen Gemeinde und Grundeigentümern geschlossen.

„Jetzt probieren wir es“

Die SPD sieht allerdings das Wohnen mitten im Gewerbegebiet zwischen Hagebaumarkt, Parkplätzen und Discountern kritisch. Philipp Schwarz sagte, „es gibt kein Grün drumherum.“ Der Gemeinderat hat auch erst vor Kurzem Studentenapartments in den Oktavian-Türmen abgelehnt. Skeptisch ist auch Manfred Axenbeck (CSU), „es ist schade, wie die Senioren da wohnen sollen, ohne Balkone, Treppenhäuser und Grün.“ Aber vorerst stimmte die CSU für das Projekt und will die Planung abwarten. Gisela Fischer (Grüne) findet es sinnvoll, „die Monostruktur aufzubrechen, wir müssen Wohnen, Arbeiten und Einkaufen dort zusammenbringen.“ Johann Zehetmair (PWU) sieht Chancen: „Auf den ersten Blick darf man es kritisch betrachten, aber man darf auch mal was Neues wagen, die Folgen der Corona-Krise sind ja unübersehbar.“

Die Kosten für Fachplaner Juristen und Gutachter trägt Monika Pachtner. Sie ist optimistisch: „Jetzt probieren wir es und stellen offiziell den Antrag.“

Über alle Entwicklungen rund um das Coronavirus im Landkreis München informieren wir in unserem News-Ticker.

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